Linn steht grinsend vor einer Reihe aufgestellter Surfbretter, die sie am Rand der Road to Hana entdeckt hat.
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Die Surfbretter hat Linn am Rand der Road to Hana entdeckt und natürlich sofort fotografisch festgehalten!

Scenarios Auslandsreihe: Linns achter Teil aus Hawaii

Schlafplatz-Schock auf Hawaii

  • vonLinn Stepputtis
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Linn ist an ihrem Traumziel Maui angekommen. Sie schläft zwar mitten im Nirgendwo, aber allein für die tollen Strände und Ausblicke hat sich all der Stress gelohnt.

Nach einer Woche Sydney sitzen wir schon wieder im Flugzeug im Anflug auf unser neues Ziel. Der nächste Kontinent unserer Weltreise liegt vor uns: Und zwar sind wir im Anflug auf Amerika, wobei unser Zuhause für die nächsten zwei Monate nicht unbedingt mit Amerika assoziiert wird. Seitdem ich denken kann, ist Hawaii mein Traumziel, wobei ich es immer als einen unerreichbaren und nicht realistischen Traum angesehen habe. Dass ich allerdings mit 19 tatsächlich dorthin fliege und dort für zwei Monate arbeiten werde, hätte ich nicht gedacht.

Nach einigen Stunden landen wir endlich auf Maui. Hier werden wir für die nächsten acht Wochen auf einer Farm arbeiten und wohnen. Die Farm gehört Philip. Er ist vor 30 Jahren von Frankreich nach Hawaii ausgewandert und betreibt heute einen Verkaufswagen, welchen man sich wie ein kleines Café vorstellen kann. Als Mitarbeiter beschäftigt er nur Leute wie uns, die auf Reise sind und für einige Monate arbeiten möchten. Als Bezahlung dürfen wir bei ihm wohnen und bekommen Essen.

Die neue Bleibe ist anders als erwartet

Philip holt uns vom Flughafen ab. Nach einem kurzen Ausflug zum Strand, kommen wir später am Tag endlich in unserem neuen Zuhause an. Dort bekommen wir allerdings einen Schock: Denn unser neues Zuhause ist ein Zelt. Richtig. Ein stinknormales Zelt, wie man es aus Outdoor-Läden kennt. Immerhin steht es auf einem kleinen Holzpodest und wird von einer großen Plane gegen Regen und Sturm geschützt. Irgendwie hieven wir unsere Rucksäcke durch den kleinen Zelteingang und hocken uns hinein. Wir wissen nicht genau, ob wir lachen oder weinen sollen. Da ich wirklich überhaupt nicht darauf eingestellt war, dass wir in einem Zelt wohnen werden, bin ich mir nicht sicher, ob ich das die gesamten zwei Monate durchziehen werden.

Da wir beide aber immer versuchen, die Dinge positiv zu sehen und jede Situation mit Humor zu nehmen, motivieren wir uns gegenseitig, diese Situation zusammen zu überstehen. Das Grundstück, auf dem wir leben, ist wirklich riesig. Wir wohnen inmitten von Palmen mit anderen Leuten zusammen, die ebenfalls hier arbeiten. Auf einem Teil des Grundstücks sind die Zelte zusammen angelegt – jedoch alle mit viel Abstand, sodass jeder ein wenig Privatsphäre hat. Das „Bad“ besteht aus einem kleines Häuschen, wo lediglich die Toilette und ein Waschbecken vorhanden sind. In der Mitte des Zeltbereiches stehen zwei Waschbecken mit einem großen Spiegel einfach frei. Gewöhnungsbedürftig, aber wer kann schon behaupten, er hätte sich die Zähne draußen umringt von Palmen geputzt? Von den zwei Duschen, die nur aus einem Holzbrett und einem Duschvorhang bestehen, ist nur eine warm.

Freunde sind schnell gefunden

Wir freunden uns schnell mit den anderen an. Zur Zeit sind noch zwei deutsche Jungs hier und wir verstehen uns sofort gut. Außerdem arbeitet noch ein Mädchen aus Nebraska, Nicole, hier. Sie ist zwar schon 25, aber auch mit ihr verstehen wir uns auf Anhieb gut.

