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An der Hertener Zeche Ewald kommt der Bus endlich! Leider nur in die falsche Richtung. Genauso ist es manchmal mit der Liebe: Wir warten und warten und warten.

Auf die Liebe warten?

An der Haltestelle der Gefühle

Ich habe mich neulich mit einer Freundin getroffen und in etwa folgendes Gespräch entspann sich…

Ich: „Eine Freundin von mir hat sich gerade Tinder geholt und hat jetzt demnächst ihr erstes Date.“

Freundin: „Tinder verstehe ich nicht. Das ist so unpersönlich. Alle stellen sich im besten Licht dar und dann wischt du nach links oder rechts. Wenn ich jemanden kennenlerne, dann möchte ich doch einfach so sein, wie ich bin, und keine perfektionierte Version von mir.“

Ich: „Das fand ich auch immer, aber als sie das erzählt hat, dachte ich plötzlich… na ja, dass sie wenigstens etwas tut. Weißt du, was ich meine? Ich meine, ich warte darauf, abgeholt zu werden. Ich mache einfach nichts.“

Zwischen uns entsteht eine kurze Pause…

Ich weiter: „Das ist so, als würde ich an der Bushaltestelle stehen, aber es kommt kein Bus vorbei.“ Freundin: „Ja, ja das stimmt. Aber ich meine, wie wird man denn aktiv? Wie geht man denn auf andere Menschen zu? Das ist so viel schwerer, als einfach nur zu warten.“

Ich: „Das macht meine Freundin ja. Sie wartet nicht mehr auf den Bus, der nie kommen wird, sondern hat die Sache selbst in die Hand genommen. Sagen wir mal, sie ist aufgestanden und hat nach einem Taxi gerufen.“ Wir brechen beide in Gelächter aus.

Ich: „Ich glaube, ich stehe seit Jahren an einer Bushaltestelle im Nirgendwo. Kein Wunder, dass niemand kommt.“

Freundin: „Ja, da stehe ich auch – am Arsch der Welt. Diese Analogie passt viel zu perfekt.“

Ich: „Ja, aber ich glaube, wir sollten damit aufhören.“

Freundin: „Ja, begraben wir das fürs Erste auf dem Friedhof der guten Analogien.“

Und damit wandten wir uns anderen Themen zu, aber das Gespräch und die kleine lustige Analogie ging mir trotzdem nicht aus dem Kopf.

Ich meine, es stimmt doch. Man kann aktiv nach einem Partner suchen oder man kann darauf warten, gefunden zu werden. Auch, wenn ich mindestens genauso viele Vorurteile gegen Tinder habe wie meine Freundin in dem Gespräch, so mag ich dennoch das Prinzip, aktiv eine Suche zu gestalten. Aber wie man schließlich vorgeht, bleibt letztlich jedem selbst überlassen. Für mich beinhaltet der Begriff „Partner-Suche“, dass es ein Endziel gibt, das es zu erreichen gilt. Aber genauso möchte ich eigentlich leben – auf der Suche nach jemanden. Ich möchte aktiv sein, ja. Aber suchen – das ist vielleicht der falsche Begriff. Man könnte also sagen, dass ich noch ein wenig an meiner einsamen Bushaltestelle bleibe, weil ich da gerade eigentlich ganz glücklich bin.

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