Eine Ampel ziert zwei Hand in Hand laufende männliche Figuren. Über ihnen prangt ein Herz.
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Man sollte meinen im 21. Jahrhundert zögen gleichgeschlechtliche Paare, die wie die abgebildeten Ampelmännchen Hand in Hand gehen, keine irritierten Blicke mehr auf sich. Weit gefehlt ...

Homosexualität

„Schwul“ sollte keine Beleidigung sein

Unser Autor Tom wünscht sich, dass Homosexualität endlich als normal angesehen wird. Dass niemand mehr auf seine Sexualität reduziert wird. Denn das ist noch lange nicht der Fall.

Von Tom Marquas

Sätze wie „Ach, das ist doch nur eine Phase“, „Das hast du dir doch selbst ausgesucht“ und viele Weitere habe ich schon häufig gehört – und viele andere in meiner Situation wahrscheinlich auch. Homosexuelle und allgemein alle Menschen aus der LGBTQ-Gruppe kennen es: das Gefühl, anders zu sein, weil dich die Gesellschaft als „anders“ ansieht. Wer glaubt, Homosexualität sei in der heutigen Zeit etwas vollkommen Normales, irrt sich nämlich gewaltig.

Es stimmt schon, dass die Mehrheit in Deutschland offen gegenüber dieser „Randgruppe“ ist. Als etwas „Normales“ werden wir aber nicht angesehen. Wir müssen uns immer noch outen und werden das in Zukunft auch immer wieder machen müssen. Es ist nicht immer leicht, in einer Gesellschaft zu leben, in der du nicht der Norm entsprichst. Das gilt für Homosexuelle, Dunkelhäutige, Menschen mit Behinderungen und andere Randgruppen. Solange Randgruppen noch Randgruppen heißen, sind solche Menschen nicht vollständig integriert.

Sexualität beeinflusst nicht den Charakter

Ich frage mich häufig, warum es vielen Menschen schwerfällt, andere Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Was sagt denn die Hautfarbe oder in meinem Fall die Sexualität einer Person über deren Charakter aus? Genau, gar nichts! Ich hege die Befürchtung, dass Demonstrationen wie die „Pride-Paraden“ nicht wirklich nachhaltig etwas verändern, da es immer intolerante und homophobe Menschen geben wird. Ich habe schon Leute sagen hören, dass die LGBTQ-Community doch gar nicht als normal angesehen werden wolle, wenn sie jedes Jahr so auf sich aufmerksam mache. Das sind vermutlich die gleichen Leute, die bei Anti-Rassismus-Demos „all lives matter“ rufen. Die Paraden und Demos sind aber auf jeden Fall ein starkes Zeichen gegen alle, die andere Menschen aus verschiedensten Gründen diskriminieren.

Wenn ich mir dann wieder anhöre, wie Gleichaltrige das Wort „schwul“ als Beleidigung oder abwertenden Begriff benutzen und der Bundestag von der „Homo-Ehe“ spricht, lässt mich das immer zweifeln, ob sich wirklich etwas ändern kann. Die Meisten meinen es bestimmt nicht böse, wenn sie diese Wörter als Beleidigung benutzen. Das macht es aber auch nicht viel besser. Es kann nicht sein, dass viele das Wort „schwul“ automatisch mit etwas Schlechtem assoziieren. Außerdem sollte es nicht „Homo-Ehe“ heißen, sondern einfach nur Ehe, denn auch Schwule und Lesben heiraten ganz normal und sind dann genauso verheiratet wie ein heterosexuelles Ehepaar!

Generell finde ich, dass der Bundestag und unsere Regierung stärker für die Rechte von homo- und transsexuellen Menschen einstehen sollten. Die Konversionstherapie zum Beispiel (Anm. d. Red.: eine Therapiemaßnahme, mit der homosexuelles Empfinden abgebaut und heterosexuelle Neigungen aufgebaut werden sollen) ist nachweislich wirkungslos, doch vor allem kann sie zu schweren Depressionen und Selbstzweifeln bis hin zu Suizidgedanken führen. Trotzdem ist sie in Deutschland teilweise immer noch erlaubt. Kinder können zwar nicht mehr offiziell zu Konversionstherapien genötigt werden, Erwachsenen steht diese „Therapie“ jedoch weiterhin zur Verfügung.

Mehr Aufklärung, auch in der Kirche

Warum ist es für Erwachsene immer noch möglich, solche „Therapien“ in Anspruch zu nehmen, obwohl sie laut Gesundheitsminister Spahn „viel zu gefährlich für Leib und Seele“ sind? Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn in der Schule mehr über das Thema Homosexualität aufgeklärt werden würde und auch endlich mal die Kirche einsieht, dass sie etwas völlig Normales ist. Vielleicht würde die Welt auch ein bisschen besser werden, wenn sich mehr Menschen an das dort gepredigte Gebot der Nächstenliebe halten würden. Dann gäbe es bestimmt keine Diskriminierung mehr.

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