Auf Monsterjagd in der WG

Das Kühlschrank-Monster

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Andauernd verschwinden Marleens Vorräte aus ihrem Kühlschrank. Sie vermutet ein Monster dahinter, macht am Ende aber eine andere Entdeckung.

In meinem Kühlschrank sitzt ein Monster. Ich schwöre es. Ich hatte schon früher den Verdacht, doch nun, wo ich so viel zu Hause bin, bin ich mir sicher: Da ist ein Monster in meinem Kühlschrank und es isst meine hart erkämpften Vorräte! 

Vor ein paar Tagen habe ich meinen quadratischen, gelblich-weißen Kühlschrank voller Enthusiasmus befüllt. Alles war schön vollgestellt. Das grelle Licht im Inneren wurde von einem Büschel Möhrengrün gedämpft. Da hätte man beinahe Lust bekommen können etwas zu kochen, aber auch nur beinahe. 

Zwei Tage später öffne ich den Kühlschrank und schaue in eine kalte, gähnende Leere. Ich vermute, dass das Kühlschrankmonster hervorkommt, wenn ich die Tür schließe. In der Dunkelheit frisst es sich durch meine Vorräte. Von den Möhren, zu der eingeschweißten Minze und dem Joghurt unten rechts. Ich weiß, ich weiß, was ihr jetzt sagen wollt. Aber wie sieht dieses Monster denn aus? 

Tja, ich würde diese Frage auch gerne beantworten, deshalb positioniere ich mich vor meinem Kühlschrank. Ich schließe die Tür ganz normal so wie sonst auch. Alles völlig normal. Ich beuge mich zu der Kühlschranktür herab und halte mein Ohr daran. In Gedanken sehe ich schon, wie es sich an meiner Erdbeermarmelade vergreift. Ich will gerade die Kühlschranktür mit einem Laut „Aha“ aufreißen, siegesgewiss und mit meiner ganzen Kraft, als meine Mitbewohnerin die Küche betritt. 

Ich zucke heftig zusammen. Auf der Jagd nach dem Kühlschrankmonster haben sich meine Nerven in Wackelpudding verwandelt: „Gott, hast du mich erschreckt!“ „Was machst Du denn da?“, fragt meine Mitbewohnerin. Mit dem Ohr hänge ich noch immer an der kalten Kühlschranktür. Ich löse mein Gesicht von dem Metall und stelle mich wieder aufrecht hin.

 „Darf ich mal?“, fragt meine Mitbewohnerin und greift an mir vorbei zur Kühlschranktür. Für einen Augenblick schaue ich in das helle Innere des Kühlschranks. Nichts. Noch immer eine Erdbeermarmelade, ein daumengroßes Stück Butter und drei verkommene Zucchini. Ich seufze. Meine Mitbewohnerin gießt sich ein Glas mit Saft ein. „Also?“, fragt sie und trinkt das Glas in einem Zug leer. 

Vielleicht gibt es doch ein Kühlschrankmonster, doch es wohnt nicht im Kühlschrank und es ist nicht lichtempfindlich, oder vielleicht doch, aber nur nach einer durchzechten Nacht, denke ich, während ich das Gesicht meiner Mitbewohnerin studiere. „Ach, nichts“ sage ich und überlege mir, wo ich bald ein Schloss herbekommen könnte oder noch besser einen Stacheldrahtzaun.

Annika musste in der vergangenen Woche schweren Herzens einsehen, dass es in diesem Jahr keinen Festivalsommer geben wird. Sie verabschiedet sich gebührend. 

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