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Zwei Monate sind um – und Jana ist einfach glücklich im mittlerweile sehr winterlichen Baltikum. Die Arbeit in der Schule macht der Hertenerin viel Spaß.

Scenarios Auslandsreihe: Janas vierter Teil bei Around the world

Erster Schnee und Kinderkunst

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Litauen: Jana hat an „ihrer“ Schule inzwischen so manches Kinderherz erobert. Nicht nur ihre Arbeit, auch der anbrechende baltische Winter begeistert die 18-Jährige.

Nun bin ich eine ganze Weile in Litauen. Ich kann es selber kaum fassen, dass die Zeit hier so schnell vorbeigeht. Nach fast sechs Monaten ohne geregelten Alltag (Abitur!) fühlt es sich wunderbar an, wieder einen festen Tagesablauf zu haben. Doch wie läuft ein normaler Tag bei mir überhaupt ab? Und was sind meine Aufgaben in der Schule und außerhalb meines Projektes? 

Mein Tag beginnt meist um 7.45 Uhr, dem Zeitpunkt, an dem mein Wecker klingelt. Von meinem Küchenfenster aus kann ich die Straße sehen, und tatsächlich ist es zum ersten Mal weiß auf den Gehwegen. Es hat geschneit! Zwar nur ein wenig, sodass die Straßen mit einer leichten Schicht Schnee bedeckt sind, doch genug, dass alles liegen bleibt. Auf Schnee warte ich schon den ganzen Monat! 

Um 8.50 Uhr mache ich mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Zu spät kommt der Bus hier erfreulicherweise nie. Meist fahre ich alleine zur Arbeit, obwohl auch mein Mitbewohner zur gleichen Schule muss. Er fängt jedoch immer etwas früher an und ist deswegen schon in „Atgaja“, wenn ich mich erst auf den Weg mache. Es ist schön, vor dem lauten Alltag in der Schule noch ein bisschen Ruhe zu haben und einfach mit Kopfhörern in den Ohren die Busfahrt über zu entspannen. Fast immer kriege ich noch einen freien Sitzplatz und lasse meine Gedanken schweifen. Schließlich steige ich aus und laufe die restlichen Meter zur Schule.

Heute ist es extrem glatt auf den Straßen, doch zum Glück erreiche ich – ohne auszurutschen – die warme Eingangshalle. Jetzt haben die Kinder noch Frühstückspause und sitzen in der Cafeteria. Ihren Stundenplan kenne ich schon auswendig: Die nächste Stunde ist Musik. Dafür gehen wir immer in einen extra Musikraum. 

Weihnachtslieder mitsingen geht nicht 

Ich laufe also zur Cafeteria und warte dort auf die Kinder und die Lehrerin. Sofort kommt Eidenas, ein Junge aus meiner Klasse, auf mich zu und nimmt meine Hand. Er zeigt mir super stolz seinen neuen Weihnachtspullover, während wir zum Musikraum laufen. Heute singen die Kinder im Unterricht Weihnachtslieder. Sehr gerne würde ich auch mitsingen, nur leider verstehe ich kein Wort – alles ist auf Litauisch. Die nächste Stunde ist Mathematik. Ein Fach, in dem ich die Kinder meist gut unterstützen kann. Das heutige Thema der Stunde ist das Größenverhältnis zweier Zahlen, also „kleiner als“ und „größer als“. Auch wenn ich während meiner Schulzeit selbst kein Mathe-Ass war, so kann ich glücklicherweise diese kleinen Aufgaben lösen und den Kindern bei Schwierigkeiten helfen.

Dabei stoße ich mit meiner gestenreichen Kommunikation allerdings an meine Grenzen. Eidenas weiß nicht weiter bei einer Aufgabe, und ich weiß nicht, wie ich ihm die Lösung klarmachen soll. Dafür fehlen mir die passenden Vokabeln. Glücklicherweise kommt Inga, die Lehrerin der Klasse, mir zu Hilfe. Danach folgt das Unterrichtsfach „Natur“. In dieser Stunde gehen wir meist raus, zumindest, wenn das Wetter es zulässt. Und so spazieren wir bald dick eingepackt durch den nahegelegenen Wald. 

