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Unbeschwert und frei fühlt sich Leonie in dem Moment, als sie den Berggipfel erklimmt und sich vor ihren Augen das Meer auftut.

Leonie in Neuseeland

Freiheit und Freunde finden

Teil 4 - Die Sonne scheint mit voller Stärke auf die Fensterscheiben unseres Autos und schmiegt sich wie eine wärmende Hülle um uns. Die Musik wird so laut wie möglich aufgedreht. Schlüssel rein, Gas geben und los geht’s. Unser heutiges Ziel: der Tawharanui Regional Park.

Der Tag könnte kaum schöner starten. Ein strahlend blauer Himmel und Sonnenschein, wie aus dem Bilderbuch. Insgesamt sind wir fünf junge Leute, alle tätig als Au-pairs in Auckland, Neuseeland. Manche kennen sich bereits, andere sind sich völlig fremd. Und trotzdem fühlt es sich so an, als wäre man mit guten Freunden unterwegs, die alle mit den gleichen Intentionen in das Auto einsteigen. Spaß haben, Neuseeland ein Stück weit mehr erkunden und das Leben in vollen Zügen genießen.

Auf dem Hinweg zum Tawharanui Regional Park ist ein Zwischenstopp auf einem Markt eingeplant. Dort angekommen stellen wir allerdings fest, dass dieser gar nicht geöffnet ist und müssen deswegen unseren eigentlichen Plan über Bord werfen. Bei der Arbeit mit Kindern, die für uns als Au-pairs Alltag ist, ist Spontanität wohl eine der brauchbarsten Eigenschaften, weswegen wir das Ganze mit Humor nehmen und uns stattdessen in ein nahe gelegenes Café setzen. So schlürfen wir nun also unseren Kaffee, genießen die Sonnenstrahlen auf unserer Haut und lernen uns alle etwas besser kennen.

Nach unserer kleinen Kaffeepause geht’s dann aber wirklich zu unserem eigentlichen Ziel des heutigen Tages. Aus den Auto-Lautsprechern tönen Lieder, zu denen vermutlich schon unsere Eltern wild getanzt haben. Klassiker wie „Sweet home Alabama“ laufen in Dauerschleife und sogar ich werde leicht melancholisch. Wenn wir nicht gerade alle laut mitsingen und zu dem Beat auf den Sitz vor uns trommeln, reden wir über alte Zeiten, unsere Kindheitserinnerungen, Zukunftspläne und es kommen die abstraktesten Gesprächsthemen auf. Keine Spur von dem altbekannten, unangenehmen Schweigen, wie es häufig bei ersten Dates der Fall ist.

Mir fällt auf, wie leicht es auf der einen Seite ist, hier als Au-pair neue Leute kennenzulernen, aber wie schwer es wiederum auf der anderen Seite ist, neue Freunde zu finden und eine Bindung zu Personen aufzubauen. Hier sind etliche Au-pairs, die Mehrheit ist sogar deutsch. Jeder ist nett, höflich und präsentiert sich von seiner besten Seite.

Aber wirklich innige Freundschaften zu schließen, die vielleicht sogar die Chance haben, nach unserem Auslandsaufenthalt in Neuseeland bestehen zu können, gestaltet sich schwieriger als gedacht. Aus genau diesem Grund bin ich wahnsinnig froh, mich in diesem Moment in genau diesem Auto mit genau diesen Leuten zu befinden. Das erste Mal bin ich mir sicher, dass das der Beginn einer langen Freundschaft ist. Als wir etliche Songs später endlich ankommen, entscheiden wir uns dafür, eine Wanderung zum Aussichtspunkt zu machen. Wir wandern über Berge, Sträucher, durch Kuhherden und kommen nach vierzig Minuten an unserem Ziel an. Meine Beine fühlen sich leblos an und ich merke, dass meine Kondition definitiv ausbaufähig ist.

Völlig außer Atem und noch dazu sprachlos

Völlig außer Atem stehen wir nun auf dem höchsten Punkt des Berges. Um uns herum befinden sich Berge, das Meer ist direkt unter und der wolkenlose Himmel über uns. Alles blüht und mir steigt der Duft von den verschiedensten Blumen, die uns wie ein Zaun auf dem Berggipfel umzingeln, in die Nase. In dem Moment kann ich mir absolut nichts Schöneres vorstellen, als mit genau diesen Personen an genau diesem Tag und an genau diesem Ort zu sein.

Wir alle sind sprachlos aufgrund der Aussicht und jeder einzelne Meter unserer Wanderung war es absolut wert. Die Wellen prallen in beinahe rhythmischen und gleichmäßigen Bewegungen gegen die Klippen und mich durchströmt ein Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit. Hier oben scheint plötzlich alles so leicht und sorglos. Und ohne, dass sie es mir sagen müssen, weiß ich, dass das in diesem Moment alle so empfinden.

Wir genießen den Ausblick und die Gegend noch für eine Weile, bis es dann für uns auch wieder Zeit ist, umzukehren. Die gleiche Strecke geht es für uns nun wieder zurück. Völlig ausgehungert, fix und fertig, aber absolut glücklich kommen wir letztendlich unten an und setzen uns noch eine Weile an den Strand. Wir klettern auf einen kleinen Felsvorsprung, lauschen dem Meeresrauschen und lassen den Wind durch unsere Haare wehen. Es hat sich deutlich abgekühlt, der Wind wird konstant stärker und wir zudem immer hungriger. Es ist bereits relativ spät und bis auf ein wenig Obst und ein paar Riegel hat keiner wirklich daran gedacht, Essen einzupacken.

Mein Magen ist bis auf ein kleines Päckchen Rosinen und einem Apfel komplett leer und fängt langsam an, sich lautstark bemerkbar zu machen. Gut, dass es damit nicht nur mir so geht. Und so landen wir letztendlich in einem kleinen Lokal, was mich an eine Bar im Wilden Westen, wie man sie aus den alten Cowboy Filmen kennt, erinnert.

Was meins ist, ist auch deins. Eines der Prinzipien, das den Einheimischen hier in Neuseeland besonders am Herzen liegt. Auch wir scheinen Gefallen daran zu finden und bestellen deshalb die verschiedensten Gerichte, stellen alles in die Mitte und probieren uns durch die Speisekarte. Letztendlich haben wir uns wohl doch etwas überschätzt. Zwar sind die Teller leer, wir dagegen maßlos überfüllt. Mit einer Menge Essen im Bauch und einer Menge neu gesammelter Erfahrungen verlassen wir das Restaurant und machen uns auf den Heimweg. Insgesamt sind wir an diesem Tag um die 15.000 Schritte gelaufen.

Leonie Schulz (19, Waltrop) fliegt für neun Monate nach Neuseeland. In Whenuapai, einem kleinen Vorort von Auckland, der größten Stadt des Landes, wird sie sich als Au-pair um zwei kleine Mädchen kümmern. Außerdem möchte sie die Zeit dort nutzen, um das Land in seiner Vielfalt zu erkunden. Hier berichtet Leonie von ihren Erfahrungen.

Wir waren insgesamt zwei Stunden wandern und haben weitere zwei Stunden zusammen im Auto verbracht. Ich realisiere, dass es letztendlich egal ist, wie faszinierend die Landschaft um dich herum ist. Es ist egal, wie gut die Musik ist, die gespielt wird. Ebenso ist es egal, wie lecker das Essen ist, das du verspeist und wie gut das Wetter um dich herum ist. Das Allerwichtigste ist, dass du mit Leuten zusammen bist, die dir Freude bringen. Nichts ist so ausschlaggebend für einen gelungenen Ausflug wie eine gute Gesellschaft.

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