Nicole ist ebenfalls für die nächsten zwei Monate hier und nachdem die drei uns ein wenig über die Insel und die Arbeit hier erzählt haben, gehen wir auch schon schlafen, denn morgen geht es früh los. Von unserem Grundstück aus in den nächsten zentraleren Ort Paia brauchen wir eine halbe Stunde über den Hana Highway. Währenddessen begegnet einem außer drei Häusern und einem Restaurant nichts als Natur. In die andere Richtung nach Hana sind es knapp drei Stunden und der Weg dorthin ist eine gefragte Touristenattraktion. Es geht über steile Brücken, an Wasserfällen vorbei, durch den tiefsten Dschungel, bis man letztendlich im abgelegensten Teil der ganzen Insel ankommt. Da unzählige Touristen die Fahrt entlang des Hana Highways als Tagesausflug machen, kommen hier bei uns sehr viele Autos entlang.

Am Grundstück hat Philip einen kleinen Verkaufsstand errichtet, in dem es Smoothies, Banana Bread, frisch geschlagene Kokosnuss und viele andere frische Sachen zu kaufen gibt. Der Verkaufsstand ist angelehnt an einen kleinen Aussichtspunkt, von dem man das Meer sehen kann. Unsere Arbeit besteht darin, im Stand zu arbeiten und Kokosnüsse und Zuckerrohr zu schlagen. Zuckerrohr und der daraus entstehende Saft sind auf der Insel weit verbreitet und sehr beliebt. An unserem ersten Tag arbeiten wir mit Nicole und Philip zusammen. Wir sollen direkt loslegen mit dem Schlagen und bekommen dafür eine Machete in die Hand gedrückt. Ja richtig, eine Machete! Man braucht wirklich viel Kraft dafür und muss sehr gut aufpassen, dass man sich damit nicht verletzt, denn wir schlagen die Früchte nur auf einem kleinen Holzblock. Es braucht eine gute Technik, vor allem um eine Kokosnuss aufzubekommen, doch nach ein paar Tagen Übung geht auch das.

Die Natur wirkt wie ein übertriebener Fotofilter

Nach der Arbeit machen wir uns etwas zu essen und dann geht es auch schon los, um die Insel zu erkunden. Da die Entfernungen aber so groß sind, braucht man auf jeden Fall ein Auto. Nicole und die Jungs haben sich zusammen eins gemietet und wir dürfen es mit benutzen – so teilt sich der Preis immerhin durch noch mehr Leute. Damit das Autofahren in verschiedenen Ländern keine Probleme macht, habe ich extra einen internationalen Führerschein beantragt. Wir fahren erst einmal nach Paia und an den nächsten Strand. Und ich weiß wirklich nicht, was ich dazu schreiben soll, denn alleine auf dem Weg dorthin komme ich nicht aus dem Staunen heraus. Die Natur und die Farben – es ist einfach alles so unbeschreiblich schön. Die Landschaft, egal wo man hinguckt, sieht aus wie eine Fotowand im Reisebüro, wo sich jeder denken würde, dass es ein wenig zu viel bearbeitet wurde.

Die nächsten Tage arbeiten wir von morgens bis mittags und fahren danach immer direkt zum Strand. Wir machen uns eine Liste, was wir alles in den zwei Monaten hier auf der Insel machen und sehen wollen. Unser Zelt haben wir mittlerweile sogar ein wenig gemütlich eingerichtet und uns eine Lichterkette, bunte Tücher und Kissen geholt. Nach zwei Wochen haben wir uns wirklich gut eingelebt und unsere Insel-Liste ist pickepackevoll. Wir sind bereit, jede Ecke und jeden Zipfel von Maui zu erkunden. Aber davon nächstes Mal mehr !

Anmerkung der Redaktion: Linns „Around the World“-Texte sind Nacherzählungen. Sie ist bereits zurück in Deutschland. Während der Corona-Krise ist eine solche Reise natürlich nicht möglich!

Linns letzter Stop war Sydney. Was sie in Australien alles erlebt hat, lest Ihr hier.

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