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„Es ist ein unbeschreibliches Gefühl – wie nach Hause kommen“, sagt Jan-Henrik über seinen Trip nach Laos.

Rückkehr nach Laos

„Mein Kopf wird zur Festplatte“

Letzter Teil - Endlich, der so lang ersehnte Flug nach Laos hebt ab. Der Flug dauert nur 70 Minuten. Ich bin so aufgeregt! Endlich kann ich mein Versprechen einhalten. Nach Beendigung meines Bundesfreiwilligendienstes hatte ich Laos, meine Schüler, meine Freunde und Mentoren mit den Worten verlassen: „Ich komme wieder – versprochen!“ Zur Antwort bekam ich damals: „Es ist noch nie einer wieder gekommen!“ „Dann bin ich eben der Erste“, dachte ich damals.

Heute bin ich aber nicht alleine – Tobi, mein Freiwilligen-Partner, und meine Freundin Kwan haben sich mit mir ebenfalls auf den Weg in dieses wunderschöne Land mit dieser einzigartigen Kultur gemacht. Im Hotel angekommen, beginnt das erste große und ungläubige Hallo.

Der Rezeptionist erkennt mich sofort und strahlt – wie ich. Bevor wir in unser Zimmer dürfen, müssen wir erst einen Begrüßungskaffee trinken. Es gesellen sich immer mehr Angestellte dazu und bald sind wir eine große erzählende Runde. Anschließend packen wir nur das Nötigste aus und springen in den kleinen Pool, um uns abzukühlen. Später kommt Tobi und wir tauchen in das Nachtleben von Vientiane ein. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl – wie nach Hause kommen.

Wir gehen in einem kleinen Restaurant essen und ich freue mich, Kwan endlich die Stadt und bald auch das Land zeigen zu können, das mich doch ein wenig geprägt hat.

Am nächsten Morgen bleiben wir nicht lange liegen, denn wir haben nur noch den einen Tag in Vientiane, bevor es in „mein“ Dorf geht. Sightseeing ist also angesagt. Wir mieten ein Moped und ich zeige Kwan auf dem Weg zum Buddha-Park noch die Stadt. Abends schlendern wir über den Night-Market und naschen kleine Streetfoodköstlichkeiten. Ich bin selig und mein Kopf wird zur Festplatte. Ich sauge alle Eindrücke auf und bin von der freundlichen Mentalität der Menschen mal wieder tief beeindruckt.

Der nächste Tag kommt viel zu schnell und so finden Kwan, Tobi und ich uns mit unseren großen Rucksäcken in einem Minivan auf dem Weg nach Ban Nonesavang wieder. Der Wagen ist hoffnungslos überladen – zu viele Menschen, die schwitzend zusammengekauert auf den Sitzen kleben und nach jedem Schlagloch kurz den Autohimmel anschlagen, um anschließend wieder unsanft „Platz zu nehmen“.

Wir werden 3 ½ Stunden später förmlich aus dem Van gespuckt und landen auf dem staubigen Markt in Ban Nonesavang. Jetzt müssen wir noch irgendwie zu Poep – unserem früheren Mentor – kommen, der nicht ahnt, dass wir auf dem Weg sind.

Kein Auto fährt in Richtung Poep – und so etwas wie einen Bus gibt es hier nicht. Wir kaufen noch schnell Wasser, schultern unsere Rucksäcke und begeben uns bei 40 Grad auf die staubige Straße. „So ist es halt in Laos,“ denke ich.

Vom Gefühlsausbruch völlig überwältigt

Nach guten 20 Minuten kommen wir am Betriebshof von Poep an – sein LKW ist nicht da. Wir gehen in Richtung Wohnhaus und sehen Me Nak, Poeps Frau, und ihre uns gut bekannten Freunde, die offensichtlich gemeinsam essen. Me steht auf, guckt ungläubig, kommt näher und fängt an wild gestikulierend auf uns zuzustürmen. Dabei ruft sie schrill: „Jaaaan, Tobiii!“ Nimmt unsere Hände, küsst diese und drückt uns mit gesenktem Kopf. Solche Gefühlsausbrüche sind in Laos nicht üblich und wir sind irritiert, denn Me ist eine leise und sich meist im Hintergrund aufhaltende Frau.

