Auf eingeeistem Asphalt steht ein Schild mit dem Hinweis „Vorsicht Rutschgefahr“.
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Rutschgefahr im wahrsten Sinne des Wortes: Nicht nur Miriam ist durch die viel zu kurz geratenen Anweisungen ihrer Kollegin ins Straucheln geraten. Auch die Kunden mussten gut auf ihre Füße achtgeben.

Nebenjob im Supermarkt 2.0

Fettnäpfchen Deluxe

  • vonMiriam Schulemann
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Miriam hat zum Glück die goldene Regel befolgt, niemals dort zu arbeiten, wo man wohnt. So wurde niemand Zeuge ihres abenteuerlichen Einsatzes im Supermarkt.

Dass die Arbeit im Lebensmitteleinzelhandel so ihre Tücken hat, wurde mir bereits nach einer Handvoll Arbeitsstunden in einem Lebensmittel-Discounter deutlich bewusst. Zu nennen wären hier die Schlepperei von tonnenschweren Obst- und Gemüsekisten (was jedes Bodybuilding geradezu lächerlich aussehen lässt), das Verräumen von viel zu viel Ware in viel zu wenig Regal (was Tetris auf ein ganz neues Level bringt) und nicht zu vergessen, die gefühlt immer exotischer werdenden Fragen von Kunden (Entschuldigen Sie bitte, wo stehen hier der laktosefreie Pastinaken-Stielmus-Aufstrich, das japanische Bio-Kugelfischfilet in Erdbeer-Meerrettich-Sauce und die fermentierten Wasabi-Sprösslinge? Und die Schoko-Weihnachtsmänner?).

Viele Gründe fürs Liegenbleiben

Dass nicht immer alles glatt gehen kann, ist mir natürlich klar. Dennoch dachte (oder hoffte) ich, dass es nach dem Reißen meiner zum Glück schon steinalten Hose zwischen den Oberschenkeln vor ein paar Tagen, als ich eine schwere Kiste arbeitsschutzkonform rückenschonend aus der Hocke anheben wollte, nicht mehr unangenehmer hätte werden können. Nach meinem letzten Arbeitstag allerdings fragte ich mich ernsthaft, warum man mich nicht umgehend gefeuert hatte.

Aus folgenden Gründen hätte ich an diesem Tag einfach im Bett bleiben sollen: Nach der allmorgendlichen Verräumung des Obstes und Gemüses sah der Boden wie immer ziemlich wüst aus. Folglich wies man mich an, mit der Putzmaschine zwei, drei Runden durch die Abteilung zu drehen. Da ich immer noch ein ziemlicher Frischling bin und ich so ein Ding noch nie in meinem ganzen Leben bewegt habe, bekam ich eine etwa zehnsekündige Einweisung einer Kollegin in diese Gerätschaft mit dem Hinweis, nach Beenden meiner Putz-Session einen Hebel an der Maschine wieder hochzuklappen. Soweit so einfach.

50 Meter langer klatschnasser Streifen

Pflichtbewusst zog ich mit dem zischenden und schnaufenden Teil drei Runden um die Regale und klappte – wie gewünscht – den Hebel hoch, um anschließend zurück ins Lager zu tuckern. Leider vergaß meine Kollegin, in ihrer überknappen „Einweisung“ zu erwähnen, dass bei Betätigung des Hebels ausschließlich die Flitsche hochklappt, was bedeutet: Die Maschine macht nach Betätigung des Hebels den Boden weiter nass, ohne das Wasser abzuflitschen, was zur Folge hatte, dass ich unbemerkt einen etwa 50 Meter langen klatschnassen Streifen im Laden hinterließ. Eine Kollegin klärte mich prompt laut brüllend quer durch den halben Laden über das Sturzrisiko für die Kundinnen und Kunden auf.

Nachdem ich den kleinen Bach im Laden eilig beseitigt hatte (mit heruntergeklappten Hebel), bahnte sich leider auch schon die nächste Katastrophe an. Mein Chef beauftragte mich mit der Verräumung von zwei mannshoch mit Getränken bepackten Paletten, die ich mithilfe einer E-Ameise (quasi ein durch einen Elektromotor unterstützten Hubwagen) aus dem Lager heraus- und an die entsprechende Stelle im Laden heranfahren sollte, um die Getränke entsprechend zu platzieren.

Drei Meter vorm Ziel die Kurve zu eng genommen

Zurecht äußerte ich Bedenken an den Erfolgsaussichten dieses Auftrags, da ich eine E-Ameise, wie auch die Putzmaschine, noch niemals zuvor bedient hatte. Nur dass von einer E-Ameise eine wesentlich höhere Gefahr für die Unversehrtheit von Mensch und Ware ausgeht als von einer Putzmaschine. Da das außer mir überraschenderweise niemanden weiter zu besorgen schien, folgte auch hier einer Expresseinweisung durch die Kollegin von der Putzmaschine, bevor ich mich auf den Unheil versprechenden Weg durch den Laden begab. „Hier ist Knopf für vorwärts, hier für rückwärts, hier ist Knopf für Hochfahren, hier für Runterfahren. Bis gleich!“

Eure bösen Vorahnungen bestätige ich Euch nun zu gerne: Nachdem ich die Ameise unfallfrei (eine Kundin konnte gerade noch rechtzeitig aus dem Weg springen) durch den ganzen Laden manövriert und nur noch etwa drei Meter von meinem Ziel entfernt war, nahm ich die letzte Kurve zu eng und streifte mit meiner Fuhre die Ecke eines Obstpodestes. Die Spitze schlitzte mir mehrere von den 1,5-Liter-PET-Flaschen quer auf. Ein Schwall Mineralwasser (Medium) ergoss sich auf den Boden und bildete einen mittelgroßen See.

Zum Glück an Grundsatz gehalten

Nachdem ich das Malheur beschämt gemeldet hatte, wischte ich zum zweiten Mal an diesem Tag den Boden in der Obst-und Gemüseabteilung. Glücklicherweise hatte die Ecke „nur“ die Wasserflaschen aufgeschlitzt und nicht die Colaflaschen, die sich ebenfalls auf der Ameise befanden, das wäre eine wesentlich klebrigere Angelegenheit geworden. Nach diesem weiteren Missgeschick war gerade einmal die Hälfte meiner Schicht um und ich hätte am liebsten fristlos gekündigt. Ich vergegenwärtigte mir kurz meinen aktuellen Kontostand und verwarf diese Idee augenblicklich wieder.

Ich war nur froh, meinem Grundsatz „Niemals in der Stadt arbeiten, wo man wohnt“ auch diesmal treu geblieben zu sein. In der Discounter-Filiale am Rand des Kreises Recklinghausen kennt mich Gott sei Dank niemand. Denn ist der Ruf erst ruiniert…

Miriams 1. Teil ihrer Abenteuer im Supermarkt findet Ihr hier.

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