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An sein Limit gehen – und das nicht mehr im Home-Office. Für Viele eine Freude!

Das erste Training nach der Corona-Pause

Schwitzen bis der Muskelkater kommt

  • vonMiriam Schulemann
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Miriam kann endlich wieder zum Training. Nach Monaten der erfolglosen Suche nach sportlichen Alternativen, durfte sie nun feierlich ihre Sporttasche entstauben.

Die silbrig graue Staubschicht auf meiner Sporttasche spricht eigentlich für sich. Ganze vier Monate ist es her, dass die Corona-Zwangspause meiner tatsächlich regelmäßigen sportlichen Betätigung ein jähes Ende setzte. Heute geht es für mich das erste Mal seit den Lockerungen wieder zum offiziellen Training. Hochmotiviert schwinge ich den Staubwedel und entferne den grauen Pelz und – zu meinem Entsetzen – auch einige Spinnenweben von meiner Sporttasche. 

Nachdem ich mich vergewissert habe, dass meine Ausrüstung keinen Schimmel angesetzt hat (hat sie nicht), mache ich mich geradezu beschwingt auf den Weg zu meiner lang wiederersehnten Trainingsstunde. In sportlicher Hinsicht hatte die Corona-Pandemie nämlich für mich nicht besonders viel zu bieten, obwohl ich mich wirklich um Alternativen zum Vereinssport bemüht hatte: Ich war joggen (was für mich den Spaßfaktor einer Zahnwurzelbehandlung hat), habe mich das erste Mal seit Kindheitstagen wieder auf Inline-Skates getraut (was mich fast mein Leben gekostet hätte) und habe mir – auf dem Gipfel der Verzweiflung – sogar ein Fitnesstrampolin zugelegt (absolut entwürdigend, ich empfehle die Nutzung ausschließlich in abschließbaren Kellerräumen). Nichts davon hat den Abbau von Muskelmasse und Fitness und den Aufbau von Körpermasse und Frust über die Monate hinweg wirklich verhindern können. 

Schöne Fitness-Klamotten helfen auch nicht viel 

Ich hatte mich eher auf „Sport von außen“ konzentriert und mir einfach schicke Sportklamotten gekauft. Mit miserablem Fitnesslevel, aber immerhin gut gekleidet und mit einem strahlenden Lächeln betrete ich die Halle. Kaum eine halbe Stunde später sehe ich nicht mehr ganz so frisch und motiviert aus: mit schweißnassen Haaren und hochrotem Gesicht versuche ich mühsam das Trainingspensum irgendwie zu bewältigen. Mein Körper gibt mir über diverse Signale unmissverständlich zu verstehen, dass ich ihn gerade völlig überfordere, aber ich bin zu stolz zum Aufgeben. 

Mein Körper verweigert irgendwann die Kooperation und lässt mir als Konsequenz schwindelig und schwarz vor Augen werden. Bevor sich mein Magen umdrehen kann, reicht mir mein Trainer mitleidig ein Stück Traubenzucker. Das hilft ein bisschen. Insgeheim bin ich doch ganz froh über das peinliche Gehüpfe auf dem Fitnesstrampolin in den letzten Wochen, denn sonst hätte ich heute wahrscheinlich gekotzt und hätte die Hälfte des Trainings aufgrund mangelnder körperlicher Ausdauer in der Horizontalen verbracht. 

Zwar ist Kotzen beim Thaiboxen tatsächlich nicht unüblich, aber auf den Geruch, den Geschmack im Mund und das Aufputzen kann ich dann doch dankend verzichten. Mit zittrigen Gliedmaßen und den Oberkörper im 90-Grad-Winkel abgeknickt schlurfe ich zu Hause die Treppen hoch. Ich habe überlebt, weiß aber, dass die harte Nummer erst noch folgen soll: der anschließende Muskelkater. 

Bereits am nächsten Morgen bin ich kaum mehr in der Lage, aus dem Bett aufzustehen. Es würde schneller gehen, die Körperteile aufzuzählen, in denen ich KEINE Schmerzen habe. Zum Beispiel in den Ohrläppchen. Und im kleinen linken Finger. Ich bin über Nacht zu einer Art Pflegefall mutiert. 

Beim Frühstück gebe ich beim Versuch auf, mir eine Scheibe Käse vom Käsestück abzuschneiden, weil die Oberarme sich ins Nirvana verabschiedet haben. Die Treppen schleiche ich im Schneckentempo rauf und runter, weil meine Beinmuskulatur ebenfalls die Mitarbeit verweigert. Meine Rückenmuskulatur ist so im Eimer, dass ich nicht einmal mehr schmerzfrei atmen kann. Von Niesen, Husten, Räuspern oder Lachen ganz zu schweigen. 

Zu kaputt, um sich selbst die Zähne zu putzen 

Natürlich bekomme ich, den ganzen Tag über, prompt die blödesten Witze erzählt. An diesem Abend muss man mir sogar aus meinem T-Shirt helfen und ich kann kaum die Zahnbürste halten, weil ich nicht mehr in der Lage bin, meine zittrigen und schmerzenden Arme anzuheben. Warum tue ich mir das an? Warum zahlt man für Sportvereine und Fitnessstudios überhaupt Beiträge? Immerhin bezahlt man dafür Geld, dass es einem schlecht geht. Das entbehrt doch jeglicher Logik. Sport ist Mord – das habe ich an eigenem Leib beweisen können.

Eine unserer Autorinnen war in ihren eigenen Augen nie eine „typische“ Frau. Früher hat sie das oft gestört, heute kommt sie umso besser damit klar! 

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