Die Hand auf dem Foto hält ein Smartphone auf dem das Anmeldefenster der Streaming-App Spotify geöffnet ist.
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Spotify zeigt Euch aktuell wieder Eure Jahresrückblicke.

Spotify-Jahresrückblicke

Mainstream spielt in der Musik eine viel zu große Rolle

  • Karo Jankowski
    vonKaro Jankowski
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Karo denkt kritisch über die omnipräsenten Spotify-Jahresrückblicke nach.

It’s that time of the year. Es duftet nach Zimt und Kardamom, die Straßen ringsum leuchten wie meine Augen, wenn sie ein frisches Zwiebelmettbrötchen entdecken, und Influencer präsentieren uns ihre, in Pampasgras gehüllten, hochentzündlichen Model-Adventskränze.

Was fehlt, um die hochheilige, vorweihnachtliche Zeit noch seliger zu gestalten? Richtig, der Spotify-Jahresrückblick. Das Sehen und Gesehenwerden des kleinen Büroangestellten und selbst ernannten kreativen Alltagsphilosophen. Jeder, der etwas auf sich hält – und das sind in Zeiten von digitaler Selbstbeweihräucherung ja im Grunde alle – kackt seinen Jahresrückblick in jede soziale Spalte, die gefunden wird.

Überall nur Ironie und „Guilty Pleasure“

Was waren die meistgehörten Lieder des Jahres, mit welchem Genre bemisst Spotify deinen Musikgeschmack, welches sind deine Lieblingspodcasts – alles wird nach außen gekehrt, um, das unterstelle ich jetzt einfach mal, sich als musikalischer Virtuose zu präsentieren, weil man soooo viel Indie-Blues-Jazz-Space-Rock hört und mit Mainstream nichts zu tun hat. Denn Mainstream ist ganz furchtbar – wie wir ja alles wissen. Alles wird im ironischen Deckmantel der sogenannten „Guilty Pleasure“ eingewickelt und weit weggerollt.

Taylor Swift hört man schließlich nur mit Hohn im Ohr und Panic! At the disco nur der alten Zeiten wegen und nicht, weil es vielleicht einfach gute Musik sein könnte. „Gemischtes Hack“ macht auch keinen Spaß mehr, weil hört ja jetzt jeder. Das ist nicht etwa unter Umständen ein Merkmal für Qualität, sondern für Beliebigkeit und wer will schon beliebig sein?

Einfach Dinge hören, die gefallen

Ganz ehrlich? Ich höre sehr gerne Taylor Swift. Ich mag Taylor Swift. Die Dame steht für allerlei positive Werte, engagiert sich in vielen wichtigen Dingen und hat verstanden, wie das Business läuft. Kann schon sein, dass es „seichte“ Popmusik ist, aber wenn es mich unterhält, dann macht „seichte Popmusik“ offenbar etwas richtig. Und Taylor Swift wird nicht erfolgreich sein, weil niemand sie hört, schätze ich.

„Ich dachte dein Podcast-Geschmack sei nicht so Mainstream“ sagte just eine Arbeitskollegin zu mir, nachdem sie meine Top-Liste sah (klar, habs auch gepostet). „Baywatch Berlin“, „Gemischtes Hack“, „Mordlust“, „Apokalypse und Filterkaffee“. Nun, es tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen. Wie auch immer es jetzt dein Bild von mir verändert – und vor allem warum – kann ich nicht sagen. Alles, was ich dazu sagen kann, ist: Ich höre nun mal einfach gerne Dinge, die mir gefallen. Finde es etwas befremdlich, dass der Begriff „Mainstream“ bei all der Varietät an Genres, Künstlern und Klängen immer noch eine Rolle spielt.

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