Lenas freie Fahrt

Wenn man den Schein in der Tasche hat

Straßenverkehr - Hui, bin ich erleichtert, dass es bei der ersten Prüfung sofort geklappt hat. Prüfungsangst gibt mir zwar in der Regel keinen kompletten Blackout, aber unangenehm ist es schon. Und der Weg war auch recht holprig. Aber jetzt hab ich den Führerschein.

Es fing schon damit an, dass sich alles ständig verschob. Eine Woche vorher sollte ich eigentlich schon geprüft werden, sitze im Auto, alles läuft prima, wir sind auf dem Weg zum TÜV, als meine Fahrlehrerin einen Anruf bekommt. Von ihrer Seite höre ich „Oh nein!“, „Nicht dein Ernst!“ und „Oh Gott!“. Stellt sich heraus, dass der Prüfling vor mir einen so schlimmen Unfall gebaut hat, dass der Prüfer nun im Krankenhaus liegt. Wow. Das war ein Schock. Zum Glück wurde der arme Mann mittlerweile entlassen, trotzdem war die Situation extrem antiklimatisch. Allerdings bin ich den Rückweg nach dieser Nachricht beinahe fehlerfrei gefahren, weil ich meine Fahrlehrerin zum ersten Mal nicht pausenlos zugetextet habe. Die arme Frau. Aber gut, eine Woche später geht es wieder los und ich habe Hoffnung. Um 12.15 Uhr werde ich abgeholt. Prüfung soll um 14 Uhr sein. Dann doch um 14.30 Uhr. Dann spätestens um 15 Uhr. Letztendlich ging es um kurz vor 16 Uhr (!) los, weil der Prüfling vor mir direkt noch eine Fahrt drangehängt hat. Fast vier Stunden pausenloses Fahren. Na ja, nicht ganz pausenlos. Zwischendurch hat man mir einen Kaffee spendiert. Trotzdem fühle ich mich vor Prüfungsbeginn bereits, als könnte ich wochenlang schlafen.

"Erzählen Sie mal was vom Licht!"

Dementsprechend geht es auch los. Der Prüfer – übrigens ein wirklich netter Mann – verlangt, dass ich ihm „mal etwas über das Licht am Auto erzähle“. Oh Gott. Das ist nicht konkret! Und sofort vergesse ich die Nebelschlussleuchte, die ich doch erst eine Stunde vorher noch für mich wiederholt hatte. „Äh, darauf komme ich später zurück.“ Ich sehe den gequälten Blick meiner Lehrerin, benenne die restlichen Anlagen und stammele irgendwann mit viel Hilfe auch die Nebelschlussleuchte raus. In meinem Kopf bin ich schon durchgefallen. Wenigstens darf meine Fahrlehrerin die Strecke aussuchen. Sie wird mich schon nicht in die Pfanne hauen! Sie will sofort parallel einparken, wahrscheinlich, damit ich es hinter mir habe und weil sie weiß, dass ich es besser beherrsche als rückwärts einparken. Wie lieb von ihr. Natürlich versage ich. Noch nie musste ich beim Einparken so oft korrigieren, immer wieder stoße ich an die Bordsteinkante, und der Prüfer muss mich sogar daran erinnern, die Spiegel zu beobachten. Aber nach viel zu vielen quälenden Minuten stehe ich gerade.

Liege ich jetzt mit meinem Verhalten richtig?

Weiter geht’s, und ich muss sofort wenden, was deutlich besser läuft. In einer Siedlung muss ich zweimal hintereinander vor einem Hindernis halten, um Vorrang zu gewähren und frage mich, ob mir das negativ angerechnet wird. Von da an fahre ich abgesehen von ein paar leicht geschnittenen Kurven okay – der Prüfer lobt mich für jeden Schulterblick, was bei mir nur das Gefühl verstärkt, dass Hopfen und Malz schon verloren sind. Bis ich auf der Landstraße hinter einem Rennradfahrer lande, der etwa 30 km/h fährt. Die Grenze ist 70. Ich schaue mich um, setze zum Überholen an und kriege den Schreck meines Lebens, als Gegenverkehr auftaucht. Sofort schere ich wieder ein. Schlucke, bleibe aber still, da ich ja nichts sagen darf, und gurke mit 30 und vorbildlichem Sicherheitsabstand hinter dem Radfahrer her. Zu dem Zeitpunkt habe ich keine Ahnung, ob ich mit meinem Verhalten richtig liege, da ich zuvor erst einmal mit einem Trecker in einer solchen Situation war. Nach zehn Minuten ergibt sich endlich eine Möglichkeit zum Überholen.

Dann geht es nur noch durch die Stadt in Richtung Fahrschule. Ich soll überraschend oft wenden – meine Fahrlehrerin sagt mir hinterher, dass das scheinbar daran lag, dass ich einfach links und rechts verwechselt habe. Als wir halten, weiß ich nicht, was passiert, bis ich ein „Glückwunsch!“ von der Rückbank höre. „Was, ich hab echt bestanden?!“ Genau das ist meine Antwort, und der Prüfer lacht. „Ja, am Anfang war es etwas holprig, aber dann doch sehr gut, die Situation mit dem Radfahrer haben Sie sehr gut gemeistert“. Wirklich, ich fühle mich tatsächlich physisch leichter vor Erleichterung. Also: Runter von den Straßen, Leute, ich bin da jetzt nämlich drauf! Wenn auch in Begleitung meiner Mutter, deren Neuwagen ich ständig abwürge.

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