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Maximilian (l.) und Colin wollten erst was ganz anderes machen, sind aber nun total froh, Kinobetreiber zu sein.

Jeden Tag ins Kino...

... gehen unsere VIPs Colin und Maximilian

Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Kasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch bei Scenario junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Colin und Maximilian.

So richtig fassen können es Colin Germesin und Maximilian Meynigmann aus Marl noch immer nicht: Die beiden Jung-Unternehmer haben vor Kurzem die Loe Studios in Marl neu eröffnet. Seit dem 10. Januar können sich die Marler die aktuellsten Filme wieder vor Ort im Trogemannseck anschauen. Dass sie das Kino an dieser Stelle nach jahrelangem Leerstand wieder neu eröffnen würden, war so nicht geplant. Wäre es nach Colin und Max gegangen, dann wäre dort etwas ganz anderes entstanden.

„Wir waren ursprünglich auf der Suche nach einer Veranstaltungshalle und haben dann die Immobilien-Anzeige der Loe Studios entdeckt“, sagt der 23-jährige Colin. „Als wir dann durch die Räume gegangen sind, habe ich gedacht, dass es viel zu schade wäre, das Kino nicht zu erhalten“, sagte Colin. In den Köpfen der beiden ratterte es. Die Loe Studios in Marl wieder eröffnen? Kann das funktionieren? Der 21-jährige Max hat gerade eine Ausbildung begonnen, Colin hat zur Hälfte sein Duales Studium in der Tasche. Sie überlegten, sprachen mit Experten, schauten sich Kinos und aktuelle Branchenzahlen an. „Irgendwann stand fest: Wir machen das! Wir eröffnen ein neues Kino in Marl und erwecken die Loe Studios aus ihrem 13-jährigen Dornröschenschlaf“, so Colin.

Laut des Hauptverbands Deutscher Filmtheater (HDF) gibt es aktuell 1670 Kinos in Deutschland und 900 Kinostandorte. Vor elf Jahren waren es sogar noch 1800 Kinos. In NRW gibt es heute 138 Kinostandorte mit rund 270 Kinos. Der Zahl der Kinos in NRW ist in den vergangenen Jahren nur minimal zurückgegangen. Das belegen Zahlen der Filmförderungsanstalt. „Tatsächlich musste die deutsche Kinobranche im vergangenen Jahr einen Besucherrückgang verzeichnen“, so Martin Turowski, Vorstand des HDF Kino e.V. „Neben einem Jahrhundertsommer und der Fußball-WM gibt es mittlerweile einen immer größeren Wettbewerb zu anderen Kulturaktivitäten oder Freizeitangeboten wie Netflix.“

Turowski sei sich aber sicher, dass die Anziehungskraft des Kinos weiter steigen wird. Das würden aktuelle Zuschauerzahlen der letzten Wochen und der Blick nach Amerika zeigen, wo 2018 neue Besucherrekorde in den Kinos aufgestellt wurden. „Einen Film auf der großen Leinwand gemeinsam zu erleben, mitzufiebern, zu weinen und zu lachen – das gibt es nur im Kino. Das wird niemals durch das Konsumieren von Serien und Filmen zu Hause ersetzt werden können. Mit einem attraktiven Programm und erstklassigen Service wird das Kino auch weiterhin der Ort sein, wo die Besucher großartige Filme erleben wollen“, sagt Martin Turowski.

Renovierungszeit war extrem stressig

Für Colin und Max ging es dann ans Eingemachte: Im März 2018 haben die beiden angefangen, den Bürokram zu erledigen. Ende Mai ging es dann los mit der Renovierung. Bis August wurde das alte Kino vollständig entkernt. „Außer Grundriss und Mauerwerk konnten wir nichts von den Vorbesitzern – der Familie Masthoff – übernehmen. Wir mussten alles rausreißen bis zum Hauptanschluss der Stromleitung“, sagte Colin. Für die Jung-Unternehmer war das die stressigste Zeit. 14 bis 16 Stunden haben sie pro Tag gearbeitet. Das Arbeitspensum ist bis heute nicht viel weniger geworden. „Wir haben sieben Tage die Woche geöffnet und wollen natürlich, dass der Laden läuft“, so Max Meynigmann.

Heute beeindruckt das Kino durch seine moderne, edle Einrichtung. Mithilfe eines privaten Investors haben die Unternehmer eine Million Euro in die Loe Studios gesteckt. Die Theke ist heute schwarz gefliest, eine kleine Lounge lädt zum Sitzen ein. Die drei Kinos haben insgesamt 155 Sitzplätze und viel Beinfreiheit. Die unterste Sitzreihe in den drei Sälen ist mit Liegesitzen ausgestattet. Dazu kommen zwölf D-Box-Sessel, die sich im 4D-Modus passend zu den Filmen bewegen. „Wir sind momentan das einzige Kino in NRW, das diese Sessel bereits besitzt“, sagt Max Meynigmann. Im Grunde ist nur der Name geblieben. „Der Name Loe Studios ist in Marl etabliert. Deshalb haben wir uns entschlossen, ihn zu übernehmen und die Marke weiter zu stärken“, sagen die Kinobetreiber.

Mehr zu den Loe Studios samt Kino-Programm: www.loe-studios.de Wer das Video zur Eröffnung nicht gesehen hat, kann es sich immer noch anschauen unter: www.cityinfo.tv

Aktuell laufen „Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt“, „Der Junge muss an die frische Luft“, „Chaos im Netz“, „Glass“ und Creed 2 – Rocky’s Legacy“ in den Loe Studios. Die Betreiber stehen mit einem Disponenten in Kontakt, der sie bei der Auswahl der Filme und der zeitlichen Bespielung des Kinos berät. Colin und Max erklären, dass die Hälfte des Geldes jeder einzelnen Kinokarte an die Produktionsfirmen wie Warner, Disney und Century Fox geht. Ein weiterer Teil geht an den Verband der Deutschen Filmverleiher. Die beiden Jung-Unternehmer sind trotz Anfangsrisiko davon überzeugt, dass ihr Konzept aufgeht: „Wir bekommen so viel positive Resonanz und sehr gute Bewertungen bei Google. Das motiviert uns natürlich das Beste aus dem Kino für Marl rauszuholen“.

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