Auf einem Tippschein für Fußballspiele stehen zwei Kick-Tipp-Spieler mit einem Fußball. Man erkennt nur Füße und Stutzen.
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Wettscheine zu Fußballspielen sind besonders beliebt.

Online-Sportwetten

Suchtfalle oder leicht verdientes Geld?

Sportwetten sind häufig ein lustiger Zeitvertreib mit Kumpels und im Idealfall schnelles Geld. Sie können aber auch zur Gefahr werden und süchtig machen, weiß Jugendredakteur Ben*.

Von Ben Hauptmann* (Name v.d. Red. geändert)

Seit meinem 18. Lebensjahr probiere ich mich regelmäßig an Sportwetten. Die ersten paar Euros habe ich allerdings schon ein paar Jahre früher verspielt. Es fing damals in der Schule an, als wir uns in den Pausen in ein Wettbüro ganz in der Nähe geschlichen haben. Während des Unterrichts haben wir ständig die Ergebnisse gecheckt. Es ging nie um viel Geld, in der Regel zwei Euro Einsatz. Fast immer ohne Erfolg.

Lockdown macht Wetten zum Zeitvertreib

Ein damaliger Freund von mir hatte jedoch öfter mal Glück und ist nicht nur einmal mit mehreren hundert Euro aus dem Wettbüro gekommen. Er hat dann immer scherzhaft gefragt, warum Leute überhaupt arbeiten gehen, wenn man auch durch Sportwetten so leicht Geld verdienen kann.

Doch wieso sage ich Euch das? In Zeiten von Corona und dem damit verbundenen Ständig-zu-Hause-Sein habe ich bei mir beobachtet, dass die Langeweile viel öfter dazu führt, dass ich wieder Sportwetten abschließe. Was für die meisten wahrscheinlich nur ein harmloser Zeitvertreib ist, kann sich schneller als man denkt zu einer Sucht entwickeln. Immer schneller, immer mehr. Geld verdoppeln und, wenn es nicht klappt, noch mehr einsetzen, um die Verluste wieder reinzuholen.

Online fehlt die Hemmschwelle

Ich würde sagen, dass bei jeder Art des Online-Glücksspiels eine höhere Suchtgefahr besteht als bei „realem“ Glücksspiel, sprich direkt in Wettbüros oder Spielhallen. Man kann bequem von zu Hause Geld einzahlen, hat nichts physisch in der Hand, der Bezug zu Geld verschwindet immer mehr. Außerdem – und da spreche ich aus Erfahrung – spielt auch Scham eine Rolle dabei. Wenn man immer wieder zur Bedienung laufen muss, um Geld zu wechseln oder Scheine zu machen, würde man am liebsten im Boden versinken.

Als „süchtig“ würde ich mich noch nicht bezeichnen, doch weit davon entfernt bin ich definitiv auch nicht mehr – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Und so, wie ich mich fühle, geht es Tausenden, vielleicht sogar Millionen anderen Leuten jeden Alters und aus allen sozialen Schichten. Für die meisten sind Sportwetten harmlos. Doch was dort nicht gesehen wird, sind die unglaublichen Mengen an Geld, die diese Industrie umsetzt.

Gewinne bleiben im Fokus, Verluste verblassen

Aber wie wird aus harmlosem Spielen eine Sucht? Viele Zocker, ob bei Sportwetten oder Casinospielen, berichten oft von hohen Gewinnen bei ihren ersten Versuchen. Es scheint so leicht und schnell zu gehen. Ganz simpel gesagt: Wenn Du heute gewinnst, gehst Du morgen wieder hin. Wir sind nicht zufrieden mit unserem Gewinn, wir wollen noch mehr.

Im Verlauf erinnert man sich nur an seine Gewinne. Man fühlt sich bestätigt – es KANN funktionieren. Auf der anderen Seite werden die Verluste ausgeblendet, im schlimmsten Fall verliert man den Überblick über seine Verluste. Nach jeder gewonnen Wette oder jedem hohen Gewinn im Casino scheint es so, als hätte man einen Weg gefunden, das System auszutricksen. Das ist natürlich völliger Quatsch. Die Industrie würde zusammenbrechen, wenn es denn wirklich solche Tricks geben würde.

Keine sichere Einnahmequelle

Bei Sportwetten ist es etwas anders. Hier geht es wirklich nur um Glück. Ein paar Dinge sind wahrscheinlicher als andere, dementsprechend werden die Quoten bestimmt. Je unwahrscheinlicher ein Ereignis ist, desto höher der Gewinn. Man kann definitiv mit einem System wetten, statt nur nach Bauchgefühl zu setzen und auf sein Glück zu hoffen, doch auch das ist letztlich keine Gewinngarantie.

Ich denke, den meisten war von vorherein klar, dass es in diesem Text in diese Richtung gehen wird und keine Form von Glücksspiel als sichere Einnahmequelle in Frage kommt. Fangt am besten erst gar nicht an, und wenn Ihr schon regelmäßig wettet oder zockt, setzt Euch vorher ein Limit und gebt nicht mehr Geld aus, als Ihr habt! Akzeptiert den Verlust, freut Euch über den Gewinn. Aber bedenkt: Euer Geld ist überall besser aufgehoben als in den Taschen der Wettanbieter und Casinobetreiber!

Telefonberatung Glücksspielsucht

Ihr habt den Verdacht, dass Ihr spielsüchtig seid? Bei Euch dreht sich alles nur noch um Sportwetten oder Online-Casinos? Die kostenfreie und anonyme Telefonberatung zum Thema „Glücksspielsucht“ erreicht Ihr unter 0800 0 77 66 11

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