Jana springt auf einem Steg, der in einen See hineinragt. Am Horizont geht die Sonne unter.
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Dieses Foto ist auf einer von Janas Reisen entstanden. Am See vor der Burg von Trakai macht sie freudige Luftsprünge.

Scenarios Auslandsreihe: Janas zehnter Teil aus Litauen

Kein Abschied für immer

  • vonJana Konkel
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Janas Freiwilligendienst geht zu Ende. Zwar lief Corona-bedingt vieles ganz anders als geplant, für die Hertenerin war es jedoch eine unglaublich wertvolle Erfahrung.

Eine Woche ist mir noch geblieben. Eine Woche, bis mein Freiwilligendienst endet. Da ich schon seit längerer Zeit wieder zu Hause bin, wird es wahrscheinlich keine große Umstellung für mich sein, doch trotzdem stimmt es mich etwas traurig. Das geplante Jahr im Ausland – welches jedoch nur sechs Monate lang war –, von dem ich schon seit meinem 13. Lebensjahr geträumt habe, ist nun vorüber. Ich kann es kaum in Worte fassen, wie dankbar ich für all die Erfahrungen und Erlebnisse bin.

Das letzte Wochenthema der Schule sind die Sommerferien. Dafür habe ich ein Arbeitsblatt erstellt, auf welchem ein großer Koffer zu sehen ist. Die Kinder sollen nun alle Dinge auf das Blatt Papier malen, welche sie selber mit in den Urlaub nehmen und in ihren Koffer packen würden. Als Beispiel zeichne ich mein eigenes Gepäck auf das Blatt. Davon schieße ich ein Foto und schicke es mit der Vorlage an meine Mentorin. Während ich alles verschicke, denke ich an meine eigenen Reisen, welche ich während meiner Freiwilligenzeit unternommen habe.

Rückblick auf zahlreiche Reisen

Riga, die lettische Hauptstadt, war wunderschön, doch auch Kaunas, Litauens zweitgrößte Stadt, hat mir sehr gut gefallen. Besonders in Erinnerung bleibt mir auch mein Trip nach Bergen und Oslo im Januar dieses Jahres! Ich wollte eigentlich noch mehr verreisen. Für Ende März war ein Trip nach Tallinn und Helsinki geplant, und an Ostern sollten mich meine Eltern besuchen kommen, und gemeinsam wären wir an Litauens Küsten gefahren. Doch leider hat beides aufgrund von Corona und meiner verfrühten Abreise nicht stattgefunden. Aber nur, weil es jetzt nicht stattgefunden hat, heißt es nicht, dass es nie passieren wird! Ich will meine Reisen auf jeden Fall nachholen und all die Orte sehen, die ich mir noch nicht angucken konnte.

Zum Abschluss meines Projektes muss ich noch meinen „Youthpass“ schreiben. Das ist ein von mir selbst verfasstes Dokument über alle Kompetenzen, die ich neu erlernen bzw. erweitern konnte während meines ESKs. Einerseits ist es eine Art des Reflektierens über meine neu gesammelten Erfahrungen, andererseits kann ich dieses Dokument auch in Zukunft für Bewerbungen benutzen. Acht Kernkompetenzen sind schon vorgegeben. Über diese kann ich schreiben, muss jedoch nicht alle ausfüllen. Auch neue Kompetenzen, die ich erlernt habe, kann ich hinzufügen. Abgesehen von den Kernkompetenzen, schreibe ich noch über „Teaching Skills“ und das Erstellen von Arbeitsmaterialien, welche ich gerade in der letzten Zeit zu Hause erlernen konnte. Eine Woche habe ich noch für den „Youthpass“ Zeit, dann muss er fertig sein.

In meiner letzten Woche als Freiwillige findet auch noch ein Online-Poetry-Slam statt – organisiert von Sophie, einer Freiwilligen aus Österreich, die ich auch in Vilnius kennengelernt habe. Ich freue mich schon sehr darauf. Der Poetry Slam ist ihr Personal Project, so wie die Facebook- und Instagram-Seite „Being Savanoriu“ mein Personal Project ist. Ich habe zwei Texte geschrieben, da ich selber sehr gerne als Slammerin mitmachen möchte. Es ist mein erster Poetry Slam – vorher war ich immer nur als Zuschauerin dabei. Pünktlich um 16 Uhr logge ich mich in die Videokonferenz ein. Vorab erklärt Sophie alle Regeln und spricht über den Ablauf: Es gibt ein Halbfinale und ein Finale. Ins Finale schafft es nur die Hälfte der Slammer. Dann geht es los.

