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Nachdenklich am Manly Beach: Kristina muss spontan umdisponieren. Auch eine Chance, findet sie.

Scenarios Auslandsreihe: Kristinas fünfter Teil bei Around the world

So schnell kann’s gehen...

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Kurzfristige Planänderung bei Kristina: Neue Lebensumstände bei der Gastfamilie setzen ihrer Au-pair-Zeit ein plötzliches Ende. Doch die Heimreise ist keine Option.

An einem meiner freien Tage liege ich in meinem Bett. Komischerweise bin ich schon seit über einem Monat erkältet und habe mittlerweile ein paar Arztbesuche hinter mir. Von Heiserkeit bis Mandelentzündung habe ich schon fast alles durch. 

Trotzdem schleppe ich die Erkältung noch immer mit mir herum. Immer, wenn ich denke, dass ich auf dem Weg der Genesung bin, wird es wieder schlimmer. Ich vergleiche den Bus hier gern mit einem Gefrierschrank: Wenn die Tür aufgeht, ist es, als würde man den Gefrierschrank öffnen. Durch den ständigen Wechsel von 30 auf gefühlte minus 30 Grad werde ich nicht gesund und erkälte mich immer wieder. Das Einzige, was mir hier fehlt, ist, von meinen Eltern gesund gepflegt zu werden und Suppe und Tee ans Bett gebracht zu bekommen. Das ist mit Sicherheit der Grund dafür, dass ich nicht fit werde. 

Ich bleibe den Tag im Bett und ruhe mich aus. Mein Gastvater Justin klopft an der Tür. Er fragt mich, ob ich kurz Zeit für ein Gespräch hätte. Ich stimme zu, und auf dem Weg ins Wohnzimmer überlege ich, was ich wohl falsch gemacht habe oder weshalb ich dieses Mal kritisiert werden würde. Das letzte Mal, als meine Gasteltern mit mir reden wollten, haben sie mir Feedback gegeben und mir gesagt, womit sie zufrieden sind und was ich noch verbessern könne. Dabei war alles gut in den letzten Wochen. 

„Es haben sich ein paar Dinge verändert“ 

Ich setze mich hin, die beiden schauen mich an, und Justin fängt an zu reden: „Es haben sich ein paar Dinge geändert, sodass wir ab 2020 genug Zeit haben, um uns selbst um die Kinder zu kümmern und somit deine Hilfe nicht mehr brauchen.“ Er erklärt es mir noch genauer, Julia sitzt nur daneben, macht einen mitleidigen Blick und sagt, dass es ihr leidtue. Allerdings realisiere ich überhaupt nicht, dass das gerade passiert. Ich versuche, die Nerven zu bewahren, nett zu bleiben und antworte, dass man so etwas ja nicht ahnen und es jedem passieren könne. Anschließend gehe ich zurück in mein Zimmer und erzähle ein paar Freunden, was gerade passiert ist. 

Nun habe ich noch zwei Wochen, bis ich die Familie verlassen muss. Und dann? Meine Freunde hier bieten mir sofort an, vorbeizukommen, falls ich nicht allein sein möchte. Eine kurze Zeit später skype ich mit meinen Eltern und erzähle ihnen von den Neuigkeiten. Auch sie zeigen und sagen mir, dass das kein Weltuntergang ist und ich das Beste daraus machen werde. 

Noch mal ein anderes Leben führen

Nach dem Gespräch geht es mir schon viel besser, und ich fange an, das Ganze als Chance zu sehen, um neue Erfahrungen zu sammeln. Jetzt, nachdem ich ein paar Nächte darüber geschlafen habe und mit vielen Bekannten hier und zu Hause darüber geredet habe, geht es mir gut damit, zu wissen, dass ich die Familie verlassen muss. Ich habe mich hier schon mit vielen Backpackern unterhalten und mir das eine oder andere Mal gedacht, dass ich es auch interessant finden würde, in einem Hostel oder mit anderen Backpackern in einer Wohnung zu leben und mir einen „normalen“ Job zu suchen. Das wäre noch einmal ein ganz anderes und selbstständigeres Leben, das ich hier führen würde.

Ich denke mir schon länger, dass ich von der Idee nicht abgeneigt wäre, hätte meine Familie allerdings niemals freiwillig verlassen, da ich mich im Endeffekt super mit allen verstehe. Außerdem habe ich hier immer einen vollen Kühlschrank (wofür mich die Backpacker am meisten beneiden), ein eigenes Zimmer und einen festen Job. Jetzt hat die Familie mir damit eine Tür geöffnet, genau meinen Gedanken nachzugehen und wieder etwas Neues auszuprobieren. Natürlich ist es sehr schade, da ich mich gerade so richtig wohlgefühlt habe, allerdings soll es anscheinend nicht so sein. Immerhin habe ich hier in meinen ersten drei Monaten erfahren, wie es ist, in einer australischen Familie zu leben. 

Und im Prinzip hat mir die Zeit schon gereicht, um zu erkennen, dass das mit mir und den Kindern eine Hass-Liebe ist. Die Kleinen sind Biester, die auch mal ganz süß sein können. Sie rund um die Uhr um mich herum zu haben, raubt mir allerdings sehr viele Nerven. 

Von Heimweh keine Spur, Syndey ist zu toll 

Jetzt schon nach Hause zu fliegen, ist keine Option für mich, da ich Sydney liebe und hier viele coole Menschen kennengelernt habe, die ich noch nicht verlassen möchte. Dazu kommt, dass ich jeden Tag hier genieße und kaum an zu Hause denke. Ich verspüre keinerlei Heimweh und habe daher keinen Grund, nach Hause zu fliegen. Durch die Kontakte, die ich hier geknüpft habe, habe ich immer jemanden zum Reden oder um etwas zu unternehmen. Meine Gastfamilie lebt im Norden von Sydney. Dort gibt es den zweitbekanntesten Strand Sydneys, den Manly Beach. Ich liebe es, dort meine Zeit zu verbringen, da es sich jedes Mal aufs Neue wie Urlaub anfühlt und ich mit dem Bus nur 15 Minuten brauche. Wenn das Wetter es zulässt, bin ich mit Freundinnen oft am Strand oder am Steg. 

Ich möchte schon lange mit den anderen zusammen surfen gehen, allerdings warte ich lieber, bis ich gesund bin. Ich stand schon einmal vor ein paar Jahren auf einem Surfbrett, trotzdem bin ich total gespannt, wie ich mich schlage. Ich bin neugierig, wo es mich hinführt. Eigentlich hatte ich meine ganze Reise strukturiert und jetzt auf einmal habe ich drei freie Monate und überhaupt keinen Plan. Aber so läuft’s im Leben – es kommen immer wieder Rückschläge. Man muss nur das Beste daraus machen, und das werde ich auch. Mein Abenteuer fängt jetzt erst richtig an. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten! (Kristina Wendt)

INFO Kristina Wendt (18, Recklinghausen) verlässt Recklinghausen für sechs bis acht Monate. Sie fliegt nach Australien. In Seaforth, einem Vorort von Sydney, passt sie in einer Gastfamilie als Au-pair auf zwei Kinder auf und hat vor, besonders nach dieser Zeit Land und Leute zu erkunden. Bei Scenario berichtet sie, was ihr in Australien widerfährt.

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