Wir sind berührt und wissen gar nicht, wie wir angemessen reagieren sollen. So stehen wir einfach nur da und lächeln. Me fasst sich dann schließlich und zeigt auf Kwan. Ich stelle sie ihr als meine Freundin vor und so gehört Kwan sofort dazu. Verständigungsprobleme gibt es nicht, da meine Freundin Thai spricht und so ziemlich jeder Laote auch.

Jetzt gesellen sich die anderen Freunde dazu. „Ihr müsst hungrig sein, kommt, greift zu.“ Wir setzen uns. In der Mitte des Tisches steht ein großer Topf, es duftet gut. Viel Gemüse, Ei und Fleisch. Unsere Teller sind randvoll und ich kaue auf dem Fleisch herum. Während wir essen, erzählt Me von den vielen Schlangen im Garten und dass man ständig aufpassen muss. Das einzig Gute sei, dass sie schmecken. Sie lächelt: „Schmeckt’s dir auch Jan? Schlangensuppe mit Ei.“ Ich schlucke und schaffe es, zurückzulächeln. „Wie immer“, sage ich.

Ein LKW rumpelt auf den Hof. Poep! Er steigt aus – ich gehe auf ihn zu, wir umarmen uns und verbringen einen tollen Abend. Am nächsten Morgen bringt uns Poep zur Schule. Auf dem Gelände ist weit und breit kein einziger Mensch zu sehen. Aus dem Garten kommt der Gatte der Direktorin.

Thip flüstert: „Da seid ihr ja endlich wieder!“

Er sieht uns und lächelt über das ganze Gesicht. „Jan und Tobi? Keiner hat mir was gesagt. Thip und meine Frau sind in der Stadt – sie kommen später. Kommt, kommt, ich habe gerade Schnaps gebrannt – wir müssen feiern.“ Die Tür unserer alten Wohnung öffnet sich – zwei junge Männer schauen raus. Unsere Nachfolger. Wir stellen uns vor und erfahren, dass die beiden Robert und Till heißen. Sie sind sehr nett, die Chemie stimmt und so feiern wir gemeinsam bis unsere frühere Mentorin Thip und die Direktorin kommen. Es geht ihnen, wie allen anderen. Sie sind sprachlos und glauben es kaum. Ich drücke Thip und sie flüstert: „Da seid ihr ja endlich wieder.“

Meine Schüler treffe ich leider nicht, da kein Unterricht stattfindet. So gehen wir alle zu unserem Lieblingsrestaurant und essen uns mit viel Gelächter kugelrund. Der Abschied fällt uns später genauso schwer, wie damals bei unserer Abreise. Auch jetzt wissen wir nicht, ob und wann wir uns alle wiedersehen. Ich möchte Thip gar nicht wieder loslassen. Sie lächelt und sagt: „That’s life, Jan.“ In Deutschland erfahre ich später, dass Thip schwer erkrankt ist und ich wünschte, dass ich noch einen Tag länger geblieben wäre.

Auch von Poep müssen wir uns verabschieden, denn die Zeit rast und wir wollen noch viel erleben. So reisen wir nach Nord-Laos, dort sehen wir leider alles auch nur noch im Schnelldurchlauf. Wir fahren zum Tempel Wat Phousi, besuchen auch hier den Night Market und kaufen Mitbringsel, nehmen an einer Elefantentour teil, baden mit den Elefanten und erleben die Natur auf andere Art und Weise. Wir schauen uns fast alle Tempel in Lua an.

Jan-Henrik Seifert (21, Recklinghausen) ist ein alter Bekannter unserer Reihe. Als einer der Ersten berichtete er bei Scenario von seinem Aufenthalt in Laos. Inzwischen studiert er Asien/Afrika-Regionalwissenschaften in Berlin und wird nun wieder bei uns über ein Uni-Projekt in Thailand und seine Rückkehr nach Laos berichten.

Hat ein Tag wirklich 24 Stunden? Wir können es nicht glauben, denn wir sitzen wieder im Flugzeug. Kurzer Zwischenstopp in Bangkok und dann zurück nach Deutschland. Ich schaue durch das kleine Fenster des Flugzeugs und weiß, dass ich so schnell wie möglich zurückkommen werde.

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