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An einem sonnigen Mai-Tag entstand dieses tolle Konfirmationsfoto von Pia und ihrem Opa Rudi. Vielen Dank fürs Interview, Euch beiden!

Praktikantin Pia befragt ihren Großvater

Die Jugend meines Opas

Was wissen wir über die Jugendzeit unserer Groß- oder Urgroßeltern? Nicht viel, oder? Deshalb fragen in dieser Reihe Scenario-Jugendredakteure und -Leser nach.

Glücklich ist, wer Oma und Opa hat. Wo Mama und Papa schon längst mit uns geschimpft hätten, drücken sie ein Auge zu. Sie hören uns zu, nehmen uns in den Arm, und bei ihnen gibt’s oft Kaffee und Kuchen. Jederzeit können wir mit unseren Sorgen zu ihnen kommen: Sie wissen Rat, denn sie sind lebenserfahren. Jetzt sollen sie zu Wort kommen – hier bei Scenario. Unsere Jugendredakteure und Leser wollen wissen, wie „die Jugend ihrer Großeltern“ aussah. Heute befragt Praktikantin Pia Schaarschmidt, 14 Jahre alt aus Marl, ihren 80-jährigen Opa Rudi aus Oerlinghausen. 

Pia: Was war Dein Lieblingsplatz, und wie hat er sich im Laufe der Jahre verändert? 

Rudi: Mein Lieblingsplatz war eine Gartenbank im Garten meiner Tante Toni, weil sie von vier riesigen Birnenbäumen verdeckt wurde. Im Sommer beziehungsweise Herbst haben wir uns dann immer die Bäuche vollgeschlagen, weil die Birnen so lecker schmeckten. Seit mehr als 60 Jahren bin ich nun schon von dort weg. Aber für Gärten und Gartenarbeit habe ich immer noch eine große Vorliebe. 

Pia: Wie hast Du Dir das Erwachsenwerden vorgestellt? 

Rudi: Als ich noch klein war, herrschte noch der Zweite Weltkrieg, der uns (meinen Bruder und mich) lehrte, bescheiden zu sein. Aus diesem Grund hatten wir eigentlich keine richtigen Vorstellungen vom Erwachsenwerden. Mir war nur immer klar, dass ich eines Tages mal einen handfesten Handwerker-Beruf haben würde, was dann allerdings doch nicht geschehen ist. Wegen eines engagierten Lehrers hatte ich das Glück, selbst Lehrer und später sogar Schulleiter einer Hauptschule zu werden. 

„Der schönste Moment? Das Ja-Wort Deiner Oma“ 

Pia: Was war der schönste und was war der schlimmste Moment in Deinem Leben? 

Rudi: Der schönste Moment war wohl das Ja-Wort Deiner Oma bei unserer kirchlichen Trauung. Das war in der kleinen Kirche von Werlau, im heutigen Sankt Goar. Der schlimmste war allerdings in meiner frühen Kindheit, da muss ich ungefähr vier gewesen sein. Wir waren auf der Flucht und wurden plötzlich von polnischen Besatzungssoldaten angehalten, die unser Zugpferd beschlagnahmt haben. Uns ist nichts passiert, aber wir mussten danach alle mit anpacken. Ich habe bis heute noch das Gesicht und den Schweif von dem prächtigen Pferd vor Augen. Das war schon schrecklich für mich damals. 

Pia: Wer war Deine erste Liebe und wie ist es gelaufen? 

Rudi: Meine erste Liebe war eine Mitstudentin oder Kommilitonin, wie man heute sagen würde. Mir war es damals ziemlich ernst, ich hätte sie sogar geheiratet, aber sie zog weg. Erst wollte ich sogar ein Auto von meinem Ersparten kaufen, aber sie hatte bereits eins und immer, wenn wir uns treffen wollten, hatte sie Ausreden. Da wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Sie hatte sich nach ihrem Dienstantritt in Werl neu verliebt und da machte ich dann Schluss. Aber im Nachhinein bin ich natürlich froh darüber, weil ich sonst Deine Oma vielleicht nicht kennengelernt hätte. 

Pia: Was wundert Dich an meiner Generation, und hast Du Fragen an uns? 

Rudi: Mich wundert es, dass Deine Generation so extrem gespalten ist. Auf der einen Seite seid Ihr sehr ehrgeizig und strebsam, wollt alle studieren und Karriere machen. Ihr geht auf die Straße, um für Eure Zukunft zu kämpfen. Doch auf der anderen Seite gibt es Jugendliche, die interessiert ihr Leben scheinbar kaum. Sie sind motivationslos und machen sich – im Gegenteil – überhaupt keine Gedanken über ihre Zukunft. Deshalb frage ich mich: Wie wollt Ihr es schaffen, dass alle von Deiner Generation Engagement zeigen und sich um die Zukunft und die Gesellschaft sorgen? Wie wollt Ihr es anstellen, die Lücke wieder zu schließen und so viele wie möglich (am besten natürlich alle) auf die „Seite der Strebsamen“ zu ziehen?

Info: Bei dieser Reihe dürfen Enkel und Großeltern mitmachen. Schreibt uns, wenn Ihr mit Eurer Oma oder Eurem Opa dabei sein wollt, eine Mail mit dem Betreff „Jugend der Großeltern“ und wir liefern Euch die passenden Infos: scenario@medienhaus-bauer.de

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