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Untergehakt hat sich Praktikantin Julia bei ihrem Opa Friedhelm, der für unsere Reihe Rede und Antwort stand. Vielen herzlichen Dank an Euch!

Scenarios Serie

Die Jugend meines Opas

Opa und Oma kennen uns seit unserer Geburt, doch was wissen wir eigentlich über sie? Wie haben sie gelebt, als sie so alt waren wie wir jetzt? Wir fragen nach.

Glücklich ist, wer Oma und Opa hat. Wo Mama und Papa schon längst mit uns geschimpft hätten, drücken sie ein Auge zu. Sie hören uns zu, nehmen uns in den Arm, und bei ihnen gibt’s oft Kaffee und Kuchen. Jederzeit können wir mit unseren Sorgen zu ihnen kommen: Sie wissen Rat, denn sie sind lebenserfahren. Jetzt sollen sie zu Wort kommen – hier bei Scenario. Unsere Jugendredakteure und Leser wollen wissen, wie „die Jugend ihrer Großeltern“ aussah. Heute befragt Julia Müller ihren 80-jährigen Opa Friedhelm aus Recklinghausen. 

Julia: Was war Dein Lieblingsplatz, und wie hat er sich im Laufe der Jahre verändert? 

Friedhelm: Als Kind der Kriegszeit gab es in meiner frühen Jugend keine schönen Plätze, an denen man sich aufhalten konnte. Seit meiner Kindheit bin ich allerdings ein großer Liebhaber der Bahn. In meiner Jugend habe ich als Zugbegleiter gearbeitet und in dieser Zeit einige schöne Ecken sehen können. Wir sind nach Österreich, in die Schweiz und nach Italien gereist. Man könnte also sagen, dass ich mich in der Bahn sehr gerne aufgehalten habe. Heutzutage reise ich nicht mehr. Dennoch bleibt mir diese Zeit in wertvoller Erinnerung. 

Julia: Wie hast Du Dir das Erwachsenwerden vorgestellt? 

Friedhelm: Zu meiner Zeit war man ja erst mit 21 Jahren volljährig. Auf diese Zeit habe ich natürlich hingefiebert. Das Erwachsenwerden habe ich mir so vorgestellt, dass ich mir meinen Kindheitswunsch vom Beruf als Lokfahrer erfüllen werde. Dieser Traum ließ sich dann teilweise verwirklichen, als ich für zwei Jahre als Zugbegleiter arbeiten konnte. Krankheitsbedingt musste ich die Arbeit dann leider aufgeben. 

Dankbar für die schöne Zeit

Ich bin trotzdem sehr dankbar, dass ich in dieser Zeit so viel Schönes sehen und kennenlernen durfte. Ein weiterer Aspekt zum Prozess des Erwachsenwerdens war die Zeit bei der Bundeswehr. Damals wussten wir ja schon als Jugendliche, dass wir zu Bundeswehr müssen. Heutzutage gibt es die Wehrpflicht ja nicht mehr. Wir haben uns damals auf diese Zeit eingestellt, und so verbrachte ich anderthalb Jahre bei der Bundeswehr. 

Julia: Was war der schönste und was war der schlimmste Moment in Deinem Leben? 

Friedhelm: Als ich die Liebe meines Lebens, deine Oma, im Alter von 25 Jahren geheiratet habe, war das der schönste Moment in meinem Leben. Wir sind jetzt 55 Jahre verheiratet und immer noch so glücklich wie am ersten Tag. Der schlimmste Moment in meinem Leben war der Tod meines Vaters. Ich war 22 Jahre alt. Ich verbrachte einen Sommerurlaub in Berchtesgaden mit meinen Eltern und meiner Freundin, deiner Oma. Zehn Tage nach dem wunderschönen Urlaub ist mein Vater gestorben. In so jungen Jahren ein Elternteil zu verlieren, war für mich der schlimmste Moment in meinem Leben. 

Julia: Wer war Deine erste Liebe, und wie ist es gelaufen? 

Friedhelm: Meine erste und auch einzige Liebe ist deine Oma. Wir haben uns in Recklinghausen kennengelernt. Deine Oma wohnte in Erkenschwick. Durch unsere Mütter entstand der erste Kontakt. Ich war 20 Jahre alt und sie fast 17. Ich hatte gerade Osterurlaub von der Bundeswehr, und so sind wir uns am Ostersonntag 1960 zum ersten Mal begegnet. Deine Oma war bei meiner Familie zu Besuch. Bei langen Spaziergängen mit intensiven Gesprächen habe ich mich sofort in sie verliebt. Es war Liebe auf den ersten Blick, die bis heute anhält. Wir sind jetzt seit 59 Jahren ein Paar und haben zusammen zwei tolle Kinder bekommen. 

Julia: Was wundert Dich an meiner Generation, und hast Du Fragen an uns? 

Friedhelm: Die moderne Technik ist mir nicht geläufig, und natürlich stellt sich mir die Frage: Warum verbringt man nur so viel Zeit mit seinem Smartphone? Allerdings ist das der Lauf der Zeit. Wir haben früher noch draußen gespielt und getobt. Als ich letztens beim Arzt war, hat sich ein Kind, das ich etwa auf drei Jahre schätze, lieber mit dem Handy der Mutter als zum Beispiel mit einem Kinderbuch beschäftigt. Positiv ist natürlich, dass die Kinder und Jugendlichen heutzutage viel selbstständiger und freier sind in dem, was sie tun. Für uns gab es die Freiheiten nicht, die du heute haben kannst. Es ist also nicht verkehrt, dass sich die Zeiten geändert haben. Heute ist nicht alles besser, aber trotzdem vieles einfacher. (Julia Müller)


Hier – bei dieser schönen Reihe – dürfen Enkel und Großeltern mitmachen. Schreibt uns, wenn Ihr mit Eurer Oma oder Eurem Opa dabei sein wollt, einfach eine kurze Mail mit dem Betreff „Jugend der Großeltern“ und dann schicken wir Euch weitere Informationen zu: scenario@medienhaus-bauer.de

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