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In der Corona-Zeit treffen sich Lena und ihre Freundinnen in ihren Autos auf Parkplätzen, um so Zeit miteinander zu verbringen. Für's Foto sind sie aber kurz ausgestiegen.

Scenarios Auslandsreihe: Lenas achter Teil aus den USA

Freunde treffen auf Parkplätzen

  • vonLena Schulz
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Lena hat beschlossen, ihr Au-pair trotz Corona fortzusetzen. Auf ihrem Tagesplan stehen nun Kinderbespaßung und Unterrichten.

Ich habe schon von vielen Leuten gehört, die ihre Auslandsaufenthalte wegen des Coronavirus frühzeitig beenden mussten. Ebenso wurde ich auch schon oft gefragt, warum ich das nicht auch mache. Na ja, Au-pairs wird das grundsätzlich selbst überlassen und da ich nicht in einer großen Stadt mit vielen Fällen lebe, denke ich, dass es nicht wirklich nötig ist nach Hause zu fliegen. 

Viele meiner Freunde, mit denen ich angereist bin, sind schon wieder zu Hause oder fliegen bald. Ich habe oft mit meiner Gastfamilie und meinen Eltern über die Situation gesprochen und auch meine Mutter hält es für das Beste, dass ich nicht verfrüht nach Hause komme, sondern meinen Aufenthalt hier regulär beende. Wenn ich in einem der Coronavirus-Hotspots, wie New York, leben würde, hätte sie mich natürlich schon längst nach Hause geholt. 

Hier in Spokane habe ich einen Job, mit dem ich Geld verdiene, ich habe etwas zu tun und helfe sogar noch einer Familie, die mich in diesen Zeiten besonders braucht. Beide Gasteltern gehen arbeiten und außer mir kann niemand auf die Kinder aufpassen, da man die Großeltern ja schließlich nicht sehen soll und alle gerade verstärkt nach Nannies suchen. 

Ich will meine Gastfamilie deshalb in dieser Zeit nicht im Stich lassen. Wir sind jetzt schon seit vier Wochen in der Isolation und gehen nirgendwo hin, außer auf Autofahrten, um die Kinder mal aus dem Haus zu kriegen. Natürlich ist die Situation schwer für mich und ich würde lieber mit meiner richtigen Familie in einem Haus eingesperrt sein, wo ich nicht ständig drei Kinder um mich habe und diese sogar noch unterrichten muss – doch ich glaube, niemand ist wirklich glücklich mit der jetzigen Situation. 

Meine Freunde zuhause in Deutschland haben mir erzählt, dass sie über Wochen nur drinnen saßen ohne irgendetwas zu tun zu haben. Das ist natürlich auch nicht so toll. 

Ich war echt glücklich, dass ich meine Gastmutter in den ersten drei Wochen noch bei mir zu Hause hatte, sodass sie mir zwischendurch ein bisschen bei meinen Aufgaben helfen konnte. Nun habe ich die erste Woche ganz alleine mit den Kindern hinter mir und es war gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Ich bin nur gespannt wie es sich noch weiterentwickelt, da die Kinder mindestens bis September noch zu Hause sind, da hier in diesem Schuljahr alle Schulen geschlossen bleiben.

Damit die Kinder trotz Quarantäne einen geregelten Tagesablauf haben, habe ich einen „Daily schedule“ für sie erstellt. Hier steht drauf, von wann bis wann, welche Lerneinheiten geplant sind und wann gespielt werden kann. 

Weniger Kontakt nach Hause schmerzt 

Eine der schlimmsten Sachen für mich ist es, nicht mehr so oft mit meinen Eltern telefonieren zu können, da die Kinder schließlich nicht mehr in der Schule sind, was mir einige Pausen wegnimmt. Auch ist es schwer, meine Freunde nicht mehr uneingeschränkt sehen zu können, doch wir haben etwas Neues für uns entdeckt, sodass wir doch gemeinsam Zeit verbringen können. Ich weiß nicht, ob das in Deutschland auch schon so bekannt ist, doch wir haben jetzt schon zwei mal Treffen organisiert, bei denen wir uns mit unseren Autos in einen Kreis gestellt und dann zusammen Musik gehört und uns unterhalten haben. 

Es war echt schön, alle mal zu sehen und mit jemandem zu sprechen, der die Situation versteht, in der man steckt. Meine Gasteltern können meine Lage natürlich überhaupt nicht verstehen. Für sie ist das ja alles normal: Ich passe von 8 Uhr morgens bis 16:30 Uhr auf die Kinder auf und dann übernehmen sie die Betreuung wieder. 

Aber nicht alles an dieser Zeit ist negativ. Während der Treffen und der verstärkten Zeit am Handy, habe ich neue Freunde während der Quarantäne gewonnen und bereits bestehende Freundschaften noch weiter verstärkt. Damit will ich zeigen, dass die Quarantäne mich teilweise auch glücklich macht und ich in dieser Situation nicht nur Schlechtes sehe.

Im letzten Teil unserer Auslandsreihe hat sich Kristina aus Australien gemeldet. Sie hat Surfen an den Stränden Sidneys als neues Hobby für sich entdeckt. 

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