Lisa (links) steht Arm in Arm mit Oma Helga vor einer Schrankwand im Wohnzimmer.
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Richtig heimelig im Wohnzimmer: Lisa (l.) und Helga. Vielen Dank Euch beiden für das tolle Interview!

Lisa im Interview mit Oma Helga

Die Jugend meiner Oma

Sie kennen uns seit unserer Geburt, doch was wissen wir eigentlich über unsere Groß- oder Urgroßeltern? Wie haben sie gelebt, als sie genauso alt waren wie wir jetzt? In dieser Reihe fragen Scenario-Jugendredakteure und -Leser nach.

Von Lisa Scholten,

Glücklich ist, wer Oma und Opa hat. Wo Mama und Papa schon längst mit uns geschimpft hätten, drücken sie ein Auge zu. Sie hören uns zu, nehmen uns in den Arm, und bei ihnen gibt’s oft Kaffee und Kuchen. Jederzeit können wir mit unseren Sorgen zu ihnen kommen: Sie wissen Rat, denn sie sind lebenserfahren. Jetzt sollen sie zu Wort kommen – hier bei Scenario.

Unsere Jugendredakteure und Leser wollen wissen, wie „die Jugend ihrer Großeltern“ aussah. Heute befragt Jugendredakteurin Lisa Scholten, 19 Jahre alt, aus Waltrop, ihre Oma Helga, 79 Jahre alt und ebenfalls aus Waltrop.

Was war Dein Lieblingsplatz und wie hat er sich im Laufe der Jahre verändert?
Das ist eine schwere Frage. Als ich so alt war wie du, habe ich ja schon fünf Jahre gearbeitet. Ich bin um sieben Uhr morgens aus dem Haus und bin erst abends um acht wieder zurückgekommen. Aber wenn ich Zeit hatte, saß ich sehr gerne zu Hause bei meinen Eltern auf dem Balkon. Das Haus gibt es heute sogar noch. Meine Eltern sind aber kurz nach meinem eigenen Auszug selbst weggezogen. Ein letztes Mal saß ich auf dem Balkon einen Tag bevor dein Vater geboren worden ist. Ich erinnere mich noch genau: Ich saß dort mit den Füßen im Wasser und in der Nacht kam dein Papa zur Welt.
Wie hast Du Dir das Erwachsenwerden vorgestellt?
Ich wollte immer eine Familie haben, am liebsten mit drei Kindern. Aber ich habe mir auch Sorgen gemacht. Ich bin während des Krieges geboren und hatte viel Angst, dass ein neuer ausbricht. Ich wollte unbedingt, dass meine Kinder in Frieden groß werden. Aber grundsätzlich hatte ich schon immer die Einstellung: Ich versuche einfach alles und wenn irgendwas nicht klappt, dann kann ich immer noch etwas anderes machen. Ich glaube, das hat mir sehr geholfen.

Federball war ein wichtiger Teil der Jugend

Was war der schönste und was war der schlimmste Moment in Deinem Leben?
Am schönsten war es immer, wenn wir auf dem Hof Federball gespielt haben. Hinter unserem Haus war nämlich eine große Molkerei. Auf dem Platz habe ich immer mit meinen beiden Brüdern und allen Nachbarn Federball gespielt. Als ich meine erste eigene Wohnung mit deinem Opa und deinem Papa bezogen habe, war ich auch sehr glücklich. Und natürlich die Geburten meiner Söhne. Als dein Vater auf die Welt kam, war ich 22. Ich habe ihn angesehen und gedacht, ich würde ein Miniformat deines Opas im Arm halten.
Den schlimmsten Moment kann ich gar nicht ausmachen. Es gab immer mal wieder kleine Schockmomente. Ich habe mir auch oft Sorgen gemacht, wie wir die Familie ernähren sollen. Dein Opa ist noch zur Bergschule gegangen und wir hatten schon das Kind.

Die Zukunft war plötzlich ungewiss

Ein besonders schlimmer Moment war, als mir im Umzugswagen auf dem Weg nach Waltrop einer von den Männern sagte, er hätte in der Zeitung gelesen, die Zeche in Waltrop würde zugemacht werden. Du musst dir vorstellen, wir waren gerade dabei, von Oberhausen nach Waltrop zu ziehen. Wir hatten unsere komplette Zukunft in Waltrop geplant. In dem Moment dachte ich: Jetzt haben wir echt ein Problem.
Wer war Deine erste Liebe und wie ist es gelaufen?
Das war tatsächlich dein Opa. Wir haben uns beim Federballspielen kennengelernt. Dann haben die anderen mich immer geärgert und gesungen „Mit meiner Freundin Do da spiel ich so gern Federball“. Das war ein bekanntes Lied zu der Zeit. Das hat mich mit 17 schon gestört, aber wir haben uns trotzdem getroffen. Allerdings hatten wir nicht viel Zeit und die Treffen mussten heimlich sein. Auf unserem Nachhauseweg von der Arbeit und der Bergvorschule konnten wir zehn Minuten zusammen laufen. Das war unser einziges Treffen. Aber es hat gereicht. Mit 19, also als ich so alt war wie du, haben wir uns verlobt und nächstes Jahr feiern wir unsere diamantene Hochzeit.
Was wundert Dich an meiner Generation und hast Du Fragen an uns?
Was für mich ungewohnt ist, dass ihr so offen seid. Ihr könnt über alles sprechen, auch vor Erwachsenen. Das finde ich gut! In meiner Zeit war alles ein großes Versteckspiel. Ihr lasst euch auch nicht so einfach bevormunden, sondern seid selbstbewusst und geht euren Weg. Generell finde ich, dass die heutige Jugend oft besser ist als ihr Ruf.

Unsere Reihe „Die Jugend meiner Oma/meines Opas“

Ihr und Eure Oma/Euer Opa wollt auch gerne bei unserer Reihe mitmachen? Dann schreibt uns eine Mail an: scenario@medienhaus-bauer.de Wir freuen uns auf Euch!

Louisa hat mit ihrer Oma Dorothee an unserer Reihe teilgenommen. Das Interview der Beiden findet Ihr hier.

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