+
... und jetzt ganz entspannt in den Herabschauenden Hund. So entspannt, wie es eben geht.

"Gleich kippe ich um"

Gedanken bei der Yoga-Stunde

Yoga ist ja im Moment voll im Trend. Bei den einen ein wenig verpönt, weil das ja nur Rumliegen und ein bisschen Dehnen ist, bei den anderen eine Lebenseinstellung. Ich mache seit ein paar Jahren mal mehr, mal weniger Yoga. Und die offiziellen Stunden laufen immer nach einem ähnlichen Schema ab.

Vorher. Jeden Montag habe ich prinzipiell Yoga. Und jeden Montag geht bei mir der Gedankenkreis los. Ich sollte heute wirklich zum Yoga gehen. Aber eigentlich muss ich noch so viel anderes Zeug erledigen. Und eigentlich habe ich auch zu viel gegessen, um mich so zu verrenken. Vielleicht sollte ich das für mich alleine zu Hause machen. Dann sieht mich auch keiner dabei. Aber wenn ich es alleine mache, mache ich es ja doch nicht richtig. Und was soll ich überhaupt anziehen? Yoga-Hose ist safe. Die ist gemütlich und warm. Damit kann ich mich arrangieren.

Aber obenrum? Ein Top ist für die Meditation und die Tiefenentspannung am Ende zu kalt. Und bei manchen Positionen auch sehr unvorteilhaft. Ein weites T-Shirt hängt einem vor allem beim Herabschauenden Hund die ganze Zeit im Gesicht und der Bauch wird entblößt. Man zuppelt und zieht an sich rum – es ist nicht einfach. Manchmal gewinnt dann einfach der innere Schweinehund und ich mache es mir dann doch auf der Couch mit Netflix gemütlich oder ich zwänge mich in irgendein Yoga-Outfit, zwischen gemütlich und funktional, und schleppe mich tatsächlich durch Wind und Wetter zum Yoga.

Dabei. Ich komme in den Raum, der ein bisschen muffig riecht von der Gruppe vor uns. Jeder schnappt sich eine Yoga-Matte, Blöcke, eine Decke, vielleicht ein Seil. Die meisten Utensilien braucht man eigentlich eh nicht. Und ich sitze auf meinem Yoga-Kissen und versuche, das Gelaber meiner Mit-Yogis auszublenden, denn Yoga mache ich für mich. Um runterzukommen.

Die erste Viertelstunde ist nur ein bisschen „Om“

Der Einstieg ist easy. Ein bisschen Atmen. Ein bisschen Om. Wir konzentrieren uns darauf, tief einzuatmen, grade zu sitzen und noch tiefer wieder auszuatmen. Das dauert etwa eine Viertelstunde. Ist doch gar nicht so schlimm, denke ich. Und dann fängt die Folter an. Beim ersten „Hund“ denkt man sich, okay, ich bin der unbeweglichste Mensch der Welt. Warum bin ich nicht zu Hause geblieben? Die Yoga-Lehrerin geht rum und redet etwas von „auf der Stelle treten“, „die Lippen entspannen“ und „das Atmen nicht vergessen“. Ich möchte ihr auf die Nase hauen. Dann fängt es an mit den Abwandlungen vom Sonnengruß. Krieger eins, Krieger zwei, Krieger drei, Gleichgewicht!

Und in den Herabschauenden Hund. Die Beine fangen an zu zittern und mein Blick wandert im Minutentakt auf die Uhr vor mir. Ich hasse Yoga. Warum mache ich das eigentlich? Meine Oberschenkel kündigen mir die Freundschaft. Mein Nacken verspannt sich. Twist. Wir gehen in die Dehnung. Ich will eigentlich nur in die Stellung des Kindes. Ein bisschen ausruhen. Nachspüren. Aber nein, die Yoga-Lehrerin hat andere Pläne. Und während ich in der Stuhl-Position denke, ich kippe gleich ohnmächtig nach vorne, beschließe ich, das war das letzte Mal mit diesem esoterischen Quatsch. Und irgendwann setzen wir uns auf den Po, machen die „Sitzhöcker frei vom Sitzfleisch“ und dehnen noch ein bisschen. Zugegeben, früher waren die Füße in der sitzenden Vorbeuge für mich unerreichbar.

Heute geht das eigentlich ganz gut. Ich starre trotzdem noch auf die Uhr. Denn gleich kommt das Schönste. „Nehmt Euch eine Decke für die Tiefenentspannung.“ Shavasana – die erlösende Position. Dabei liegt man einfach nur auf dem Rücken und versucht, der Quälerei von vorher nachzuspüren. Die Gedanken abzuschalten. Ich denke dabei meistens daran, was ich später essen werde. Eine Kleinigkeit, schließlich soll sich der Sport ja auch gelohnt haben. Oder vielleicht doch die Nudeln vom Nachmittag? Was muss ich eigentlich noch erledigen? Sollte ich mein Zimmer aufräumen? Vielleicht sollte ich ein neues Hobby anfangen. Bei der Tiefenentspannung macht man alles andere, als den Geist auszuschalten. Bei mir legt der Geist da eigentlich erst richtig los. Bis es heißt, „kommt mit leichten Bewegungen wieder in den Raum zurück!“ Mist, vergessen, die Gedanken auszuschalten.

Danach. Ich verlasse den inzwischen noch muffigeren Raum und bin froh, dass ich mich zum Yoga gequält hab. Meine Muskeln brennen und ich freue mich jetzt schon auf den Muskelkater des Jahrtausends. Und vor allem freue ich mich auf das Essen zu Hause. Ich denke, war doch gar nicht so schlimm. Das solltest du regelmäßig machen. Bis der ganze Spaß am Montag von vorne anfängt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Nach dem Feuer in der "Kinderwelt": So äußert sich der Betreiber
Nach dem Feuer in der "Kinderwelt": So äußert sich der Betreiber
Brandursache in RE geklärt, Fahndung nach unsittlicher Berührung, Verkehrschaos vor Schalke-Spiel
Brandursache in RE geklärt, Fahndung nach unsittlicher Berührung, Verkehrschaos vor Schalke-Spiel
Ed-Sheeran-Groove trifft auf 80er-Jahre-Feeling mit Tony Hadley
Ed-Sheeran-Groove trifft auf 80er-Jahre-Feeling mit Tony Hadley
Schalke verliert 0:3 gegen Bayern München - dennoch macht der Auftritt Mut
Schalke verliert 0:3 gegen Bayern München - dennoch macht der Auftritt Mut
Verkehrschaos vor dem Schalke-Spiel gegen Bayern München - aus diesem Grund
Verkehrschaos vor dem Schalke-Spiel gegen Bayern München - aus diesem Grund

Kommentare