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Jana mit Katya aus Russland. Beim MidTerm-Meeting hatten alle viel Spaß!

Scenarios Auslandsreihe: Janas sechster Teil bei Around the World

Kartoffelsalat & Imperativ

Litauen: Die Hälfte ist um! Nach einem fröhlichen MidTerm-Meeting steht für Jana an ihrer Schule ein Klassenwechsel an. Der litauische Winter lässt derweil auf sich warten ...

Halbzeit. Vier Monate sind vorbei, vier Monate stehen mir noch bevor. Die anfangs noch so unendlich scheinende Zeit ist leider doch nicht so unendlich. In den letzten Wochen wurde mir bewusst, dass ich bald schon wieder in Deutschland bin. Mit diesem Zeitlimit im Kopf will ich versuchen, jeden Tag hier zu nutzen. Doch das ist gar nicht mal so einfach. 

Richtiger Winter ist hier noch immer nicht. Die versprochenen -15°C und Berge an Schnee wollen einfach nicht auftauchen. Echt schade! Ich hatte mich so auf einen richtig kalten Winter gefreut! Stattdessen regnet es und regnet es und regnet es. Meine Stimmung steigert das nicht gerade. Doch wie gesagt: Die Zeit will genutzt werden! 

Letzte Woche war ich auf meinem MidTerm-Training. Das ist ein Seminar für alle Freiwilligen in Litauen, die schon die Hälfte ihrer Zeit hinter sich gebracht haben. Genauso wie mein OnArrival-Training war dieses fünftägige Seminar in Trakai, einer etwas kleineren Stadt in der Nähe von Vilnius. Dort habe ich einige der Volunteers von meinem ersten Training wiedergesehen, jedoch auch einige neue Leute kennengelernt. Neben Gesprächen und dem Reflektieren unserer Arbeit und der Zeit hier haben wir einen Workshop zum Thema „Seifen herstellen“ gemacht. Jeder konnte dabei eine eigene Seife kreieren und den Duft und auch die Inhaltsstoffe selber aussuchen. 

Dickes Lob fürs deutsche „Nationalgericht“ 

Dienstagabend waren wir dann noch in der Hotelsauna mit anschließendem Badegang in den See. Ganze drei Mal war ich im eiskalten See schwimmen, doch die Sauna hat mich wieder gut aufgewärmt. Danach waren wir alle müde, aber unendlich entspannt. 

An unserem letzten Abend hat jeder ein Gericht aus seinem Heimatland gekocht und wir haben alle zusammen international zu Abend gegessen. Zusammen mit Sina, einer weiteren deutschen Freiwilligen, habe ich Kartoffelsalat vorbereitet. Da wir zu zweit waren, haben wir unseren Salat schnell fertig bekommen und konnten aus der hektischen Küche fliehen. Nach und nach wurden alle langsam fertig und stellten ihre Gerichte auf den Buffettisch. Alles sah so köstlich aus! Nachdem wir uns versammelt hatten, erzählte jede Person, was sie gekocht hat – dann ging es ans Essen. 

Es war ein großer Schmaus! Laima, unsere Trainerin fand den Kartoffelsalat wunderbar, was mich natürlich sehr gefreut hat. Mein Lieblingsessen waren die ukrainischen Pfannkuchen mit Hüttenkäse und Marmelade. Sie werden „Syrniki“ genannt. Es war so köstlich, wirklich unglaublich! Nach dem Rezept muss ich unbedingt noch einmal fragen! Da dies ebenfalls unser letzter Abend zusammen war, blieben wir alle noch bis spät in die Nacht wach und genossen die Zeit beisammen. 

In der Schule, die ich hier besuche, steht eine Veränderung für mich an: Da nun auch das Halbjahr in Atgaja zu Ende ist, soll ich meine Klasse wechseln. Meine Zeit in der 3a war echt toll, aber ich habe Lust, einen neuen Alltag in einer neuen Klasse zu erleben. 

Glücklicherweise weiß ich auch schon, in welche Klasse ich kommen werde: Es ist eine 10. Klasse, dementsprechend sind die Schüler auch schon fünfzehn oder sechzehn Jahre alt – nur drei Jahre jünger als ich! Ihre Klassenlehrerin ist Irma, die Englischlehrerin der Schule. Das heißt, ab morgen kann ich nun endlich auch auf Englisch sprechen und nicht immer nur Litauisch, denn das ist immer noch zu schwer für mich. Irma kenne ich schon vom Englischunterricht aus meiner alten Klasse. Sie ist super nett und momentan schwanger, sodass sie gerne Unterstützung in ihrer Klasse hätte. Ich bin schon sehr gespannt, wie es werden wird. Doch jetzt gehe ich erst einmal ins Bett. Morgen früh klingelt mein Wecker ja schon um acht. 

