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Sie will gut vorbereitet sein: Jana übt jeden Tag fleißig die Sprache für ihre Zeit in Litauen.

Scenarios Serie: Janas erster Teil bei Around the world

„Erst wollte ich nicht dorthin“

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Ab nach Litauen! ESKlerin Jana nimmt Scenario-Leser mit auf ihre Reise, die eigentlich ganz woanders hingehen sollte.

In wenigen Tagen fliege ich für acht Monate nach Litauen. Nach Litauen? Richtig gelesen! Warum ich erst gar nicht nach Litauen wollte und was ich dort überhaupt mache, ist eine ziemlich lange Geschichte…

Seit meinem 14. Lebensjahr wollte ich unbedingt raus und diese riesige Welt entdecken, am liebsten weit weg – ursprünglich als Work-and-Travellerin nach Australien, doch das schien mir letztlich zu teuer. Am Ende der zehnten Klasse erfuhr ich das erste Mal von Freiwilligendiensten im Ausland. Diese kann man mit den verschiedensten Programmen machen, beispielsweise mit dem „Europäischen Solidaritätskorps“ (ESK). Das ist ein europäischer Freiwilligendienst, der durch die EU gefördert wird und somit für alle EU-Bürger möglich gemacht werden soll. 

Vorher mal Europa kennenlernen

Natürlich stellte sich mir als Erstes die Frage: „Will ich doch weiter weg als Europa?“ Aber meine Antwort lautete dann nein. Obwohl ich in Europa aufgewachsen bin und auch schon einige weitere europäische Länder im Urlaub oder auf Klassenfahrten kennenlernen konnte, weiß ich noch längst nicht alles darüber. Gerade deswegen kann der ESK dabei helfen, erst Europa richtig kennenzulernen, bevor es an den Rest der Welt geht. 

Nun, da ich mich für einen Europäischen Solidaritätskorps entschieden hatte, brauchte ich noch die Organisation, die den ESK und Freiwilligendienste in Ländern anbietet, in denen ich arbeiten und leben würde. Tatsächlich gibt es Unmengen an Organisationen, die den europäischen Freiwilligendienst anbieten. Bei zweien, bei denen ich mich gut aufgehoben fühlte, wollte ich mich bewerben. Für die Bewerbungen musste ich bei beiden Organisationen einen Bewerbungsbogen ausfüllen. 

Dabei traf ich auf Fragen wie zum Beispiel: „Warum möchtest du einen Freiwilligendienst machen, was sind deine Stärken und Schwäche oder auch welche Befürchtungen hast du in Bezug auf deinen ESK?“ Hinzu kam noch, dass ich zwei Referenzschreiben und noch einen Steckbrief sowie alle möglichen Belege für Praktika oder ehrenamtliche Tätigkeiten hinzufügen musste. Wenn man sich für einen Freiwilligendienst bei einer Organisation bewerben möchte, sollte man auch immer darauf achten, ob die Organisation bestimmte Bewerbungsfristen hat. Dies war nämlich bei meinen beiden Organisationen so. 

Für den Bewerbungstag geht’s nach Berlin 

Genau einen Tag nach Bewerbungsfrist bekam ich eine E-Mail. Ich wurde zu einem Bewerbungstag nach Berlin eingeladen – und der fand schon zwei Wochen später statt. Schnell sprach ich mit meinen Eltern, ob es okay wäre, wenn ich für einen Tag nach Berlin fahren würde. Da dieser Tag ein Freitag war, musste dann natürlich noch eine Beurlaubung für die Schule her und dann konnte ich die Zugtickets buchen. Da alles sehr spontan und schnell ging und ich am Bewerbungstag um elf Uhr an der Hauptstelle des „ijgd Berlins“ (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste) sein musste, fuhr ich schon um sechs Uhr morgens mit dem Zug in die Hauptstadt. Ich war ziemlich müde, doch durch meine Aufregung machte ich auf der Fahrt kein Auge zu. Pünktlich angekommen am Berliner Hauptbahnhof, ging es nach Kreuzberg. 

