Gamer
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Ähnlich wie der Junge auf dem Foto, hing auch Annikas Freund tagelang vor dem PC.

Suchtverhalten erkennen

Game Over – Gefangen in der Spielsucht

  • Annika Mittelbach
    vonAnnika Mittelbach
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Ein Freund von Annika ist Gaming-süchtig. Wie sie das erlebt hat und wie er sich verändert hat, schildert sie für Euch.

Daddeln, Zocken, Gamen – für die Beschäftigung vieler gibt es auch viele Begriffe. Und gerade in Corona-Zeiten ist ja auch eigentlich nichts verwerfliches daran, sich ein Hobby zu suchen und die Zeit mit einer spannenden Beschäftigung zu vertreiben – doch was ist, wenn das Ganze ausufert und in einer richtigen Gaming-Sucht endet? 

Ein Freund von mir ist in diesen Strudel geraten und als Angehöriger ist es kaum zu ertragen, sich das Ganze anzuschauen. Falls Ihr also selbst die Vermutung habt oder Ihr auch Leute in Eurem Bekanntenkreis habt, die eventuell zocksüchtig sind, checkt mal die folgenden Verhaltensweisen, die mir selbst bei meinem Freund aufgefallen sind: 

Wer Gaming-süchtig ist, neigt dazu, sich selbst zu überschätzen. Und zwar nicht unbedingt im Game, sondern vor allem im Real Life. Die Lüge, die sich dann selbst erzählt wird, beinhaltet den Glauben, man schaffe alles andere trotz der Zockerei und die Leistung in Schule oder im Beruf würde nicht nachlassen. Wenn man sich nicht so nahesteht oder nur den Freundeskreis teilt, kann man das kaum überprüfen. 

Es ist aber eigentlich nur logisch, dass jemand, der den ganzen Tag und die ganze Nacht am Zocken ist, keine Zeit hat, zu lernen oder sich vernünftig um seinen Job zu kümmern. Mein Freund sprach monate- später sogar jahrelang davon, dass er sein Studium noch aufnehmen beziehungsweise beenden würde. Bis irgendwann rauskam, dass er schon längst nicht mehr eingeschrieben war, weil er den Semesterbeitrag nicht bezahlen konnte. 

24/7 an der Konsole hängen 

Ein weiterer auffälliger Punkt ist, dass Hobbys verloren gehen und Freunde vernachlässigt werden. Wie oft ich und andere angefragt haben, ob er Lust hat, was zu unternehmen, in den Park zu gehen, ins Kino oder sonst wohin. Die Antwort war immer die gleiche: „Neee, ich zock lieber.“ Wenn man nichts anderes mehr macht und alle Menschen, die sich nicht im eigenen Teamspeak befinden, vergisst, sollten die Alarmglocken klingeln. 

Gaming-Süchtige fangen aber nicht nur an, sich selbst zu belügen (siehe Beispiel eins), sondern zunehmend wird auch das Umfeld angelogen. Das fängt bei kleinen Schwindeleien darüber an, wie lange man gestern Nacht wirklich gezockt hat bis dahin, ob man die Miete überwiesen hat und ob man das im Moment kann, ob man genug Kohle zum Essen hat und ob man sich neben dem ganzen Zocken überhaupt auch mal die Zeit genommen hat, duschen zu gehen und sich die Zähne zu putzen. 

Wut über ausbleibende Einsicht 

Lange Zeit habe ich dieses Verhalten belächelt, entschuldigt und einfach hingenommen. Man möchte schließlich niemandem eine Sucht unterstellen, wenn man sich nicht zu 100 % sicher ist und irgendwie zockt ja jeder auch mal ganz gerne und kann sich eine Zeit lang darin verlieren. Doch wenn diese ganzen Punkte zusammen kommen und man eine Weile damit lebt, fängt man an, sich Sorgen zu machen.

Ich habe meinen Freund nicht mehr wiedererkannt – er war nur noch ein jämmerlicher Abklatsch von der strahlenden Persönlichkeit, die eigentlich immer ein offenes Ohr für ihre Freunde hatte. Er ging für seine Zock-Sucht über Leichen, ohne Rücksicht auf die Gefühle und die finanzielle Situation der anderen, die seine Schulden ausbaden mussten.

In diesem Moment ist es schwierig, sich nicht in schierer Wut zu verrennen, sondern einfach auch zu erkennen, dass derjenige Schwierigkeiten hat und vermutlich professionelle Hilfe braucht. Vor allem wenn er aus seinem Lügenkonstrukt, in dem er es sich so gemütlich gemacht hat, gar nicht mehr rauskommt und die Problematik nicht sieht.

Man möchte ihn schütteln und versteht nicht, warum er nicht versteht, wie andere unter seinem Verhalten leiden. Und doch weiß ich, dass zum Beispiel mein Freund das alles nicht böse gemeint hat. Er konnte nicht anders. Er kann auch noch nicht anders. Denn er hat sein Problem noch nicht eingesehen. 

Ich allerdings habe die Reißleine gezogen und den Kontakt abgebrochen. Ab einem bestimmten Punkt muss man sich selbst schützen. Und Menschen, die Probleme haben aber das nicht einsehen, sind tickende Zeitbomben, die erst in die Luft gehen müssen, bevor man ihnen wieder helfen kann.

Unsere Autorin Sophia hat sich Gedanken übers Containern gemacht. Ein paar Bekannte von ihr, haben regelmäßig Erfolg damit, weshalb sie nicht verstehen kann, warum es noch immer verboten ist. 

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