Bingo spielen auf Litauisch 

Meine neue Klasse ist sehr ruhig, aber alle sind nett. Irma meinte, dass es teilweise so ruhig ist, dass man einschlafen könnte. Von den acht Kindern sprechen die meisten nicht viel oder gar nicht. In der zweiten Stunde habe ich ein Plakat mit Fotos von ihnen gebastelt, damit dieses an die Klassenzimmertür gehängt werden kann – das sollen jetzt alle Klassen machen. 

In der Mittagspause sitzen die Kinder, Irma und ich in der Cafeteria. Heute gibt es Blynai, litauische Pfannkuchen mit Quark und Marmelade. Lecker! Die Kinder aus meiner Klasse lieben sie auch sehr. „Labai skanu!“, sagt Oskaras. Es bedeutet, dass es sehr gut schmeckt. 

Danach gehen wir zurück ins Klassenzimmer. Irma fragt mich, ob ich nicht Bingo mit den Schülern spielen möchte. Anscheinend mögen sie dieses Spiel sehr. Auf Litauisch die Zahlen sagen? Mmh, die meisten kann ich, aber bei einigen bin ich mir unsicher, wie ich sie aussprechen muss. Doch Irma meint, ich könne sie einfach fragen, wenn ich nicht mehr weiter wüsste. Es macht wirklich sehr viel Spaß. Danach spielen wir noch zwei weitere Runden, doch ich darf diesmal auch mitspielen und Dima übernimmt das Ansagen der Zahlen. 

Nach dem Unterricht werden einige Kinder von ihren Eltern abgeholt oder mit dem Schulbus nach Hause gebracht. „Ich bringe nur noch schnell Oskaras zum Bus, und dann darfst du auch nach Hause gehen, okay?“, meint Irma. Es ist 14.30 Uhr, noch gar nicht spät. Ich werde den ganzen Nachmittag freihaben! 

... und dann wird der Imperativ vorbereitet 

Zu Hause angekommen, muss ich ein Thema für meine Litauisch-Lerngruppe vorbereiten. Da mein Sprachkurs leider im Moment nicht stattfindet, weil unsere Lehrerin und meine Mentorin Ona durch die Uni so viel zu tun hat, haben wir beschlossen, selber eine Study Group zu starten. Dafür muss ich mich jetzt noch um das Thema „Imperativ“ kümmern, das wir in der morgigen Stunde lernen werden. Für jede Stunde bereitet einer ein Thema vor – in der nächsten Woche wird dann jemand anderes dafür verantwortlich sein. Ich freue mich schon, die anderen Freiwilligen zu sehen. Einige von ihnen habe ich durch mein MidTerm-Training schon fast drei Wochen nicht getroffen. Es macht immer viel Spaß, auch wenn wir zwischendurch ins Quatschen verfallen. Das macht das Ganze aber viel lockerer und lustiger. 

Doch nicht nur unsere Study Group steht auf dem morgigen Programm. Auch werde ich zum ersten Mal zu einem kostenlosen Yoga-Kurs eines Jugendzentrums gehen. Sonja und Sophie, zwei Freiwillige aus Österreich, waren dort schon öfter und kommen gar nicht aus dem Schwärmen heraus. Und wofür sonst könnte man hier die Zeit besser nutzen, als um neue Dinge auszuprobieren? Einen richtigen Yoga-Kurs habe ich noch nie besucht, und dieser ist sogar auf Englisch. Perfekt! Mal schauen, wie es wird – ich werde Euch auf dem Laufenden halten! (Jana Konkel)

Jana Konkel (18, Herten) geht für acht Monate nach Litauen. In der Hauptstadt Vilnius wird sie im Rahmen des „Europäischen Solidaritätskorps“ einen Freiwilligendienst an einer Schule für Kinder mit Behinderungen leisten. In ihrer Freizeit möchte Jana viel von Litauen und dem Baltikum entdecken. Bei uns erzählt sie von ihrem Leben in Vilnius.

Im letzten Teil von "Around The World" hat Kristina von ihrem Neustart in Australien berichtet. Für sie hat sich im Land der Kängurus einiges verändert.

Davor hat Lena Besuch von ihrer Familie in den USA bekommen. Was die vier erlebt haben, lest Ihr hier. 

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