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Nina blickt trotz einiger Rückschläge gelassen in ihre berufliche Zukunft.

VIP Nina schauspielt

Über Umwege auf die Bühne

Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch bei Scenario junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Nina.

Manchmal muss man Umwege gehen, um seinen Traum zu verwirklichen. Das musste auch Nina einsehen. Dabei hat die Recklinghäuserin erkannt, dass Umwege gar nicht schlimm sind, sondern dass sie sich viel spannender gestalten als der gradlinige Weg.

Aktuell spielt Nina in dem Theaterstück „Frankenstein“ mit, bei dem Diplom-Regisseur Remo Philipp Regie führt. Das Stück handelt von dem Naturwissenschaftler Professor Viktor Frankenstein, der etwas erschaffen möchte, das noch kein Mensch zuvor gesehen hat. Tatsächlich gelingt es ihm, ein Monster zum Leben zu erwecken, das so furchteinflößend ist, dass sich selbst der Professor vor ihm erschreckt. Weil das Monster so entsetzlich aussieht, entfernt sich nicht nur der Professor, sondern die ganze Gesellschaft von ihm. Das Monster, enttäuscht nirgendwo Anschluss zu finden, wird mit der Zeit immer deprimierter, wütender und auch gefährlicher. Nina spielt in dem Stück unter anderem die adoptierte Schwester und Geliebte von Victor Frankenstein.

Die 24-Jährige möchte später einmal mit der Schauspielerei ihre Brötchen verdienen und verfolgt dieses Ziel seit Jahren emsig. Warum, das kann Nina genau sagen: „Ich träume gerne vor mich hin und das schon seit meiner Kindheit. Ich tanze und singe gerne und natürlich stehe ich auch gerne auf der Bühne und verführe das Publikum in fremde Welten.“

Die Bühne gibt ihr den nötigen Raum sich zu entfalten und in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Und Nina ist wandlungsfähig: „Ich liebe es, mich auf alle erdenklichen Arten zu verkleiden. Auch im echten Leben verändere ich mich ständig, zumindest äußerlich. Seit ich 16 bin, färbe ich mir alle paar Monate die Haare und ändere meine Frisur. Von Weiß über Pink, Lila und Orange bis hin zu Türkis und Schwarz, ob lang oder kurz mit oder ohne Pony. Ich hatte schon fast alles.“

Dieser Charakterzug macht einen guten Schauspieler aus, doch leider hatte Nina bisher kein Glück. „Ich habe schon an mehreren Schauspielschulen Aufnahmeprüfungen gemacht, aber bisher hat es noch nicht geklappt.“ Nina fügt hinzu, dass es nicht leicht sei, an den Schulen aufgenommen zu werden. „Ich habe viele positive, aber auch einige negative Erfahrungen gemacht. Wenn du vor der Auswahljury stehst und deine vorbereitete Szene vorspielst, servierst du den Leuten im Grunde deine Seele wie auf einem Tablett. Du legst alles in diese eine Szene: deinen Traum, deine Leidenschaft, dein Können. Alles, was du dir in den letzten Jahren angeeignet hast. Und dann kommt von der Jury mal konstruktive Kritik, mal aber auch ein oberflächlicher Kommentar. Ich hab‘ auch von Leuten gehört, die von der Jury sogar beleidigt wurden. Angeblich wollen sie sehen, wie wir damit umgehen. Das ist alles andere als motivierend.“

Leben mit dem Gefühl, sich zu rechtfertigen

Die 24-Jährige hat viele Freunde, die bereits ihren Bachelorabschluss an der Uni in der Tasche haben und gerade ihren Master machen. Doch davon lässt sie sich nicht unterkriegen. „Trotzdem habe ich oft das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen, wenn dann die Frage kommt: ,Und was machst du so?‘“. Aber Nina bleibt tapfer. „Ich war nach manchen Aufnahmeprüfungen und arbeitsintensiven Wochen am Boden zerstört. Aber dann habe ich gedacht, man muss auch mal lernen zu scheitern, um danach wieder aufzustehen. Egal wie frustriert ich auch war, ich bin immer wieder aufgestanden und habe immer weitergemacht, weil mein Herz für die Schauspielerei brennt.

Dieser Gedanke hat mich seit sieben Jahren nicht losgelassen und wenn das so ist, dann ist es auch das Richtige, denke ich.“ Ihre Überlegung möchte Nina auch anderen jungen Menschen mitgeben: „Es muss nicht immer alles perfekt und gradlinig laufen. Wenn Ihr nach dem Abi noch nicht wisst, was Ihr machen möchtet, dann probiert Euch aus und sammelt Erfahrungen, aber messt Euch bloß nicht mit anderen!“

Nina handhabt es genauso: Wenn es nicht auf dem graden Weg gehen soll, dann nimmt Nina eben den kurvigen und sammelt Erfahrungen in unterschiedlichsten Bereichen. „Selbst namhafte Schauspieler sind nur durch Zufälle erfolgreich geworden.“

Seit Kurzem spielt Nina in dem Theaterstück „Frankenstein“ am Rottstr5-Theater in Bochum mit, singt im städtischen Jugend- und Kinderchor in Recklinghausen, ist beim Musicalverein CAGD Düsseldorf und in der Personalabteilung des Schauspielhauses Bochum tätig, macht Komparserie und war in dem Zuge sogar schon kurz im Tatort und im Kinofilm „Club der roten Bänder“ zu sehen. Nina dreht Studentenfilme und studiert obendrein auch noch Slawische Philologie.

Ihr könnt Nina in Aktion sehen. Das Theaterstück „Frankenstein“ (ab 15 Jahren) wird am Freitag, 14. Dezember, um 19.30 Uhr im Rottstr5-Theater in Bochum aufgeführt. Mehr dazu unter: www.rottstr5-theater.de/ index.php/frankenstein

„Ich weiß, das ist eine ganze Menge, aber es macht mir einfach Spaß. Ich habe nicht das Gefühl, dass es Arbeit ist. Ich muss auch dazu sagen, dass ich das große Glück habe, dass meine Familie und Freunde jederzeit hinter mir stehen und mich bei meinem Traum unterstützen. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja irgendwann mal eine Möglichkeit. Meine Mama hat mir den folgenden Satz mit auf den Weg gegeben: ‚Wenn es nicht durch die Tür geht, dann geht’s durchs Fenster.‘“ Kennt Ihr junge Menschen aus unserer Umgebung, die „Very Interesting Persons“ sind? Dann mailt uns: scenario@medienhaus-bauer.de

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