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Die Jugend meines Opas

Scenarios Serie

Die Jugend meines Opas

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Oma und Opa kennen uns seit unserer Geburt, doch was wissen wir eigenlich über unsere Großeltern? In dieser Reihe fragen Jugendredakteure und Leser nach.

Glücklich ist, wer Oma und Opa hat. Wo Mama und Papa schon längst mit uns geschimpft hätten, drücken sie ein Auge zu. Sie hören uns zu, nehmen uns in den Arm, und bei ihnen gibt’s oft Kaffee und Kuchen. Jederzeit können wir mit unseren Sorgen zu ihnen kommen: Sie wissen Rat, denn sie sind lebenserfahren. Jetzt sollen sie zu Wort kommen – hier bei Scenario. Unsere Jugendredakteure und Leser wollen wissen, wie „die Jugend ihrer Großeltern“ aussah. Heute befragt Kathi Lenger ihren 86-jährigen Opa Willi aus Herten-Langenbochum. 

Kathi: Was war Dein Lieblingsplatz, und wie hat er sich im Laufe der Jahre verändert? 

Willi: In Herten-Langenbochum bin ich mit meinen acht Geschwistern und meinen Eltern aufgewachsen. Mein Lieblingsplatz lag direkt gegenüber unserer Haushälfte. Dort war ein großes Feld, wo ich mit den Nachbarskindern Fußball gespielt habe. Irgendwann wurde da eine Tankstelle gebaut. Heute steht dort ein Haus mit altengerechten Wohnungen. In einer dieser Wohnungen lebe ich nun seit 2015. 

Kathi: Wie hast Du Dir das Erwachsenwerden vorgestellt? 

Willi: Damals habe ich mir gar keine Gedanken darüber gemacht. Ich musste jedoch schon als achtjähriger Junge zu Hause anpacken, denn wir waren schließlich Selbstversorger. Da meine beiden Brüder zu dieser Zeit nicht zu Hause waren – der eine war als Soldat im Krieg und der andere in der Kinderlandverschickung – war ich der einzige Junge im Haus. Mein Vater war im Volkssturm, deshalb habe ich die Tiere wie Schweine, Hühner und Hasen gefüttert, den Garten gepflegt und gegraben und auf meine Schwestern aufgepasst. Es gab immer etwas zu tun. 

Heiratsantrag in Recklinghausen

Kathi: Was war der schönste und was war der schlimmste Moment in Deinem Leben? 

Willi: Die schönste Zeit war das Kennenlernen von Deiner Oma Monika. Wir waren viel spazieren und haben ganz viel getanzt zusammen. In Recklinghausen habe ich ihr dann einen Antrag gemacht, danach sind wir nach Wuppertal zu meiner Schwester gefahren und haben dort die Verlobung gefeiert. Das war richtig schön. Die schlimmste Zeit war vor allem die Kriegszeit. Bei Bomben-Alarm sind wir alle in den Keller und hatten richtig Angst. Zweimal ist eine Bombe in unserem Garten explodiert – und wir hatten Glück, dass der Druck Richtung Zeche „Schlägel und Eisen“ ging. Nicht mal eine Fensterscheibe war kaputt. Der Tod meiner Frau im Jahre 2016 war für mich jedoch der schlimmste Moment in meinem Leben. 

Kathi: Wer war Deine erste Liebe, und wie ist es gelaufen? 

Willi: Meine große Liebe war Deine Oma Monika. Durch meine Eltern und ihre Tante und ihren Onkel (dort wuchs Monika auf), lernten wir uns schon in jungen Jahren kennen. Doch so richtig kennen und lieben gelernt haben wir uns beim Tanzen in der damaligen Kneipe Brinkmann. Da war ich ca. 21 Jahre jung und Monika 18 Jahre. Ich hatte Moni zum Tanz aufgefordert – und auch ich wurde von ihr aufgefordert. Danach haben wir uns verabredet, bis wir uns verliebten und schließlich auch geheiratet haben. Mit 30 Jahren wurde ich das erste Mal Vater meiner Tochter Heike. Da war Moni 26 Jahre alt. Danach kamen noch zwei weitere Kinder, Dein Papa Klaus und Uwe. Zu einem späteren Zeitpunkt wurden wir nochmals Eltern eines Jungen namens Thorsten. So war die Familie komplett. Später kamen dann die Enkelkinder – zuerst Du, dann Fabian und Claas. Da war die Freude natürlich groß. 

Kathi: Was wundert Dich an meiner Generation, und hast Du Fragen an uns?

Willi: Ich finde, dass die heutige Generation viel ruhiger geworden ist. Es gibt kein großes Tam Tam mehr. Damit meine ich, dass die jungen Erwachsenen gar nicht mehr tanzen gehen wie wir früher. Und sie sind oft auf ihre Smartphones fixiert, damit kann ich nichts anfangen. Was mir aber auch auffällt, ist, dass der Druck größer geworden ist als früher. Damals war es viel einfacher, eine Lehre zu finden und übernommen zu werden. Heute ist es viel schwerer, man muss viel mehr aufweisen können. Das finde ich schade.

Hier – bei dieser schönen Reihe – dürfen Enkel und Großeltern mitmachen. Schreibt uns, wenn Ihr mit Eurer Oma oder Eurem Opa dabei sein wollt, einfach eine kurze Mail mit dem Betreff „Jugend der Großeltern“ und dann schicken wir Euch weitere Informationen zu: scenario@medienhaus-bauer.de

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