Janas Slam-Texte begeistern die Jury

Per Losverfahren wird die Reihenfolge der Slammer festgelegt. Ich komme als Letzte in der ersten Runde dran. Mein Text heißt „Time“ und handelt von unserem Verständnis von Zeit. Diesen Text habe ich auf Englisch geschrieben, mein zweiter Text ist jedoch auf Deutsch. Obwohl nicht alle deutsch sprechen, konnten wir auch in unserer Muttersprache schreiben. Das macht es besonders interessant zu sehen, wie die nicht-deutschsprachigen Teilnehmer den Text wahrnehmen. Nach einer Pause geht es weiter und die zweite Runde – das Finale – beginnt. Ich bin weitergekommen und trage meinen Text vor, zusammen mit zwei weiteren Finalisten.

Nach jedem Text vergibt die Jury, bestehend aus fünf Zuschauern, ihre Punkte. Am Ende verkündet Sophie den Gewinner und tatsächlich habe ich ganz knapp gewonnen. Ich freue mich darüber, dabei hätten alle Teilnehmer den Slam gewinnen können: Unsere Texte waren total unterschiedlich und es war schön, allen zu lauschen. Sophie plant noch weitere Online Poetry Slams. Darauf freue ich mich schon sehr.

Ein letzter Abschied von den Litauern

Donnerstags ist der letzte Tag meines Freiwilligendienstes. Meine Tutorin Enrika bedankt sich für unser Engagement und wünscht uns alles Gute für die Zukunft. Dabei lädt sie uns direkt ein, sie und die Schule mal zu besuchen, wenn wir wieder in Litauen sind. Das werde ich hundertprozentig tun! Sie hat auch ein kleines Zertifikat erstellt, dass wir in der Schule unseren Freiwilligendienst gemacht haben. Das ist total süß von ihr, da sie das eigentlich gar nicht tun müsste. Ich bedanke mich vielmals bei ihr und hoffe, sie bald wieder zu sehen.

Heute habe ich auch meine letzte Videokonferenz mit meiner Koordinatorin. Zusammen mit Lydia sprechen wir über unsere Zukunft und was der nächste Schritt für unser Leben sein wird. Ich erzähle von meinem Studium, welches im Oktober beginnt. Wegen meiner Zeit in Litauen und in der Schule für Kinder mit Behinderungen, habe ich mich dazu entschieden, Sonderpädagogik zu studieren und selbst Lehrerin für Kinder mit geistiger Behinderung zu werden. Ich bin schon total gespannt, wie das Studentenleben so wird und welche neuen Erfahrungen ich dabei sammeln werde.

Litauen ist zur zweiten Heimat geworden

Wir reden auch noch über den Erfolg meines Projekts „Being Savanoriu“ und darüber, dass ich so viel positives Feedback bekommen habe. Es sind schon die Hälfte der Posts online und ich bin gespannt wie die nächsten Posts ankommen werden. Es hat alles so geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe. Darüber bin ich überglücklich! Den „Youthpass“ habe ich fast fertiggestellt, es fehlt nur noch eine Kompetenz. Während ich daran schreibe, denk ich viel über das vergangene Jahr nach. Ich bin so dankbar für alles, was ich erleben durfte. Für all die Erfahrungen und Menschen, die ich kennengelernt habe. Bald möchte ich alle besuchen und auch wieder nach Litauen reisen!

Für mich wird dieses Land immer ein besonderer Ort sein – es ist meine zweite Heimat geworden. An mir selber erkenne ich, dass ich über die Zeit in Vilnius viel selbstsicherer und auch eigenständiger geworden bin. Aus meiner Komfortzone hinauszugehen, hat mich so viel weitergebracht und mich wachsen lassen. Und das wird nicht mein letzter Auslandsaufenthalt werden! Auch während des Studiums möchte ich ein Semester in einem anderen Land verbringen und auch danach an den verschiedensten Orten auf dieser Welt leben.

Und ich kann allen, die auch überlegen ins Ausland zu gehen, nur empfehlen, es zu tun. Ganz besonders empfehle ich natürlich den Europäischen Solidaritätskorps, als eine sehr tolle Art ins europäische Ausland zu gehen und Europa zu entdecken. Diese Erfahrungen bleiben für immer in Erinnerung! Das war nun mein letzter Teil für „Around the World“, doch vielleicht hört Ihr in den nächsten Jahren wieder von mir, wenn ich mein nächstes Auslandsabenteuer beginne!

In ihrem letzten Around-the-World-Text hat Jana von ihrer Online-Ausstellung erzählt. Sie hat Gedichte über ihre Zeit in Vilnius geschrieben und diese bei Instagram veröffentlich.

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