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Maike beim Englischunterricht in einer ihrer Klassen. Die Motivation der Schüler ist – meistens – ordentlich.

Scenarios Auslandsreihe: Maikes vierter Teil bei Around the world

Eine Frage der Klasse

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Seit mehreren Monaten unterrichtet Freiwillige Maike aus Marl schon mehrere Grundschulklassen in Englisch – und stellt fest: Keine Schülergruppe ist wie die andere…

Ein Wort, zwölf Buchstaben, ungewohnt im Winter zu hören: Sommerferien! Und doch ist es das Wort, das immer häufiger durch die Klassenzimmer tönt. Denn hier auf der Südhalbkugel beginnt bald die heißeste Jahreszeit. Seit September arbeite ich an einer peruanischen Schule, aber was habe ich in dieser Zeit erlebt und gelernt? Reducame, das Projekt bei dem ich arbeite, ist eine NGO, eine Nichtregierungsorganisation, die das Ziel verfolgt, Kindern aus ärmeren Gesellschaftsschichten eine bessere Bildung zu ermöglichen. 

Zur Zeit arbeiten sie mit zwei Schulen in der Region Chiclayo zusammen. Sowohl internationale als auch peruanische Freiwillige gehen an diese Schulen, um Englisch zu unterrichten, weil nicht alle Schulen hier eigene Englischlehrer haben. 

Meine Woche ist also auf zwei Arbeitsplätze aufgeteilt, und ich habe sehr schnell gemerkt, dass es große Unterschiede zwischen den beiden Schulen gibt. Beide sind Grundschulen, die hier von der ersten bis einschließlich zur sechsten Klasse gehen. Ich unterrichte in den Jahrgangsstufen drei bis sechs. 

Die Mitfreiwilligen wissen schon Bescheid 

Schon bevor ich zum ersten Mal bei einer Unterrichtsstunde dabei sein durfte, wurde mir von meinen Mitfreiwilligen erklärt, dass die Kinder an der Schule in Pimentel viel ruhiger sind als die in Chiclayo. Zunächst wollte ich das nicht so richtig glauben, schließlich kann man eine so große Gruppe von Kindern nicht einfach generalisieren, oder? Die kurze Antwort: doch! Schon beim ersten Betreten der beiden Schulgelände fällt mir ein großer Unterschied bei der Energie der Schüler auf. 

Damit meine ich nicht, dass an der einen Schule nur faule Kinder sind oder sie immer ruhig auf ihren Stühlen sitzen, das ist nämlich nur selten der Fall, aber aus irgendeinem Grund sind die einen einfach etwas leichter ruhig zu halten als die anderen. Trotzdem sind natürlich nicht alle Kinder gleich.

Ein Unterschied ist zwischen den einzelnen Altersgruppen zu erkennen. Von Reducame habe ich einen Lehrplan erhalten, der mir vorgibt, welche Themen ich jede Woche durcharbeiten soll. In diesem Plan werden jeweils die dritten mit den vierten und die fünften mit den sechsten Klassen auf eine Stufe gestellt. 

Wo ist die Konzentration?

Im Unterricht merke ich auch, warum, denn den jüngeren Schülern fällt es teilweise noch schwer, sich über längere Zeiträume zu konzentrieren. Deshalb musste ich flexibel sein und meine Unterrichtsplanung kurzfristig über den Haufen werfen, um zum Beispiel eine Aufgabe durch ein Spiel zu ersetzen. Auch bei den älteren Schülern läuft nicht immer alles nach Plan.

 Einige haben vergessen, wie man eine analoge Uhr abliest. Bevor ich also das Thema auf Englisch angehe, muss ich die erste Hälfte der Stunde darauf verwenden, es ihnen auf Spanisch zu erklären. Gar nicht so einfach, wenn man sich vorher nicht die entsprechenden Begriffe zurechtgelegt hat! Dennoch bin ich dankbar für solche Momente, denn sie zwingen mich, aus mir herauszukommen und kreativ mit der Sprache, die für mich neu ist, umzugehen. 

Atmosphäre ändert sich von 6 A zu 6 B 

Sehr interessant finde ich auch, wie sich die einzelnen Klassen voneinander unterscheiden. Denn selbst an derselben Schule merke ich sofort, wie sich die Atmosphäre ändert, wenn ich donnerstags von der 6 A zur 6 B wechsle. In der A kann ich ein bisschen freundschaftlicher sein, denn es ist eine relativ kleine Klasse und es gibt viele Schüler, die motiviert sind, Englisch zu lernen und deshalb auch von sich aus versuchen, den Rest der Klasse zum Arbeiten zu bewegen. Obwohl die Kinder in der B auch nett sind, habe ich gelernt, dort etwas strenger aufzutreten, wenn ich möchte, dass sie auch auf mich hören. Insgesamt fiel es mir zu Beginn noch schwer, die richtige Balance zu finden. Schließlich war ich bis vor Kurzem selbst noch Schülerin.

Mittlerweile ist es für mich einfacher geworden, einen Weg zu finden, mit dem ich zufrieden bin, indem ich mich nicht zu sehr von den Schülern distanziere, aber gleichzeitig genug Respekt erhalte, um einen sinnvollen Unterricht zu führen. Jeden Tag, wenn ich zur Schule gehe, faszinieren mich die Unterschiede, die ich in gerade einmal zwei Schulen bemerke. 

Die Vorstellung, dass es noch viel mehr Schulen allein in Chiclayo gibt und noch mal so viele in den anderen Städten Perus und den vielen anderen Ländern dieser so diversen Welt, ist total spannend, und ich fühle mich plötzlich sehr klein, wenn ich darüber nachdenke. Das sind auch die Gedanken, an die ich mich zu erinnern versuche, wenn ich sonntagabends keine Lust habe, den Unterricht für die nächste Woche vorzubereiten oder morgens am liebsten weiterschlafen würde, wenn mein Wecker klingelt. 

Denn während am Anfang meines Jahres noch jeder Tag aufregend war, ist es mittlerweile zu meinem Alltag geworden. Dennoch möchte ich nicht vergessen, dass es trotz dieser scheinbaren Normalität etwas Besonderes und Spannendes ist, das ich genießen möchte. (Maike Weiher)

INFO Maike Weiher (19, Marl) verbringt ein ganzes Jahr in Peru. Im Rahmen des entwicklungspolitischen Freiwilligendiensts „weltwärts“ wird sie in Chiclayo, einer 630.000 Einwohner-Stadt an der Küste, an einer Schule für Kinder und Jugendliche aus ärmeren Familien arbeiten. In unserer Reihe erzählt sie, was sie dort alles erlebt.

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