In einem Pillenblister ist nur noch eine einzige pinke Pille zu sehen. Die restlichen Fächer sind bereits geleert.
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Für viele Mädchen/Frauen ist es ein tägliches Ritual: die Einnahme der Anti-Baby-Pille. Für unsere Jugendredakteurin ist jetzt Schluss damit.

Hormonelle Verhütung

Schluss mit der Pille

Rund 11 Jahre hat Leslie* die Anti-Baby-Pille eingenommen. Mittlerweile erscheint ihr das nicht mehr richtig. Hier erklärt sie, wieso das so ist.

Von Leslie Beyer* (Name v.d. Red. geändert)

Die Erkenntnis kam plötzlich. Gerade, als ich eine weitere Packung der Anti-Baby-Pille aus der Apotheke abgeholt und bezahlt hatte, fasste ich für mich den Entschluss: Ich möchte diese tägliche Hormonbombe nicht mehr zu mir nehmen. Ich bin 24 Jahre alt, 11 davon nehme ich die Pille. Die Vorstellung, über die Hälfte meines Lebens unter dem Einfluss künstlicher Hormone gestanden zu haben, erschien mir auf einmal wahnsinnig erschreckend, ebenso der Gedanke, mein erwachsenes Ich ohne deren Einfluss überhaupt niemals kennengelernt zu haben.

Als 13-jährige Jugendliche kam mir die Pille dagegen wie ein Segen vor. Als ich von meinem Gynäkologen das lang ersehnte Rezept erhielt, hatte ich bereits eine gut einjährige Hautarzt-Odyssee hinter mir, die mir keine Lösung für mein damals ziemlich ausgeprägtes Akne-Problem bescheren konnte. Salben, Tinkturen – nichts hatte helfen wollen, bis mein Hautarzt mir schließlich im Zuge von Lustlosigkeit und Resignation, wie es mir heute vorkommt, die Anti-Baby-Pille empfahl.

Schmerzen und Akne adé

Ich freute mich, als meine Mutter mit mir einen Gynäkologen-Termin vereinbarte, denn die andauernde, recht starke Akne wirkte sich mittlerweile äußerst negativ auf das eh schon schwankende Selbstwertgefühl meines pubertierenden Ichs aus. Zudem war meine Periode bereits im zarten Alter von 12 Jahren so stark und schmerzhaft, dass die Aussicht auf Linderung die gigantische Auflistung von Nebenwirkungen in den Hintergrund rückte.

Besonders klug und umsichtig war es angesichts dessen, was so in der Packungsbeilage steht, definitiv nicht, aber wer denkt schon mit 13 über Langzeitfolgen nach, wenn ein scheinbares Wundermittel ein pickelfreies Antlitz und eine weitgehend schmerzlose Regelblutung verspricht?!

Zweckentfremdung trotz hunderter Nebenwirkungen

Wenn man sich den meterlangen Beipackzettel allerdings durchliest, grenzt es schon an ein Wunder, dass man überhaupt auf die Idee kommt, das Zeug einzunehmen. Die Pille kann Einfluss auf Körperfunktionen nehmen, auf die sie definitiv keinen Einfluss haben sollte. Besonders erschreckend sind mögliche depressive Verstimmungen bis hin zu einer Depression (nein, das ist nicht das Gleiche!) und das nicht unerheblich erhöhte Risiko für Blutgerinnsel oder sogar lebensgefährliche Embolien. Und das sind nur eine Handvoll Punkte einer Liste, die 101 (ich habe nachgezählt!) mögliche, zum großen Teil sehr schwerwiegende Nebenwirkungen erwähnt.

Und das bei einem Medikament, das eigentlich „nur“ als ein Mittel zur Schwangerschaftsverhütung gedacht ist, aber für viele andere, teils kosmetische Zwecke wie bei mir, zweckentfremdet wird. Das ist wirklich beängstigend!

Für viele dennoch eine Hilfe

Mir ist natürlich bewusst, dass das hier auch eine sehr persönliche Sicht ist, obwohl die medizinischen Fakten nicht von der Hand zu weisen sind. Mir ist auch bewusst, dass es manchen Frauen unter der Pille deutlich besser geht, weil sie zum Beispiel unter Endometriose leiden oder unter einem so unausgeglichenen Hormonhaushalt, dass die Pille regulierend wirkt. Ich aber weiß die Einnahme dieses Medikaments vor mir selbst und meinem Körper nicht mehr zu rechtfertigen, denn die Vorteile einer reinen Haut und einer quasi schmerzfreien Mini-Regelblutung wiegen die Risiken in meinen Augen nicht mehr auf.

Die letzte Pille einzunehmen war ein seltsames Gefühl. Wenn man etwas 11 Jahre lang gemacht hat – und das ist für jemandem in meinem Alter eine verdammt lange Zeit – ist es ein großer Schritt, das zu beenden. Aber es fühlt sich richtig an. Ich habe das Gefühl, für mich und meine psychische und körperliche Gesundheit die richtige Entscheidung getroffen haben.

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