Schwimmuntericht für Kinder
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Schwimmflügel für alle! Aber ob die wirklich so viel während der Pandemie-Welle bringen, bleibt fraglich.

Gedanken während der Corona-Krise

Mit Schwimmflügeln in die Fluten

  • vonAnna Päseler
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Seit Wochen gibt es so etwas wie Normalität nicht mehr. Doch langsam scheint sich etwas in der Mentalität der Menschen zu ändern.

Die Welt steht kopf. Aber das ist nicht mehr so schlimm. Denn das geht ja schon länger so. Maske auf und Sicherheitsabstand. Gekocht wird zuhause, raus geht es am besten nur allein. Das Smartphone wird endlich auch mal dafür genutzt, wofür es auch erfunden wurde: für endlos lange Gespräche mit Menschen, die wir eigentlich einfach mal wieder gerne in den Arm nehmen würden. 

Das ist inzwischen halt irgendwie normal geworden. Obwohl der Sturm da draußen nicht weniger wird, sondern immer weiter aufdreht. Dennoch sind die Menschen deutlich entspannter geworden. Zumindest bekomme ich das in meinem Alltag mit. Aber eigentlich ist das eine ziemlich miese Situation, oder? 

Das ist so, als würden wir vor einem reißenden Fluss stehen, den man nur mit einem stabilen Boot überqueren kann. Alles, was wir haben, sind aber nur Schwimmflügel. Also stehen wir am Ufer und finden uns damit ab, nicht auf die andere Seite zu können. Doch mit der Zeit wirkt dieser Fluss gar nicht mehr so gefährlich und immer mehr andere Menschen hüpfen mit ihren Schwimmflügeln in die Stromschnellen. Da scheint nichts dabei zu sein. Also tappen wir ihnen nach. Und tatsächlich, es ist gar nicht so wild. 

Im Prinzip haben wir nur diese zwei Optionen: Entweder verängstigt im Ausnahmezustand auf der sicheren Seite des Ufers zu bleiben und das normale Leben aufzugeben. Oder eben ins Wasser zu springen und zu versuchen, sich das zurückzuholen, was heutzutage nach dem größten vorstellbaren Luxus klingt: Grillen mit Freunden im Park. Mit der Familie ans Meer. Gedankenverloren in der Bahn sitzen auf dem Weg zur Uni. 

Aktuell fühlt es sich so an, als würden alle Menschen erwartungsvoll ins Wasser waten. Die Läden haben wieder auf, die Restaurants seit Kurzem auch. Vielleicht konnten einige ihre Arbeit wieder aufnehmen. Auf zum anderen Ufer! Weg von der Angst, der ständigen Unruhe. Alles schreit nach Normalität. Und wir haben verstanden, wir können zumindest ein Gefühl von Normalität empfangen. Auch wenn uns die Atemmasken und das Plexiglas immer daran erinnern, dass es ganz und gar nicht normal ist. Ein wenig mahnend und ständig präsent. 

Statt panischer Augen nun verhüllte Gesichter 

Wenn ich darüber nachdenke, wie ich früher auf Menschen mit Masken reagiert habe: Das war so außergewöhnlich, dass ich direkt eine schlimme Krankheit vermutet habe. Als ich vor wenigen Wochen U-Bahn fahren musste und der Waggon aufgrund der gekürzten Fahrtaktung sehr voll war, wurde ich ziemlich nervös, habe leichte Panik in manchen Gesichtern gesehen. Heute fahre ich Bus und halb verdeckte Gesichter mustern mich gelassen. Heute gehe ich einkaufen und schaue in volle Nudel- und Klopapierregale. Mensch, was waren das doch für verrückte Zeiten. Vor wenigen Wochen. 

Es tut gut, sich entspannen zu können. Nicht ständig auf Adrenalin-Cocktail in den Supermarkt zu wanken und sich in eine Schlange einreihen zu müssen. Der Fluss wirkt nicht mehr so gefährlich. Also rein in die Fluten. Kopf über Wasser dank der Schwimmflügel, die uns glauben lassen, es wäre fast normal. Denn wir haben uns daran gewöhnt und sind getragen von der Hoffnung – von unseren Schwimmflügeln. 

Ich denke, es ist nicht falsch, seine Angst zu reduzieren. Nicht mehr ständig Zeitung und Nachrichtensendungen nach Corona-Neuigkeiten zu durchschauen. Wir haben einfach alle keine Lust mehr auf all die Aufregung. Wir haben dazu schlichtweg keine Energie mehr. Also tun wir, was sinnvoll ist. Abstand, Masken, Hygiene. Und wir geben uns der Vorstellung hin, schon bald das andere Ufer zu erreichen. 

Wann das passieren wird, weiß keiner so genau. Und wie gefährlich dieser Fluss ist, durch den wir uns gerade mit Schwimmflügeln durch trauen, weiß eigentlich auch keiner so genau. Wir wissen nicht, wohin er führt. Aber es ist wichtig, dass wir aufeinander aufpassen, damit keiner davongeschwemmt wird. Also versucht Euch so viel von der Normalität zu greifen, wie Ihr könnt, um seelisch wieder eine Balance zu finden. 

Aber achtet auf die Grenzen. Vermeidet unnötige Kontakte. Denn auch wenn es sich gerade gut anfühlt – die Pandemie lässt sich nicht allein mit Schwimmflügeln und schönen Gedanken überstehen.

Ein weiteres Stück in Richtung Normalität sind die vielen Veranstaltungen, die jetzt in Autokinos stattfinden.Lucas war für Euch auf einem Konzert von Sido im Autokino und hat geschaut, ob die Alternative an normale Konzerte herankommt. 

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