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Sonnenuntergang über den Wolken Afrikas – ein traumhafter Anblick.

Marie in Südafrika

Und wieder ruft der Tafelberg!

Teil 9 - Wenn Plan A nicht funktioniert und auch Plan B nicht ganz so abläuft wie geplant, dann endet man am Ende völlig ausgepowert auf dem Tafelberg – so war es auf jeden Fall bei mir. Bis man dort oben die Aussicht genießen kann, muss man erst einmal einige Hürden überwinden.

Der chaotische Tag begann bereits kurz nach dem Aufstehen morgens um neun. „The Robben Island Tour for 13:00 has been cancelled“ hieß die Betreffzeile der E-Mail, die ich in meinem Postfach fand. Mit anderen Worten: Aus unserem Plan, heute zu Robben Island zu fahren und uns das berühmte Gefängnis von innen anzuschauen, wurde nichts. Traurigerweise war das nicht die erste E-Mail dieser Art, die wir bekommen hatten. Wir hatten den Trip bereits zwei Tage zuvor unternehmen wollen und ihn wegen eben dieser Nachricht auf heute verschieben müssen. Beim letzten Mal wurde wegen schlechten Wetters abgesagt, heute wegen zu hohen Wellengangs. Irgendwie scheint uns die Insel nicht auf sich haben zu wollen…

Eine positive Sache hatte das Ganze dann doch: Da unsere Fähre schon einmal abgesagt worden war, waren wir heute (anders als beim letzten Mal) darauf vorbereitet und hatten uns einen Notfallplan überlegt – und dieser hieß Tafelberg. Der Tafelberg gilt als eines der sieben Naturwunder und ist in Kapstadt allgegenwärtig. Egal, wo man hingeht, man kann ihn immer über sich sehen. Da gehört es bei einem Besuch der Stadt auch dazu, mindestens einmal auf den Berg hinaufzulaufen.

Fünf Stunden Wanderzeit auf der „Königsroute“

Das ist jedoch einfacher gesagt als getan, denn es gibt unzählige Möglichkeiten, diesen Plan in die Tat umzusetzen, unzählige Routen mit unterschiedlichen Längen und Schwierigkeitsgraden. Nach dem Lesen einiger Blogeinträge haben wir uns dann für den „Skeleton Gorge“ entschieden, der von vielen als „Königsroute“ bezeichnet wird. Der Weg soll eine unglaubliche Aussicht und Landschaft bieten, dauert dafür allerdings auch in etwa fünf Stunden – so das Internet.

„Wir“– damit meine ich übrigens Sophia und mich. Im Laufe der letzten Wochen haben wir schon einiges zusammen unternommen und auch einige zum Teil unfreiwillige Abenteuer erlebt. Und so wurden die Rucksäcke mit Ersatzklamotten, Pullovern, Büchern und Essen bestückt – und auch das Wasser haben wir nicht vergessen. Anschließend wurde das Uber bestellt, und um halb zwölf standen wir an den Toren des botanischen Gartens Kirstenbosch und dem Startpunkt der Route.

Bevor ich von der Wanderung erzähle, muss man jedoch wissen, dass das nicht unsere erste Tour auf den Tafelberg war. Bereits ziemlich zu Beginn haben wir den Berg bereits einmal „erklommen“, wie man so schön sagt. Damals hatten wir aber eine der kürzesten Routen gewählt, die zwei Stunden lang steil nach oben ging. Dementsprechend sah ich auch aus, als ich dann endlich oben war. Hätte man mich damals gefragt, hätte ich meinen linken Fuß verwettet, dass ich nie wieder auf diesen Berg steige – oder vorher definitiv mehr Muskeltraining machen würde.

Und doch standen Sophia und ich heute wieder vor dem Fuß des Berges, und wir hatten diesmal angeblich sogar fünf Stunden vor uns. Eine deutlich längere Route für genau dieselbe Steigung. Aufgrund dieser Tatsache hatte ich auf einen schöneren Weg gehofft… aber Fehlanzeige. Bereits nach wenigen Minuten war mir klar, dass es genauso steil bergauf ging wie beim letzten Mal. Landschaftlich war der Weg gesäumt von Blumen und Bäumen, und man konnte Wasserfälle rauschen hören. Die Atmosphäre war wirklich unglaublich schön, hat aber den Weg nicht weniger anstrengend gemacht. Mir war schon nach der ersten Stunde klar, warum ich diesen Berg nicht noch einmal so ohne Weiteres hochlaufen wollte, aber diese Erkenntnis kam etwas zu spät. Doch durch ausgiebige Pausen haben wir die ersten zwei Stunden der Wanderung gut überstanden und auf dem Weg so viele nette Menschen getroffen. Von jungen deutschen Pärchen über eine kleine Gruppe Inder war alles dabei. Und jeder hatte aufmunternde Worte parat. Mit diesen Worten im Hinterkopf haben wir dann die Berggipfel über unseren Köpfen gesehen, und der Weg wurde flacher. Eine echte Erleichterung!

Spontane Badepause vorm Endspurt

Das Beste kam dann allerdings noch. Nachdem sich der Wald um den botanischen Garten gelichtet hatte, wurde der Boden immer ebener… und dann auf einmal sandig. Und schon stand man auf 800 Metern Höhe mitten in einem Sandstrand und konnte auf einen riesigen Bergsee gucken. Das Wasser schimmerte rötlich und war warm genug, um darin zu schwimmen. Wer hätte gedacht, dass ich auf einer solchen Wanderung spontan eine Badepause einlegen könnte! Und wenn man den Sand zwischen den Füßen spürt, dann kommt einem der Weg nur noch halb so schlimm vor.

Wir hatten die Rechnung allerdings ohne das Riesenstück gemacht, das noch vor uns lag. Man kommt nicht umsonst auf eine Fünf-Stunden-Schätzung. Den gesamten restlichen Weg ging es dann die Gipfellandschaft entlang – und dass ohne Wegweiser und in der schönen afrikanischen Mittagshitze. Nach dem einen oder anderen mutmaßlichen Umweg und einigen Meckertiraden meinerseits haben Sophia und ich es dann aber wirklich geschafft. Und nicht nur das, wir haben auch den höchsten Punkt des Tafelbergs erreicht, der bei über 1100 Metern liegt – das muss man erst mal von sich behaupten können!

Marie Dechêne (18, Recklinghausen) verbringt die nächsten sechs Monate in Kapstadt. Dort hilft sie im Rahmen des Freiwilligendienstes Rainbow-Garden-Village (RGV) für jeweils zwölf Wochen in Tageskliniken und in einem Special-Care-Center für geistig beeinträchtige Menschen. Bei Scenario erzählt sie von ihren Eindrücken.

Und das Internet hatte auch nicht gelogen: Die Aussicht, die man vom Berg hat, ist unglaublich! Der Bergsee war dabei noch nicht mal erwähnt worden. Man kann auf jeden Fall verstehen, warum der Tafelberg zu den Naturwundern gehört. Nicht nur der Ausblick verschlägt einem den Atem, auch eine solch vielfältige Flora kann man nur selten an einem einzigen Ort vorfinden. Ganz zu schweigen von dem Gefühl, es geschafft zu haben, wenn man nach all der Quälerei am Ziel ankommt. So hat mein Tag mit traumhaften Ausblicken und zittrigen Beinen geendet. Und mit Erinnerungen, die ich so schnell nicht vergessen werde!

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