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Verstehen sich total gut: Kristina mit „ihren“ Kindern Sofia und Christian vor dem Sydney Opera House.

Scenarios Serie: Kristinas zweiter Teil bei Around the world

Besser als gedacht

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Kaum gelandet, schon verliebt sich Kristina in Sydney. Auch mit der „neuen“ Familie verläuft’s harmonisch. Nur an eine Kleinigkeit muss sie sich noch gewöhnen.

Als ich mit meinem Vater am Flughafen in Frankfurt ankomme, habe ich das erste Mal so richtig realisiert, dass ich tatsächlich für ein halbes Jahr meine Liebsten nicht mehr sehen werde. Das ist vorher durch die Vorfreude nicht bei mir angekommen. Somit ist diese Verabschiedung am Flughafen definitiv die schwierigste für mich. Über eine Stunde über den Wolken dauert es, bis ich keine Tränen mehr in den Augen habe. 

Nach langen 25 Stunden, davon 20 Stunden im Flugzeug, komme ich tatsächlich in Sydney an. Justin, mein Gastvater, empfängt mich zusammen mit seinem Sohn Christian herzlich – so sehr, dass ich mich ab der ersten Sekunde des Zusammentreffens total wohlfühle. Auf dem Weg vom Flughafen nach Hause fahren wir über die bekannte Harbour Bridge. In diesem Moment merke ich, wie ich mein Herz an die Stadt verliere. Sydney sieht genauso aus, wie man es von Bildern kennt, nur, so finde ich, noch 1000-mal schöner. 

Keine Sekunde bereut

Das Hochgefühl, was ich in dem Moment spüre, habe ich auch, als wir ankommen. In meinem neuen Zuhause fühle ich sofort wohl. Das liegt natürlich auch an meiner Gastfamilie. Keine Sekunde bereue ich, mich für sie entschieden zu haben! Die Familie besteht nicht nur aus Justin und Christian, sondern hat auch noch zwei weiblichen Familienmitgliedern. Meine Gastmutter heißt Julia und ihre Tochter Sofia. Mein Gastvater ist so lieb und hat sich die ersten beiden Tage freigenommen, um mir die Umgebung und die Stadt zu zeigen, mich mit dem Busfahren vertraut zu machen und für mich da zu sein. Auch meine Gastmutter ist total herzlich und sorgt sich um mein Wohlbefinden. Ich bin sofort mit ihr auf einer Wellenlänge. Somit habe ich gar keine andere Wahl, als mich hier wohlzufühlen. 

Die Kinder schließen mich ins Herz

Sofia und Christian, ihre beiden Kinder, um die ich mich von nun an kümmern werde, schließen mich auch sofort ins Herz. Die Sechsjährige ist besonders aufgeregt – und das kann noch anstrengend werden, vermute ich. Ihr zwei Jahre älterer Bruder fragt mich über meine Heimat aus und scheint sich gerne mit mir zu unterhalten. Von meinen Bedenken, mich als Au-pair um Kinder zu kümmern, hatte ich bei meinem ersten Artikel schon berichtet. Aber bis jetzt mag ich die beiden lieber, als ich dachte, dass ich es je könnte. 

Da die beiden zurzeit Ferien haben, sind sie oft nicht zu Hause. Somit habe ich die ganze erste Woche hauptsächlich Freizeit und kann mich ganz entspannt hier eingewöhnen. Das nutze ich natürlich aus und gehe viel spazieren durch meine neue Heimat. Klar, dass ich mir direkt das Zentrum von Sydney ansehen muss – und mit dem Bus fahre ich zum Manly Beach. Der Strand ist wunderschön und nur 30 Minuten von meinem neuen Zuhause entfernt. 

Spießige Deutsche

Im Bus wird mir mal wieder bewusst, warum die Deutschen als spießig gelten. Hier in Sydney sind alle Leute entspannt und ich habe bisher noch niemanden getroffen, der unfreundlich war. Die Atmosphäre hier ist sehr locker und in dem Bus, mit dem ich fahre, unterhält sich jeder mit jedem. Da sollten wir Deutschen uns mit unserer Verschlossenheit mal ein Beispiel dran nehmen! Mit so entspannten und offenen Leuten macht selbst das Busfahren Spaß. Wenn ich die Australier mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es „lovely“. Es gibt keine gute Übersetzung dafür, man benutzt das Wort hier, wenn man mit etwas zufrieden ist und etwas schön, liebevoll oder entzückend ist. Die Menschen hier sind einfach so – „lovely“. 

Geräusche sind anders

Aber einen gewaltigen Unterschied zu Deutschland gibt es natürlich: die Pflanzen- und Tiervielfalt hier. Sobald ich allein aus dem Haus gehe, habe ich ein mulmiges Gefühl. Wenn ich meine Augen schließe, fühlt es sich an, als sei ich im Dschungel – mit all den verschiedenen Vogelstimmen. Außerdem haben wir zum Beispiel einen Fledermauspark in der Nähe und so fliegen in meinem Ort viele Fledermäuse von Baum zu Baum. Ziemlich gruselig, wenn ich nachts im Dunkeln nach Hause laufe und sie nur im Licht sehe. Auch tagsüber laufe ich noch sehr ängstlich und schreckhaft durch die Gegend, wenn ich allein bin. Ich glaube, daran muss ich mich hier noch gewöhnen. Ich kann die Gedanken an die gefährlichen Tiere, besonders die ekeligen Spinnen, nicht ausblenden. 

Auf der anderen Seite ist die Vielfalt an Tieren echt atemberaubend. Selbst wenn ich in den Garten schaue, sehe ich beispielsweise lauter bunte Papageien! 

Wie am Anfang erwähnt, habe ich mein Herz an diese Stadt verloren. Je mehr ich von der Stadt und der Umgebung sehe bzw. kennenlerne, desto mehr begeistert sie mich. Ich möchte bereits in den ersten Wochen so viel wie möglich mitnehmen und die Stadt erleben. 

Leben zwischen Meer, Strand und Stadt

Besonders toll an Sydney oder auch anderen Großstädten am Meer finde ich den Kontrast zwischen Meer, Strand und dem Stadtleben. Wenn ich Lust auf das Großstadtleben habe, kann ich ins Zentrum von Sydney fahren und bin mittendrin. Wenn ich mal einen freien Tag und Lust auf Entspannung und Urlaubsstimmung habe, kann ich zum Strand fahren. Hier kann man einfach alles machen, worauf man Lust hat! In dem Vorort, in dem ich wohne, habe ich schon drei Au-pairs kennengelernt, die ein paar Straßen weiter wohnen. Mit einem von ihnen treffe ich mich. Johanna kommt aus Köln und ist schon seit zwei Monaten in Sydney und wir verstehen uns auf Anhieb. Mein erstes kurzes Fazit: Ich liebe das Leben und die Leute hier!


INFO: Kristina Wendt (18, Recklinghausen) verlässt Recklinghausen für sechs bis acht Monate. Sie fliegt nach Australien. In Seaforth, einem Vorort von Sydney, passt sie in einer Gastfamilie als Au-pair auf zwei Kinder auf und hat vor, besonders nach dieser Zeit Land und Leute zu erkunden. Bei Scenario berichtet sie, was ihr in Australien widerfährt.

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