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Man wollte doch nur schnell seine alten Schätze verkaufen, doch alles endet in einem riesen Haufen Stress.

Aus der Kategorie: Kleinanzeigen-Fails

Kleinanzeigen-Horror allererster Sahne

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Miriam hat die Tage ihre alte Konsole gefunden und wollte sie entspannt verkaufen. Die Angelegenheit eskalierte allerdings schnell.

Kleinanzeigenportale sind eine wunderbare Möglichkeit, seinen alten Kram schnell und unkompliziert loszuwerden, so wurde mir berichtet. Das traf sich gut, da ich auf der Suche nach etwas völlig anderem in den Untiefen meiner Technik-Schublade zwischen einem Ladekabel für ein Klapphandy aus den 2000ern, kaputten Kopfhörern und einer Diskette (!) meine alte Spielekonsole wiederfand, die ich mir als Teenager von meinem Ersparten gekauft hatte. Zu meiner Entzückung funktionierte sie noch einwandfrei. 

Ich entschied mich, das gute Stück zu Geld zu machen, da ich für die dazugehörige kleine Spielesammlung, die ich unter einer dicken Staubschicht vage in der hintersten Ecke einer meiner Regale identifizieren konnte, mittlerweile schon etwas zu alt war und weil ich als arme Studentin eigentlich permanent für irgendetwas Geld brauche. 

Nach weiterem Suchen und gefühlt 100 weiteren Kubikmetern Staub fand ich auch endlich das zur Konsole passende Ladekabel wieder. Nach einer kurzen Marktforschung in der Kleinanzeigen-App ging es schnell: Alles zusammenlegen, Fotos machen, Artikelbeschreibung, Preis festlegen (75 Euro), fertig war die Anzeige. War gar nicht schwer. 

Was ich nicht wusste, war, dass die wirklich harte Nummer erst noch folgen würde: die Kommunikation mit den Interessenten. Der erste Interessent fragte gleich, ob es möglich wäre, den Artikel noch am selben Tag abzuholen. Aber gerne doch, antwortete ich prompt. Das lief ja tatsächlich wie am Schnürchen. Leider hörte ich daraufhin nichts mehr von demjenigen. 

Am nächsten Tag stellte er mir die gleiche Frage noch einmal, ich bejahte wieder und ... nichts! Dann eben nicht, der nächste Interessent ließ schließlich nicht lang auf sich warten. Kandidat Nummer zwei hielt sich jedenfalls nicht mit so überbewerteten Dingen wie Grußformeln oder anderen Förmlichkeiten ab, die auch nur ansatzweise als höflich oder freundlich empfunden werden könnten. 

Rabatt bei höflicher Anrede und Begrüßung 

Ohne Umschweife sendete er mir lediglich eine Nachricht bestehend aus drei Zeichen: „55!“. Er verstand es immerhin, sich auf das Wesentliche zu beschränken, trotzdem machte mich diese dreiste Art und Weise sauer. Ich wünschte ihm in meiner Antwort einen wunderschönen guten Tag, schrieb, dass mir 55 Euro definitiv zu wenig seien, wobei ich noch auf den Festpreis verwies, und sendete freundliche Grüße. Dazu sollte ich hier erwähnen, dass ich diese Nachricht mit meinem Mittelfinger in mein Smartphone tippte. 

Auch der nächste Interessent war kein Freund der höflichen Worte, hielt aber sein Angebot, die Konsole für 40 (!) Euro noch am selben Tag abzuholen für eine außerordentlich nette Serviceleistung seinerseits. Ich antwortete, dass ich, statt sie ihm für den Preis zu überlassen, lieber mit dem Hammer draufhauen würde, was natürlich nur ein Bluff war, aber verkauft habe ich sie dem Typen trotzdem nicht. 

Ein weiterer wollte ebenfalls am Preis schrauben (Hallo, noch da? Ist 75 letzter Preis?). Diesen Satz las ich im Laufe der Zeit in bestimmt zehn grammatikalisch so verschandelten Varianten, dass die Lehramtsstudentin in mir kurz vor der spontanen Selbstentzündung stand. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde mir bewusst, auf wie viele Arten und Weisen man das Wort „Preis“ falsch schreiben kann. 

Ich beschloss, dass ich mich in meiner Anzeige wohl nicht deutlich genug ausgedrückt hatte und wohlwollend davon auszugehen, dass die Angabe „Festpreis“, den ich statt einer Verhandlungsbasis gewählt hatte, nicht absichtlich ignoriert wurde und ergänzte die Anzeige um die Passage „Es handelt sich um einen FESTPREIS. Das heißt, der Preis ist FEST. Das bedeutet: 75 ischt letschte Praiss!“. 

Außerdem bot ich, nett wie ich bin, noch fünf Euro Rabatt, wenn man mir Nachrichten schreiben würde, die mit einem „Guten Tag“ oder auch meinetwegen auch mit einem „Halo, i bims, 1 Sparfux“ beginnen würden – Hauptsache mit irgendeiner Art Begrüßung. 

Der restliche Trödel wird behalten

Einen Tag später dann endlich die Erlösung: Die Interessentin begrüßte mich freundlich, wir sprachen einen Termin ab, sie kam (sogar pünktlich), bezahlte den vollen Preis und war innerhalb von zwei Minuten wieder weg. Na bitte, ging doch. Erleichtert löschte ich die Anzeige und war fest gewillt, meinen anderen Kleinkram einfach zu behalten. Spart definitiv Nerven.

Vor einiger Zeit hatte Miriam noch mit ganz anderen Dingen zu kämpfen: Mit der Abgabefrist ihrer Hausarbeit. Welche Stadien der Trauer sie beim Schreiben durchlebte, lest ihr hier. 

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