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Das kam überraschend für Maike. Statt dort zu wohnen, wo sie arbeitet, nämlich in Chiclayo, kommt sie bei einer Gastfamilie in Pimentel unter. Der Vorteil ist klar auf dem Bild erkennbar: Maike hat es nicht weit zum Strand. Wir freuen uns für sie – und sind auch etwas neidisch.

Scenarios Serie: Maikes zweiter Teil bei Around the world

Nicht alles ist sofort perfekt

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Maike meldet sich aus Peru. Schon während des Hinfluges merkt die 18-jährige Marlerin: Sie wird viel lernen müssen – und genauso ist es auch in der ersten Zeit.

So, sie beginnt: Meine Reise nach Peru. Zusammen mit anderen Freiwlligen fliege ich erst nach Madrid, wo wir den Rest der deutschen Freiwilligen treffen, und von da aus nach Lima. Schnell merke ich: Auf dieser Reise beginnt schon das Lernen. Wir tauschen untereinander letzte Tipps aus und bringen uns gegenseitig „überlebenswichtige“ spanische Sätze bei, wie zum Beispiel die Frage nach der nächsten Toilette. 

Als wir nach zwölf Stunden Flugzeit endlich in Lima ankommen, ist es dort schon komplett dunkel, obwohl es erst früher Abend ist. In Peru geht die Sonne früher unter als in Deutschland. Für mein Zeitgefühl ist dieser Umstand leider nicht sehr hilfreich… 

Vom Flughafen aus fahren wir mit einem Reisebus zu der Unterkunft, in der wir die nächsten Tage bleiben werden. Zum ersten Mal erleben wir, wie es sich anfühlt, als Deutscher in Lateinamerika unterwegs zu sein. Anscheinend sieht es ziemlich lustig aus, wenn ungefähr 30 Deutsche mitten in Lima aus einem Reisebus steigen, denn wir werden direkt von ein paar Bauarbeitern gefilmt. Ich kann es ihnen aber nicht verübeln.

Freitag geht es dann endlich los in unsere Städte. Für mich bedeutet das: 15 Stunden in einem Reisebus von Lima nach Chiclayo. 

Obwohl der Bus wirklich sehr bequem ist, wird mir von der Fahrt extrem schlecht. Als wir am nächsten Morgen endlich am Ziel ankommen, bin ich erst mal total erleichtert. Doch die nächste Hürde wartet auf mich: Wie sich herausstellt, spricht in meiner Gastfamilie niemand Englisch. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass ich so wenigstens schnell Spanisch lernen würde. Und außerdem: Wozu gibt’s sonst so tolle Dinge wie Google Übersetzer, Pons und Co.? 

Glück gehabt: Wohnen direkt am Meer 

Wie sich hier herausstellt, wohne ich gar nicht in Chiclayo (wo ich arbeiten soll), sondern in einer Art Vorort direkt am Meer namens Pimentel. Für mich ist das perfekt, denn hier ist es viel ruhiger als in Chiclayo! So sehr, dass ich mich sehr schnell sicher und zu Hause fühle. In Chiclayo, der großen Stadt, hingegen macht mir der Verkehr in den ersten Tagen etwas Angst. Erst denke ich, ich würde ihn nie verstehen. Mittlerweile habe ich an einigen Stellen das System durchschaut. 

Zum Beispiel habe ich mich zu Beginn gewundert, woher die Autos wissen, wann sie fahren dürfen und wann nicht. Durch ein Gespräch mit einer anderen Freiwilligen habe ich entdeckt, dass es sehr wohl Ampeln gibt, allerdings meistens nur eine pro Kreuzung, weshalb man manchmal ein bisschen suchen muss, um sie zu finden. Auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln komme ich nicht sofort zurecht. Also wieder: Ich muss lernen – und zwar, wie man damit fährt. 

Am häufigsten benutze ich die „Combis“, die ähnlich funktionieren wie Busse. Allerdings sehen sie eher aus wie etwas größere Bullis mit ein paar Sitzreihen drin, die gerne mal so eng zusammenstehen, dass ich schräg sitzen muss, damit meine Beine hineinpassen. Sie fahren auf – mehr oder weniger – festen Routen und man muss dem Fahrer Bescheid geben, wenn man aussteigen möchte. Mittlerweile komme ich gut mit den Combis zurecht, da ich mehrmals die Woche nach Chiclayo fahre, um dort zu arbeiten und Spanischunterricht zu nehmen. 

Beides hilft mir weiter: Im Unterricht lernen wir Grammatik und auch ein paar Vokabeln, aber bei der Arbeit lerne ich, diese Dinge im echten Leben anzuwenden. Ich unterrichte an zwei verschiedenen Grundschulen Englisch, dabei lernen die Kinder natürlich Englisch, aber da ich ihnen die Grammatik und die Aufgaben auf Spanisch erklären muss, ist es auch für mich eine Herausforderung. 

Aber ich hoffe, ihnen so den Spaß am Sprachenlernen näherbringen zu können, da wir gleichzeitig lernen. 

Jüngere Klassen zu unterrichten, hat Vorteile 

Ein weiterer Vorteil an meiner Arbeit ist, dass vor allem die jüngeren Klassen viele Vokabeln für einen Grundwortschatz lernen, wie zum Beispiel Tiere, Farben oder Berufe. Um ihnen diese Wörter beizubringen muss ich sie natürlich auch selbst wissen, weshalb ich jeden Tag neue Wörter lerne. Das Projekt, bei dem ich arbeite, heißt „Reducame“ und besteht nur aus Freiwilligen. Fast alle sind Studenten, die in ihrer Freizeit an Schulen gehen, um dort Englisch zu unterrichten. 

Dadurch herrscht hier insgesamt eine sehr entspannte Atmosphäre. Ganz häufig treffen wir uns einfach, um etwas zusammen zu unternehmen. Zum Beispiel haben wir einmal ein Lagerfeuer am Strand gemacht. Natürlich ist nicht immer alles perfekt und einfach. In meiner ersten Arbeitswoche ist immer eine andere Freiwillige von „Reducame“ dabei, um mir zu helfen, vor allem wegen meiner mangelnden Spanischkenntnisse. 

In der zweiten Woche hat sie allerdings keine Zeit mehr, da sich ihr Stundenplan geändert hat. Deshalb werde ich dann doch ziemlich schnell ins kalte Wasser geschmissen und muss seitdem an drei Tagen in der Woche komplett alleine unterrichten. Ich vermute, selbst wenn ich perfekt Spanisch sprechen könnte, wäre das nicht einfach, weil ich nun mal keine ausgebildete Lehrerin bin. 

Mit viel Geduld und einigem Improvisieren glaube ich aber, dass ich es mittlerweile – nach einiger Zeit – einigermaßen schaffe und merke selbst, dass ich zwar definitiv immer noch Fehler mache, mich aber verbessere und selbstbewusster werde. Insgesamt habe ich viel Neues gelernt, aber ich weiß auch, dass es noch viel Neues zu entdecken gibt.

INFO: Maike Weiher (18, Marl) verbringt ein ganzes Jahr in Peru. Im Rahmen des entwicklungspolitischen Freiwilligendiensts „weltwärts“ wird sie in Chiclayo, einer 630.000 Einwohner-Stadt an der Küste, an einer Schule für Kinder und Jugendliche aus ärmeren Familien arbeiten. In unserer Reihe erzählt sie, was sie dort alles erlebt.

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