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Die Angst kommt, wann sie will – und sorgt dafür, dass man sich immer stärker zurückzieht.

Marie* hat eine Angststörung

Eine gebrochene Seele sieht man nicht 

Panik vor Prüfungen und Grusel vor Spinnen kennen viele. Maries* Angst ist aber krankhaft. Offen erzählt sie von ihrer Krankheit und wie sie gegen sie ankämpft.

Von Marie* *(Name v. d. Red. geändert):

Wahrscheinlich hat sie jeder schon einmal in seinem Leben erlebt. Vielleicht vor dem Flug, vor einer Spinne oder aber vor einer Prüfung in der Schule oder Uni: Angst. Doch was ist, wenn die Angst krankhaft wird? 

Vorab: Angst rettet uns ständig das Leben – auch wenn uns das nicht immer bewusst ist. Sie ist eine wichtige Funktion des Schutz- und Überlebensmechanismus. Die Angst warnt und hält uns ab, unverantwortliche Risiken einzugehen. Eigentlich ist die Angst nichts Negatives. Es sei denn, sie wird krankhaft. Wie bei mir. 

Ja, ich habe eine Angststörung. Auch wenn man es mir nicht auf den ersten Blick ansieht, belastet sie mich Tag für Tag. Es ist, als würde ich jeden Tag einen Marathon laufen, der sehr anstrengend ist. Ich fühle mich unsicher, bin andauernd nervös. Große Menschenmengen sind für mich der reinste Horror. Mir wird schwindelig, mein Herz fängt an zu rasen, ich fange an zu schwitzen. Irgendwann bekomme ich Beklemmungen in der Brust, es ist, als würde mir jemand die Kehle zuschnüren. Ich hyperventiliere, bekomme nicht gut Luft. Ich habe das Gefühl, ich dreh’ komplett durch. Die Angst hat mich im Griff. 

Und sie kommt, wann sie möchte. Auch das Ein- und Durchschlafen fällt mir schwer. Manchmal wache ich mitten in der Nacht schweißgebadet auf. Mit Herzrasen. Ich habe das Gefühl zu sterben, obwohl ich weiß: Von einer Panikattacke stirbt man nicht! Dass mich Angst Tag für Tag belastet, zeigt mir mein Körper mit heftigen Reaktionen: Magenschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Zittern, Schwitzen – Angst, die Kontrolle zu verlieren. 

Die vergangenen Monate habe ich mich sehr zurückgezogen. Jede Unternehmung, jeder Urlaub war eine Herausforderung. Genießen konnte ich nichts. Die Angst hat mir meine Lebensqualität genommen. Ohne mich zu fragen. 

Als ich dann gemerkt habe, dass ich das ohne Therapie nicht hinbekomme, habe ich mich entschieden, psychologische Hilfe anzunehmen. Und dabei wurden mir die Augen geöffnet: Jeder Fünfte in Deutschland leidet einmal in seinem Leben an einer Angsterkrankung und Depressionen. Ich habe nie darüber nachgedacht. Wahrscheinlich, weil es für viele Menschen immer noch ein Tabuthema ist – was es nicht sein sollte. Ein gebrochenes Bein sieht jeder, eine gebrochene Seele nicht. Psychische Erkrankungen sollten ernst genommen und nicht belächelt werden. Jeder kann daran erkranken. 

Ich hoffe, dass ich bald wieder angstfrei leben kann. Oder zumindest mit der Angst so umgehen kann, dass mir das Leben wieder richtig Spaß macht. Schließlich hat man nur eins.

INFO Wenn Ihr psychologische Hilfe benötigt, könnt Ihr Euch auch an die Psychologische Beratungsstelle in der Paulusstraße 47 in Recklinghausen, wenden: Tel. 02361 / 92 61 83 10. Auch die Nummer gegen Kummer ist eine gute Anlaufstelle: Tel. 116 111. 

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