Eine junge Frau sitzt auf einer Bank und ist in ihr Handy vertieft.
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Während man selbst mal wieder nichts zu tun hat, trudeln auf Instagram Fotos von coolen Partynächten, Strandurlauben und Wochenendtrips ein.

Social Media

Fear of Missing Out

Alle haben am Wochenende wieder Tolles erlebt, während Ihr auf der Couch lagt? So lassen Instagram & Co. es uns glauben. Das kann belasten.

Von Bella Nauen,

Hier wilde Fotos einer einzigartigen Party, die man verpasst hat. Dort die weggereiste Cousine, die ihre Follower an einer Australienreise auf Instagram teilhaben lässt. Da vorne der ambitionierte Freund, der von seinem traumhaften neuen Job in dieser coolen Boutique postet. Gerade durch Social Media werden wir heutzutage im Überfluss mit Informationen darüber zugeschüttet, was andere Menschen, die wir teils nicht einmal persönlich kennen, so treiben.

Und wenn man nun zu Hause auf der Couch gemütlich durch die verschiedensten Posts von Freunden und Stars scrollt, werden einem zu großen Teilen Bilder von besonderen Momenten in deren Leben angezeigt. Und was ist mit mir? Wenn all diese Leute gerade so tolle Dinge erleben, wieso sitze ich dann hier auf dem Sofa? Sollte ich nicht auch gerade die Welt umsegeln oder zu hypnotisierender Musik auf Festivals tanzen? Verschwende ich wertvolle Zeit meines Tages, wenn ich mir nicht augenblicklich aneigne, wie man Tango, Salsa und Foxtrott tanzt?

Erst vor Kurzem habe ich gelernt, dass es für genau dieses bedrückende Gefühl einen Namen gibt: „Fear of missing out“ – die Angst davor, etwas zu verpassen, was besser ist als das, was man gerade tut oder auch davor, dass man seine Zeit momentan unnötig verschwenden könnte. Tatsächlich ist diese Angst, die kurz auch „Fomo“ genannt wird, mittlerweile zur Volkskrankheit mutiert.

Strandfotos kriegen mehr Likes als Kopfschmerzen

Denn im modernen Leben hängen wir andauernd vor den Bildschirmen und haben genau im Blick, was Freund und Feind gerade treiben. Die irrationale Panik, dass jemand anderes ein interessanteres Leben als man selbst führen könnte, rückt mit jedem Post von wilden Ereignissen anderer näher.

Dabei vergisst man schnell, dass in der digitalen Welt häufig nur die Highlights abgebildet werden. Wieso sollte Kylie Jenner auch eine 10-seitige Slideshow davon erstellen, wie sehr ihre Kopfschmerzen sie gerade bedrücken, wenn sie auch Fotos von sich am Strand von Bali posten kann? Wieso sollte die Cousine in Australien in ihrer Story berichten, wie langweilig ihr abends nach dem ganzen Trubel ist, wenn sie doch auch Bilder von süßen Kängurus teilen kann?

„Fomo“ gibt´s auch ohne Social Media

Und auch wenn man sich bewusst macht, dass all diese Posts nur Ausschnitte eines Tages zeigen und jeder Mensch Höhen und Tiefen durchlebt, bleibt die nagende „Fomo“ irgendwie immer im Hinterkopf. Natürlich kann man diese Angst auch ins Positive umwandeln und als Antrieb dafür nutzen, das Beste aus sich herauszukitzeln, anstatt Stunden auf dem Sofa am Handy zu verbringen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Denn „Fomo“ führt zum dauerhaften Vergleich des eigenen Lebens mit anderen.

Man selbst fühlt sich unbewusst dem Druck ausgesetzt, den anderen gleich zu tun und zu zeigen, welche viel wundervolleren Dinge man am Wochenende erlebt hat – es wird gar zum unbewussten Wettbewerb, wer den Samstag am Spannendsten verbracht hat. Auch vor Zeiten des Social Media-Hypes gab es schon eine Art „Fomo“, natürlich aber in anderer Form, denn es war um einiges schwieriger, die Erinnerungsfotos ohne Social Media zu verbreiten.

Und was kann man nun gegen diese Angst tun? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Die wichtigste Lektion ist wahrscheinlich die, dass man den Fokus zuerst auf sich selbst legen sollte und die eigenen Errungenschaften mit stolz betrachten sollte, statt auf andere zu schauen, da jeder ein ganz anderes Leben erfährt und ein Vergleich hierdurch eigentlich schon unsinnig ist.

Bei den ganzen Urlaubsfotos, die man momentan trotz weltweiter Pandemie auf Instagram und Co. sieht, kann man nicht nur neidisch sondern vor allem wütend werden. Aber haben wir da überhaupt ein Recht zu? Annika überlegt.

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