Das Model sitzt im Schlafanzug auf einem Bett und zieht sich mit einer Hand ihre Bettdecke über den Kopf.
+
Kein weiblicher Körper gleicht dem anderen - daher bringt es nichts, sich unter Druck zu setzen.

Das erste Mal

Mythos Jungfernhäutchen

Es gibt viele veraltete Vorstellungen über das erste Mal – vor allem über das weibliche Geschlecht. Das kann zu Verwirrung bis hin zu Selbstverletzung führen.

Von Matilda* (Name v. d. Red. geändert)

Es gibt viele erste Male im Leben. Aber eines davon ist ganz besonders. Denn es ist ein Rätsel, ein Abenteuer und zugleich eine wichtige Schwelle im Leben, die man nur ein einziges Mal übertritt. Und jeder hat seine ganze eigene Vorstellung vom ersten Mal. Von der Art und Weise wie es sich anfühlen wird, wenn man sich auf die körperlich intimste Art und Weise nahekommt. Aber an einem Punkt sind all diese Vorstellungen über den ersten Geschlechtsverkehr gleich: Man küsst und berührt sich, streift das Kondom über und dann braucht es nur ein paar Momente, bis beide Partner ihre Jungfräulichkeit verlieren.

Vielleicht blutet es etwas. Und sicherlich wird es bei ihr auch kurz zwicken, wenn das Hymen, also das Jungfernhäutchen reißt. Aber dann wird es romantisch und rhythmisch und ziemlich berauschend. So funktioniert es in Filmen und so hat man es auch von anderen gehört. Das mag schon stimmen, aber jede Regel hat ihre Ausnahmen. Und in diesem Fall können unerwartete Wendungen beide Partner stark verunsichern.

Jede Frau ist anders - kein Grund zur Verunsicherung

Der mythische Akt der Entjungferung geht angeblich immer mit dem Reißen des Hymens einher. Das ist ein dünnes Häutchen, dass den Vaginaleingang zu Teilen verdeckt. Es fungiert als Schutzbarriere vor Schmutz und Bakterien, von der – so geht man aus – Babys und Kleinkinder profitieren. Konkrete Beweise dafür gibt es aber nicht. Was man allerdings weiß: Bei jeder Frau ist das Jungfernhäutchen ganz unterschiedlich ausgeprägt.

Es kann die Form eines Halbmondes oder eines Rings haben, aber auch siebförmig (mehrere Öffnungen) oder kreuzförmig (mehrere Hautbänder) sein. Mit Beginn der Pubertät wird es elastischer, sodass es möglich wird ein Tampon zu tragen. Wer hier schon stutzt, darf sich nicht verunsichern lassen. Denn das ist die Regel. Die Ausnahme ist, dass das eben nicht so leicht wie beschrieben funktioniert.

Nicht jede Frau hat ein Hymen

Einige Frauen haben nicht einmal ein Hymen. Und bei anderen wiederum reißt es unerwartet früh, beispielsweise beim Sport, weil es so dünn ist. So kann es passieren, dass das erste Mal ganz ohne den „erwarteten“ kurzen Widerstand verläuft. Diese Situation könnte für Verwirrung beim Partner sorgen, sodass er lieber aufgeklärt werden sollte. In der Regel wird es aber wohl nach einigen Anläufen klappen, die Schmerzen fallen dabei ganz unterschiedlich aus. Tatsächlich kommt es dann nur bei etwa der Hälfte der Frauen zu Blutungen – die aber viel schwächer als eine Menstruation ausfallen. In äußerst seltenen Fällen kann die Blutung aber auch stärker sein. Falls sie nicht nach einigen Stunden stoppt, sollte zur Sicherheit ein Arzt aufgesucht werden.

Doch es verläuft nicht immer so „einfach“. Denn wer bereits beim Einführen eines Tampons verzweifelt aufgibt, stellt sich zu Recht die Frage, wie es denn bitte mit dem ersten Mal klappen soll. Die Frage und die damit verbundenen möglichen Ängste sind berechtigt. Wichtig ist: Ihr könnt es trotzdem vorsichtig ausprobieren. Euch herantasten. Aber auf gar keinen Fall, solltet Ihr es versuchen gemeinsam mit Gewalt oder alleine mit einem Spiegel zu lösen. Denn beide Varianten wären fatal.

Keine Scham vor einem Eingriff bei der Ärztin

Sobald die Schmerzgrenze erreicht ist, weil der Druck auf das Jungfernhäutchen zu stark wird, müsst Ihr Euren Partner bitten aufzuhören. Denn egal, wie sehr Ihr Euch wünscht, dass es endlich funktioniert: Ihr werdet viel Zeit brauchen, um das Hymen so weit zu dehnen, das es reißt. Das kostet auch viel Energie und kann die Beziehung belasten. Und am Ende können selbst wochenlange Bemühungen nicht ausreichen. Da ist es besser, sich an eine Frauenärztin zu wenden, bevor Ihr Euch zu lange quält. Natürlich fällt auch dieser Schritt nicht einfach. Schon wieder muss man seine eigene Scham überwinden und einer weiteren Person von seinem gefühlten „Versagen“ berichten. Dabei tritt dieses Phänomen häufiger auf, als Ihr glaubt. Allein mit einem zu stabilen Hymen seid Ihr nämlich nicht.

Und mit einem kleinen Eingriff kann Eure Frauenärztin das Hymen auftrennen bzw. entfernen. Dazu ist oft nicht einmal eine Betäubung nötig, sondern nur ein paar geübte Handgriffe. Daher ist es auch so wichtig, dass Ihr weder aus Angst, Scham oder einem Druckgefühl Eurem Partner gegenüber, Euch selbst versucht zu „entjungfern“. Denn es kann zu Entzündungen und Schnitten an den falschen Stellen kommen – ausgerechnet an einer der empfindlichsten Stellen Eures Körpers.

Das erste Mal wird nicht immer so, wie wir es uns vorgestellt haben. Meist ist es etwas holprig und verschüchtert oder einfach viel zu schnell vorbei. Manchmal braucht es mehrere Anläufe, das Kondom hat die falsche Größe oder der Moment stimmt einfach gerade nicht mehr. Und manchmal macht einem ein festes Jungfernhäutchen einen Strich durch die Rechnung. Das Wichtigste ist, dass Ihr Euch nicht zu sehr unter Druck setzt. Denn auch wenn es im Film immer so einfach und perfekt aussieht beim ersten Mal: Richtig schön wird es erst mit etwas Übung.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Ein „Tinder“-Türchen offenhalten...?
Ein „Tinder“-Türchen offenhalten...?
Ein „Tinder“-Türchen offenhalten...?
„Schwul“ sollte keine Beleidigung sein
„Schwul“ sollte keine Beleidigung sein
„Schwul“ sollte keine Beleidigung sein
Wie es ist, eine Schuluniform zu tragen
Wie es ist, eine Schuluniform zu tragen
Wie es ist, eine Schuluniform zu tragen
Das Privileg der Dünnen?
Das Privileg der Dünnen?
Das Privileg der Dünnen?
Müssen wir modisch immer up-to-date sein?
Müssen wir modisch immer up-to-date sein?
Müssen wir modisch immer up-to-date sein?

Kommentare