Geht's auch ohne Smartphone?

Das Leben ist mehr als ein Handybildschirm

Nach langer Leidenszeit meines Handys war ich bereit, ihm einen neuen Akku zu schenken. Dauer der Reparatur? Drei Tage. Kein Problem, dachte ich. Drei Tage, in denen ich nicht verpflichtet bin, jemandem zu antworten und einfach eine Pause von sozialen Netzwerken und minutenlangen Sprachmemos nehmen kann. Aber erst beim Abgeben meines Handys wurde mir bewusst, wie sehr ich meine Existenz auf dieses kleine Gerät beschränke – genug auf jeden Fall, um darüber einen Artikel zu schreiben.

Mein Handy verwaltet meine sozialen Kontakte, fungiert als Kamera, als Wecker, als Schreibmaterial für Inspirationsanfälle auf der Straße, als Kalender und natürlich als Musikbox, um morgens im Bus meine Ruhe zu haben. Mein Blog läuft zu großen Teilen auch über Instagram – wofür ich ein Handy brauche.

Snapchat, WhatsApp, Instagram, Wattpad, Pinterest, Sweek, Tumblr, Twitter, Reddit. Wieso tun wir uns all diese Netzwerke an? Täglich werden wir bombardiert mit Benachrichtigungen, obwohl wir auf einem Großteil der Netzwerke nicht mal mehr aktiv sind.

Wie liefen die drei Tage nun ab? Mein Vater hat die Nummern meiner wichtigsten Bezugspersonen in seinem Handy eingespeichert. Also erst einmal brav allen anderen Bescheid sagen und sich für die nächsten Tage abmelden. Ohne Internet kam ich gut klar, aber ich wollte meine beste Freundin und meinen Freund auch nicht drei Tage links liegen lassen.

So bekam meine beste Freundin abends Nachrichten von Papas Handy und die all-abendlichen Gespräche mit meinem Freund fanden über das Festnetztelefon statt, wodurch ich mich wirklich in meine Kindheit zurückversetzt fühlte. Und natürlich musste das Handy meines Vaters auch als morgendlicher Wecker herhalten. Mein letzter „echter“ Wecker klang wie eine Polizeisirene und so einen wollte ich dann nach dessen Ableben nicht mehr besitzen.

Erste Amtshandlung: Snapchat deinstallieren

Nach drei Tagen kehrte mein Handy schließlich wohlbehalten und repariert zurück. Meine erste Amtshandlung bestand darin, zunächst ein paar soziale Netzwerke zu löschen, die ich einfach nicht mehr nutzte. Und wer auch immer sich diese Snapchat-Flammen ausgedacht hat: meeeeh! Mit zwei oder drei Leuten diese Flammen zu sammeln ist okay, aber wenn man irgendwann 20 Freunden täglich ein Foto schicken muss, ist das einfach nur noch nervig – weg damit!

Und schließlich habe ich mich entschieden, nicht immer erreichbar zu sein. Solange keiner meiner Freunde gerade ein ernsthaftes Problem hat, ist es vollkommen okay, einfach mal zwei Stunden offline zu sein und sich Zeit für sich zu nehmen. Und an diesem Artikel weiterzuschreiben, den man doch schon vor zwei Tagen fertig haben wollte. Und ja, vielleicht kauf‘ ich mir demnächst auch mal einen wohlklingenden Wecker.

Mein Tipp: Das Internet ist toll, keine Frage. Aber nehmt Euch ab und zu mal eine Pause davon. Geht raus oder lest gemütlich ein Buch oder die Zeitung zu Hause! Sucht Euch Beschäftigungen außerhalb dieses kleinen Bildschirms! Daran stirbt niemand und es verschafft Euch Freiraum und Ruhe. Euer Leben ist mehr als ein Handybildschirm oder ein Instagramprofil.

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