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Egal ob Rührei, Spiegelei oder Frühstücksei – für viele darf morgens ein Ei nicht fehlen. Aber muss das wirklich sein?

Von Überfluss und Genuss 

Jeden Tag ein Ei und sonntags sogar zwei?

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Ein Frühstücksei am Sonntag ist für uns das Normalste von der Welt. Welchen Einfluss dieses kleine Ei auf die Umwelt nimmt, ist uns meist unbekannt.

  • Anna hat sich mit dem Ei-Konsum von uns Menschen auseinandergesetzt und dazu eine wichtige Forschungsarbeit gelesen
  • Sie ist der Meinung, wir sollten unseren Konsum verringern, um dem Planeten und den Hühnern mehr Wertschätzung zu geben

Es ist Sonntag, und das goldene Morgenlicht fällt durch die Terrassentür. Die Küche ist eingedampft mit dem Geruch nach gebrühtem Kaffee und frischen Brötchen. Heute fällt das Frühstück besonders üppig aus, denn wie jeder weiß, gibt es „jeden Tag ein Ei und sonntags sogar zwei“. Ein Ohrwurm, der sich eingebrannt hat und der gewünschten Normalität einen Rahmen verleiht. 

Allerdings ist dieses Liedchen hinfällig, wenn man einen Blick in die Forschungsarbeit von 37 ForscherInnen wirft. Der zugehörige Bericht wurde im letzten Jahr in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht und stellt Folgendes klar: Es müsste heißen „jeden Tag 13 Gramm Ei und sonntags dasselbe Spielchen, verzeih“. 

Bei der Forschungsarbeit handelt es sich konkret um einen Vorschlag zur „planetary health diet“ (zu Deutsch: umweltbewusste und gesunde Diät). Damit vereint dieser Bericht als erster seiner Art den Maßstab Mensch und Planet. Denn es geht nicht nur darum, dass wir uns gesünder ernähren, sondern auch darum, dass jeder Mensch dieselbe Menge an Nahrung erhalten kann und dies unter Beachtung der natürlichen Grenzen unserer Erde. 

Kommen wir zurück zu unserem Ei. Davon essen die Deutschen im Jahr rund 231 Stück, wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im letzten Jahr bekanntgab. Nach dem Bericht sollte diese Menge auf etwa 90 Eier schrumpfen. Also sozusagen „jeden vierten Tag ein Ei ist für den Cholesterinspiegel und die Umweltbelastung schon allerlei“. 

Aber es geht nicht nur ums Ei, sondern natürlich auch um Fleisch und Zucker, einen großen deutschen wunden Punkt. Weltweit müsste eine Halbierung des Konsums erreicht werden, um dem Klimawandel und Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes entgegentreten zu können. Für die Deutschen würde das demnach bedeuten, nur noch ein Zehntel des bisher durchschnittlich verzehrten Fleisches zu essen. 

Kein Platz mehr für Barbecue und Pizza 

Wo ist da jetzt aber bitte mein Stückchen Torte? Wo die ausgedehnten Sommer-Grill-Abende, und wie soll ich jemals wieder eine Pizza essen? Für jeden von uns fällt bei dieser Rechnung auf: Das machen wir sicherlich nicht ganz freiwillig. Dabei wäre es vernünftig, sich an dieser Idee zu orientieren. Sich an einen Plan zu halten, der unserer Gesundheit und unserem Planeten guttut.

Und auch wenn sich unsere Generation – nach meinem Gefühl – schon viel stärker mit dem Thema Ernährung auseinandersetzt als die vorherigen, sollte die Politik da deutlich nachhelfen. Zum Beispiel mit verpflichtenden Plänen für Mensen. 

Wir leben heute im Überfluss. Gefüllte Regale bis unter die Decken. Essen aus aller Welt. Eier in drei verschiedenen Größen, aus vier verschiedenen Haltungsarten, von fünf verschiedenen Bio-Marken, mit sechs normalen Labeln und in sieben Farben. 

Aber jedes Ei kommt aus einem Huhn. Ein Huhn, das mit Futter versorgt wird und sich täglich die Mühe gibt, ein Ei zu legen. Ein Ei, das eingesammelt, gereinigt, verpackt und transportiert wird. Bis auf meinen Frühstückstisch. Eine lange Reise für ein Weglöffeln in fünf Minuten. 

Wir sollten uns die Mühe machen, gesünder zu leben. Nicht nur für uns selbst, ganz individuell, sondern für uns alle. Also unsere Welt. Und wenn wir schon am dritten Frühstücksei in der Woche scheitern, ist das, was wir aus dem Forschungsbericht mitnehmen müssen, das Gefühl, ein kleines rundes Luxusgut vor uns im Eierbecher stehen zu haben. 

Denn alles, was die Grenzen der gesunden und umweltbewussten Ernährung überschreitet, ist Luxus. Ist Genuss. Geht auf die Kosten der Gesamtheit und ist mit Respekt zu würdigen. Und das jeden Tag. Und sonntags gerne auch im doppelten Sinne. (Anna Päseler)

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