Wieder läuft ein Kind, Eugenijus, an meiner Hand. Es ist kalt, doch durch das kleine bisschen Schnee sieht alles so wunderschön aus. Ich sehe den Kindern an, dass sie voller Vorfreude auf den Winter sind. Langsam kriegen die Kinder Hunger. Als wir in die Cafeteria kommen, riecht es schon köstlich. Was es wohl heute zu essen gibt? Immer, wenn die Kinder zu Mittag essen, kann ich ebenfalls eine Pause machen. Das Essen in der Cafeteria ist echt supergünstig und lecker! Heute stehen „Blynai“ auf dem Speiseplan. Das sind atemberaubend leckere und fluffige Pfannkuchen, serviert mit Marmelade und Quark – himmlisch! 

Ignas malt mir ein Bild

Nach dem Mittagessen fängt auch schon die letzte Stunde an: Kunst. Ignas, ein Junge aus meiner Klasse, hat mir ein Bild gemalt. Darauf sind ein Baum, Blätter und Regen zu sehen. Ich freue mich sehr! So geht mein Schultag langsam zu Ende. Nachdem die Stunde beendet ist, darf ich gehen. Es ist erst 13.25 Uhr, und ich habe den ganzen Nachmittag und Abend frei zur Verfügung. So viel Freizeit hatte ich in meiner Schulzeit nie. Gemeinsames Dinner zum Zweimonatigen Für heute Nachmittag steht auf dem Plan, mich mit vier weiteren Freiwilligen, Eliam, Persane, Lydia und Michela, zu treffen. Wir alle sind nun schon zwei Monate in Litauen und wollen aufgrund dieses Anlasses ein gemeinsames Abendessen machen. 

Nach unserem ersten Monat hier in Litauen haben wir dasselbe gemacht, bloß anstatt Abendessen gab es einen leckeren Schokoladenkuchen. Falls mal nicht so etwas Besonderes ansteht wie heute, gehe ich in meiner freien Zeit gerne in Museen oder treffe mich einfach nur mit den anderen Freiwilligen zum Kaffee. Zwischendurch haben wir von meiner Aufnahmeorganisation Meetings, in denen wir wichtige Dinge besprechen, Workshops oder auch „Movie Nights“, in denen wir einen Film aus einem bestimmten Land anschauen. 

Welcher deutsche Film wird es werden?

Bald sind Lydia und ich auch mit einem deutschen Film dran – welchen wir nehmen, wissen wir bis jetzt aber noch nicht. Zu Hause angekommen, mache ich mir erst einmal einen Kaffee und schaue dann, was ich alles erledigen muss, bevor ich zu unserem Abendessen fahre. Wäschewaschen und Aufräumen steht dabei ganz oben auf der To-do-Liste, schließlich gehört das auch dazu, wenn man alleine wohnt. Und damit ich nicht alleine die ganze Wohnung putzen muss, haben mein Mitbewohner und ich einen „Cleaning Schedule“, sodass alles gerecht aufgeteilt ist. Gegen 16.30 Uhr bin ich fertig. 

So langsam sollte ich mich auf den Weg machen – das Abendessen findet in Eliams und Persanes Wohnung statt, und ich fahre noch 20 Minuten mit dem Bus dorthin. Warm eingepackt laufe ich wieder zur Bushaltestelle. Um mich herum schneit es. Hoffentlich bleibt alles bis morgen liegen, denn Schnee sieht noch viel schöner aus, wenn die Sonne darauf scheint. Jetzt aber kann man schon den Mond und die ersten Sterne erkennen. 

Im warmen Bus höre ich wieder meine Musik und träume vor mich hin. Ich freue mich so sehr auf den Winter und den vielen Schnee hier, auch wenn es kalt wird. Und natürlich freue ich mich auf das heutige Abendessen. Ich bin so froh, die anderen hier kennengelernt zu haben. Nach zwei Monaten sind wir so gute Freunde geworden, damit hätte ich echt nicht gerechnet – und keinen von ihnen möchte ich mehr missen.

INFO Jana Konkel (18, Herten) geht für acht Monate nach Litauen. In der Hauptstadt Vilnius wird sie im Rahmen des „Europäischen Solidaritätskorps“ einen Freiwilligendienst an einer Schule für Kinder mit Behinderungen leisten. In ihrer Freizeit möchte Jana viel von Litauen und dem Baltikum entdecken. Bei uns erzählt sie von ihrem Leben in Vilnius.

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