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Die frostigen Temperaturen am Strand von Riga lächelt Jana weg. Sie weiß ja auch, wohin es gleich geht: ins Café. Da wird sie sich heiße Schokolade bestellen.

Scenarios Auslandsreihe: Janas dritter Teil bei Around the world

Tanzendes Obst und eisiger Wind

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Jana liebt ihre Arbeit an der Schule in Vilnius. Aber auch Herbstferien sind nicht so übel. Da geht’s mit einer ganzen Clique in die lettische Hauptstadt Riga.

Möwen kreischen, Wellen brechen am Sand und der Wind rauscht mir um die Ohren. Vor mir liegt die Ostsee, jedoch befinde ich mich nicht mehr in Litauen, sondern in Riga, Lettland. Wetter zum Schwimmen herrscht hier leider nicht. Es sind eisige -1°C, und durch den Wind und die Nässe kommt es mir eher wie -10°C vor. 

Mit uns laufen nur wenige Menschen am Strand entlang. Zum Meer hat es nur 25 Minuten mit dem Zug und unglaubliche 76 Cent gekostet. Vecaki, der Name des Ortes, an dem wir uns gerade befinden, ist immer noch ein Teil von Riga, jedoch sehr, sehr weit außerhalb. 

Riga an sich ist toll. Gerade die Altstadt ist wunderschön, und von unserer Wohnung aus kann man alle großen Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen. Egal ob Kirchen, Restaurants, Parks oder Museen, hier wird man definitiv fündig, und gerade zu dieser Jahreszeit scheint mir nicht allzu viel los zu sein in dieser schönen Stadt.

Das Baltikum entdecken

Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass ich für vier Tage in Riga bin? Nun, die ganze vorherige Woche hatte ich frei, da Herbstferien in Litauen sind. Um etwas mehr vom Baltikum zu entdecken, haben meine „Mit-Freiwilligen“ und ich uns vorgenommen, in unserer freien Zeit nach Riga zu fahren. 

Auch wenn ich die vergangenen paar Tage sehr genossen habe, freue ich mich schon auf nächste Woche, denn dann bin ich wieder in meiner Klasse an der Atgaja-Schule. Die Freiwilligenarbeit dort macht super viel Spaß, ist jedoch auch anstrengend. Die Kinder habe ich total ins Herz geschlossen, und ich sehe, dass es auf ihrer Seite genauso ist. Jeden Morgen, wenn ich in die Schule komme, höre ich nur „Janaaaa“, Fußgetrampel, und auf einmal befinde ich mich mitten in einer Umarmung – teilweise von acht Kindern gleichzeitig. Klar, dass ich das genieße. 

Gesang, Getrommel und Tanz

Vor einiger Zeit gab es so etwas wie ein kleines Erntedankfest für die jüngeren Schüler. Dafür haben sich alle Klassen eine kleine Aufführung überlegt – mit Tanz, Gesang oder Getrommel. Zuckersüß standen die Kinder dann vor den anderen in ihren Kostümen, immer passend zu einem saisonalen Gemüse oder Obst als Thema. Meine Klasse hatte das Thema Äpfel, und sie hat ein Lied mit kleinen Tanzbewegungen vorgetragen. Im Musikunterricht wurde geprobt und geprobt, und als Unterstützung sollte ich vor ihnen stehen und alle Bewegungen vormachen, damit sie von mir abgucken konnten, falls sie einmal nicht mehr weiterwussten. Wovon genau sie sangen, weiß ich bis jetzt nicht, da auf Litauisch gesungen wurde. 

Fünf Stunden Action mit den Kids

Ein normaler Arbeitstag dauert bei mir übrigens von 9.30 bis 14.30 Uhr. Obwohl das nur fünf Stunden sind, fühlt es sich an wie das Doppelte an Zeit voller Action mit den Kids. Wenn ich danach mit dem Bus nach Hause fahre, schlafe ich immer fast ein. 

Langsam wird es uns allen hier am Meer zu kalt, und wir setzen uns in ein kleines Café am Rande des Strands. Heiße Schokolade ist jetzt genau das Richtige! Dazu habe ich mir noch Pancakes bestellt, zur Stärkung für den Rückweg.

Neu gewonnene Freiheit ist der Hammer 

Wir reden darüber, dass die Zeit hier echt wahnsinnig schnell vorbeigeht. Klar habe ich zwischenzeitlich auch etwas Heimweh, doch es hält sich glücklicherweise in Grenzen. 

Und tatsächlich gewöhnt man sich schnell daran, für sich selbst zu sorgen. Diese neu gewonnene Freiheit ist wirklich der Hammer. Das ist wahrscheinlich sogar das, was ich am meisten hier genieße. 

Und: Ich kann an mir selber erkennen, wie stark ich mich schon jetzt verändert habe. In meiner neuen WG, in die ich vor drei Wochen eingezogen bin, fühle ich mich ebenfalls super wohl. Meine Mitbewohner sind total nett, und ich habe tatsächlich das größte Zimmer der ganzen Wohnung bekommen. Diese liegt zwar etwas außerhalb, die Busverbindungen sind jedoch super, und meist ist es sehr ruhig in der Gegend. 

Fast jeden Tag laufen mir Mamas und Papas mit Kindern über den Weg. Viele Familien bevorzugen diese ruhige Gegend als Wohnort. 

Bestens gerüstet für minus 15 Grad 

Meine heiße Schokolade ist halb leer und die Pancakes schon längst verzehrt. Das Ganze hat mich angenehm von innen aufgewärmt. Die kalten Temperaturen, die schon die ganze vergangene Woche hier und in Litauen herrschten, fühlen sich für mich an wie Winter im Februar bei uns zu Hause. Ich frage mich schon, wann wohl der erste Schnee fällt und ich meine Skiunterwäsche heraussuchen muss. Die Einheimischen sagen, dass es hier gut und gerne -15°C im Winter geben kann. Doch ich bin bestens ausgerüstet, und auf so einen richtig kalten Winter mit viel Schnee freue ich mich auch schon total.

Reisebusse sind modern und günstig

Jetzt müssen wir auch schon wieder los, damit wir unsere Bahn zurück in die Stadtmitte nicht verpassen. Zugtickets konnten wir schon vorher im Internet kaufen, das ist echt super praktisch. Dem Kontrolleur mussten wir nur noch das Online-Ticket vorzeigen. In unserem Apartment machen wir erst mal Pause, und heute Abend geht es dann raus in eine Bar, unseren letzten Abend hier genießen. Morgen bringt uns unser Bus dann um 13 Uhr zurück nach Vilnius. Wenn man durchs Baltikum reisen will, dann lohnen sich Reisebusse sehr. Diese sind hier meist hochmodern ausgestattet und dafür noch recht günstig. 

Für die vierstündige Hin- und Rückfahrt musste ich nur 26 Euro bezahlen. Auch wenn wir noch etwas Zeit in Riga haben, weiß ich jetzt schon, dass ich definitiv wiederkommen werde. Diese Stadt ist echt wunderschön!

INFO: Jana Konkel (18, Herten) geht für acht Monate nach Litauen. In der Hauptstadt Vilnius wird sie im Rahmen des „Europäischen Solidaritätskorps“ (ESK) einen Freiwilligendienst an einer Schule für Kinder mit Behinderungen leisten. In ihrer Freizeit möchte Jana viel von Litauen und dem Baltikum entdecken. Bei uns erzählt sie von ihrem Leben in Vilnius.

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