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Josephine hält etwas für sie sehr Wichtiges in ihren Händen: ihr Tagebuch.

Josephine und ihr Tagebuch

Ohne Dich geht's nicht

Scenario zeigt Herz. In unserer Reihe „Ohne Dich geht’s nicht“ dürfen Jugendredakteure und Leser eine Liebeserklärung abgeben: an ihren Partner, an Mama oder Papa, an die beste Freundin oder den besten Kumpel, den tollen Arbeitskollegen oder eben an das Haustier oder gar an einen Gegenstand. Heute bekennt sich die 21-jährige Jugendredakteurin Josephine Struckmeier aus Herten zu ihrer besseren Hälfte: dem Tagebuch.

Wer oder was seid Ihr?

Ich bin Josephine und ich halte etwas Wichtiges in der Hand: mein Tagebuch.

Wie habt Ihr Euch kennengelernt?

Mit 15 Jahren war ich das erste Mal so richtig unglücklich verliebt. In dieser Zeit riet mir meine beste Freundin, ein Tagebuch anzufangen, weil einem das Schreiben sehr helfen könne. Erst war ich kritisch, weil ich Tagebuch schreiben für kindisch hielt. Trotzdem war ich neugierig und fing einfach mal an. Als ich merkte, dass ich nicht jeden Text mit „Liebes Tagebuch“ beginnen muss, um dann stumpf meinen Tag zusammenzufassen, war meine Leidenschaft geweckt.

Was war Euer bester Moment?

Wenn ich nach einiger Zeit – es muss nicht mal viel Zeit vergangen sein –, mein altes Tagebuch wieder in die Hand nehme und einfach mal ein paar Seiten lese, dann waren da schon viele schöne Momente dabei. Ich habe viele lustige Situationen und Dialoge aufgeschrieben, die beim Lesen ein warmes, melancholisches Gefühl hinterlassen. Manchmal lese ich Texte aus Zeiten, in denen ich mich sehr stark entwickelt oder verändert habe. So was merkt man oft nur im Nachhinein, und es ist schön, wenn man diese Entwicklungen und Veränderungen nachlesen kann.

Gab es in Eurer Beziehung mal brenzlige Situationen oder lief immer alles glatt?

Tatsächlich gab es mal eine Phase, in der ich das Schreiben komplett vernachlässigt habe. Mitten in einem meiner Tagebücher hörte ich einfach auf, weil mir die Zeit fehlte. Ich fand es immer nervig, wenn ich das Luxusproblem hatte, dass einfach zu viel Spannendes passiert ist und ich deswegen nicht zum Schreiben kam. Irgendwann habe ich es so lange aufgeschoben, dass ich einfach aufhörte. Ein bisschen bereue ich diese Pause, deswegen habe ich auch wieder angefangen.

Was könnt Ihr voneinander lernen?

Ich habe festgestellt, dass ich mich gut selber reflektieren kann, indem ich alte Texte von mir lese. Dadurch, dass man jeden Tag aufschreibt, werden Muster im eigenen Verhalten sichtbar, auch die schlechten. Diese konnte ich jedoch dadurch erkennen und manchmal sogar ändern. Darum lerne ich sehr viel von meinen Tagebüchern.

Zum Beispiel habe ich mir früher sehr schnell eine voreilige Meinung von Menschen gebildet. Manchmal habe ich im Nachhinein gelesen, was für eine starke Meinung ich von Personen hatte, die sich beim näheren Kennenlernen oft komplett geändert hat. Dadurch habe ich erkannt, dass ich Menschen erst kennenlernen sollte, bevor ich mir eine Meinung bilde. Doch meine stärkste Erkenntnis, die ich durch meine Tagebücher habe: Es kommt immer alles anders, als man denkt.

Was unternehmt Ihr gerne zusammen?

Einige meiner Tagebücher sehen nie etwas anderes als meinen Schreibtisch. Andere haben etwas mehr Glück und dürfen mich auf meinen Reisen begleiten. Ich nehme sie auch nur in diesem Fall mit, denn sonst ist mir die Gefahr zu hoch, eines zu verlieren. Außerdem geht es niemanden etwas an, was in diesen Büchern steht. Bei mir zu Hause sind sie einfach am sichersten.

Was macht Eure Beziehung besonders?

Das Besondere an unserer Beziehung ist der Inhalt der Bücher. Die leeren Tagebücher an sich sind so interessant, wie es ein inhaltloses Werk eben ist. Erst das, was ich hineinschreibe, macht es lesenswert. Zwar eigentlich nur für mich, aber das reicht ja. Mein Tagebuch ist etwas, das ich nur für mich selber mache und für niemand anderen. Deshalb ist das, was wir teilen, für mich so besonders.

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