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Schmetterlinge im Bauch? Lust auf Lust? Für die meisten gehört zu einer Partnerschaft Sex dazu. Doch es gibt auch Menschen, die asexuell sind, wie Julia*. Sie sagt: „Jeder hat seine sexuellen Vorlieben und ich hab‘ halt keine.“

Julia* ist asexuell

"Nichts für mich"

Herzrasen, Schmetterlinge im Bauch, dieser vertraute Geruch und jede Berührung elektrisiert. Das sind die typischen Symptome, wenn wir verliebt sind. Für die meisten ist es ganz normal, dann mit der geliebten Person schlafen zu wollen. Dieses Verlangen kennt doch jeder... oder etwa nicht?

Es gibt Menschen, die dieses Verlangen nicht kennen. Sie sind asexuell, so wie Julia* (*Name geändert). Sie ist 19 Jahre alt und war bereit, mit mir für Scenario über dieses sensible Thema zu sprechen. Sie beantwortete mir alle Fragen, die man sich sonst nicht zu stellen traut.

Zuerst erklärt Julia mir, was Asexualität überhaupt ist: „Es bedeutet nicht die Abstinenz von Sex, sondern, dass man nicht in der Lage ist, sexuelle Gefühle für eine andere Person zu empfinden. Asexualität teilt sich in zwei verschiedene Gruppen: Es gibt einmal die ,Sex repulsed Asexuellen‘ und es gibt die „flexiblen Asexuellen“. ‚Repulsed‘ heißt übersetzt ‚abstoßend‘ und bedeutet, es nicht in Betracht ziehen können, mit einer anderen Person Sex zu haben. Die ,flexiblen Asexuellen‘ sind diejenigen, die offen gegenüber Sex sind. Sie schlafen zum Beispiel mit ihrem Partner, um ihn zu befriedigen oder um Kinder zu bekommen. Beide Typen haben also kein wirkliches Verlangen nach Sex, nur der eine würde es dem Partner zuliebe tun und der andere auf gar keinen Fall.“

Auch wenn asexuelle Menschen kein Verlangen nach intimer körperlicher Nähe zu anderen haben, so ist es nicht ausgeschlossen, dass sie sich selber befriedigen. Manche Asexuellen empfinden Selbstbefriedigung als sehr angenehm, andere lehnen auch diese Form von Sex ab.

Es ist ebenfalls nicht ausgeschlossen, dass Asexuelle Beziehungen eingehen. Auch Julia berichtet mir, dass sie eine Zeit lang einen Freund hatte. Jedoch zerbrach die Beziehung, als ihr Freund körperliche Nähe suchte und sie diese nicht wollte: „Ich konnte zwar raten und mich so verhalten, wie ich dachte, dass er es sich von mir als Partnerin wünscht – es kam aber nie von mir selbst aus, denn ich hatte nie Lust, uns auf eine romantische Ebene zu führen. Und somit fehlte für ihn etwas in unserer Beziehung nach einiger Zeit.“

Diesem Problem kann man nur vorbeugen, indem man ehrlich zu sich ist und sich fragt: Bin ich in der Lage mit meinem Partner Sex zu haben, auch wenn ich kein Verlangen danach verspüre? Wenn dem nicht so ist, muss man dies mit dem Partner vorher offen kommunizieren.

Generell ist es sehr wichtig, mit seiner Sexualität offen umzugehen und sie nicht zu verheimlichen. „Ich gehe mit meiner Asexualität ganz normal um. Wie jeder andere Hetero- oder Homosexuelle mit seiner Sexualität eben auch“, erzählt sie mir.

„Ich kann aber jemanden attraktiv finden“

Natürlich hat Julias Offenheit auch Konsequenzen: „Die ersten Fragen sind immer: ,Hat dich jemand verletzt oder hattest du einfach nicht den richtigen Freund?‘ Diese Fragen hören Asexuelle sehr oft. Danach folgt immer: ,Woher weißt du, dass du nicht vielleicht doch nicht asexuell bist?‘

Darauf antworte ich dann: ,Woher weißt du, dass du nicht vielleicht doch schwul oder lesbisch bist?‘ Man fühlt es doch einfach selber, in welche sexuelle Richtung man geht und so kann ich es halt fühlen, dass ich in gar keine sexuelle Richtung gehe. Viele Menschen denken auch irrtümlicherweise, für mich sehen alle Menschen gleich aus und ich kann niemanden attraktiv finden. Das stimmt so auch nicht. Ich kann immer noch beurteilen, ob ich jemanden gut aussehend finde oder nicht. Ich bin asexuell und nicht blind. Manchmal werde ich auch für gefühlskalt gehalten, was so auch nicht stimmt. Ich schätze mich selber als sehr liebevoll und emphatisch anderen gegenüber ein. Leute hinterfragen jeden einzelnen Aspekt der Asexualität, dabei ist sie für mich relativ einfach zu verstehen: Jeder hat seine sexuellen Vorlieben und ich hab‘ halt keine.“

Ich schließe aus dem Gespräch, dass Asexualität komplex ist, aber nicht kompliziert. Jeder Mensch ist individuell und so ist auch seine Sexualität. Darum ist es nicht richtig, dass sich Asexuelle stets rechtfertigen müssen. Julia hofft, dass ihre Antworten dabei helfen, Vorurteile abzubauen, damit sie mit anderen auch offen über die Themen Sexualität und Asexualität sprechen kann.

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