An der Adresse von „ijgd Berlin“ angelangt, traf ich auch schon auf weitere Bewerber, mit denen ich direkt ins Gespräch kam. In den folgenden Stunden lernte ich viel über das Programm ESK und über die verschiedenen Einsatzstellen mit denen ijgd Berlin zusammenarbeitet. Vieles davon sprach mich sehr an und ich hoffte, bei dieser Organisation mein ESK machen zu können. Danach ging es in die Einzelgespräche. Alles verlief super und ich fuhr mit einem guten Gefühl wieder nach Hause. Nach ein paar Tagen kam dann auch tatsächlich die Zusage. Ich durfte mich nun für mehrere Einsatzstellen bewerben, da ijgd meine Entsendeorganisation werden würde. Erst mal aber entschied ich mich dazu, die zweite Bewerbung an die andere Organisation, die ich ausgewählt hatte, fallen zu lassen. Ich fühlte mich schon zu dem Zeitpunkt wohl bei ijgd und hatte mich nun, da ich einen festen Platz hatte, für sie entschieden.

Favorisiertes Projekt: Arbeiten mit behinderten Kindern

Meine Suche nach den verschiedensten Projekten begann. Am liebsten wollte ich mit Kindern zusammenarbeiten, da ich dies auch schon in meinen Praktika an der Christy-Brown-Schule in Herten sowie in der Vestischen Kinderklinik Datteln getan hatte. Beides hat mir super viel Spaß gemacht! Schlussendlich hatte ich mich für Projekte in Tschechien, Ungarn, Estland und Litauen beworben. Darunter fielen zum Beispiel Stellen in Kindergärten, Schulen als auch in Jugendzentren. Mein favorisiertes Projekt war jedoch die „Atgaja“-Schule für Kinder mit Behinderung in Vilnius, Litauen. Und tatsächlich hatte ich Glück und die Zusage kam im Februar dieses Jahres. 

Und danach ging alles ziemlich schnell! Ich trat mit meiner Aufnahmeorganisation „Social Action“, der Organisation in Litauen, die das Projekt an der Schule in Vilnius anbietet und die mich sozusagen „aufnehmen“ wird, in Kontakt und bekam alle restlichen Infos. Ich werde also in Vilnius in einer WG leben, die mir von meiner Aufnahmeorganisation gestellt wird – mit noch weiteren Freiwilligen. Auch an meiner Schule werden mit mir noch drei andere ESKler im Oktober anfangen. Zwar kenne ich bis jetzt noch keinen von ihnen, weiß aber, dass sie definitiv aus einem anderen europäischen Land kommen werden. 

Die Sprache, die ich wohl am meisten sprechen werde, ist Englisch. Dennoch lerne ich im Moment Litauisch mit einem Online-Sprachkurs, der ebenfalls von der EU bereitgestellt wird. Für mein Leben in Litauen bekomme ich Taschengeld von „Social Action“ sowie Essensgeld, ein Busticket, damit ich jeden Tag zur Schule komme, eine zusätzliche Krankenversicherung, damit keine Kosten für Arztbesuche an mir hängen bleiben, und natürlich auch verschiedenste Ansprechpartner. Bei „Social Action“ habe ich einen Mentor, Tutor, „local friend“ und einen Koordinator, zu denen ich immer kommen kann, wenn ich Probleme und Fragen habe oder einfach nur jemanden zum Reden brauche. 

Seminare bereiten aufs Leben im Ausland vor 

Doch damit nicht genug: Da die meisten ESKler noch nicht länger als einen Monat im Ausland gelebt haben, gibt es vier verschiedene Seminare, die uns auf das Leben in einem fremden Land vorbereiten sollen und uns Methoden weitergeben, wie wir bei Problemen handeln können. Das erste Seminar war im Juli, wieder in Berlin. Dort habe ich alle anderen ESKler, die ihren Freiwilligendienst in diesem Jahr mithilfe von ijgd machen, kennengelernt. Zusammen haben wir mit drei Leitern von ijgd verschiedenste Themen besprochen, wie beispielsweise: „Wie gehe ich mit Konflikten um oder welche Probleme könnten mich erwarten und wie reagiere ich darauf?“ Jetzt bin ich also gut vorbereitet und ganz bald beginnt mein ESK ja auch. Dadurch, dass ich auch jetzt schon die ganze Zeit mit meiner Entsende- sowie Aufnahmeorganisation in Kontakt stehe, fühle ich mich sehr gut aufgehoben und freue mich total auf die kommenden acht Monate. 

Ich bin schon sehr gespannt, was ich Euch bei Scenario berichten kann!

Jana Konkel (18, Herten) geht für acht Monate nach Litauen. In der Hauptstadt Vilnius wird sie im Rahmen des „Europäischen Solidaritätskorps“ einen Freiwilligendienst an einer Schule für Kinder mit Behinderungen leisten. In ihrer Freizeit möchte Jana viel von Litauen und dem Baltikum entdecken. Bei uns erzählt sie von ihrem Leben in Vilnius.

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