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Das ist eins der letzten Fotos aus Janas Zeit in Litauen. Hier war sie mit Freundin Lydia (l.) an den „Green Lakes“ außerhalb von Vilnius wandern. An diese und viele andere Wanderungen denkt Jana (r.) jetzt gerne zurück.

Scenarios Auslandsreihe: Janas achter Teil aus Litauen

Tolle Nachrichten aus Litauen!

  • vonJana Konkel
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Jana ist zurück in Deutschland und vermisst die Zeit als Freiwillige in Vilnius. Doch zum Glück müssen die Schüler in Litauen nicht ganz auf sie verzichten.

Drei Wochen ist meine Ausreise aus Litauen schon her. Drei Wochen lang habe ich tatsächlich rein gar nichts getan. Doch die Zeit brauchte ich auch, um mich wieder zu Hause einzuleben und die vergangenen Ereignisse zu verarbeiten. Das alles ist für mich immer noch unfassbar – nichts davon hätte ich mir erträumen können. Und jetzt wieder zu Hause zu sein, jedoch nicht meine Freunde und meine Familie besuchen zu können, ist noch unglaubwürdiger. Aber leider bleibt mir nichts anderes übrig. 

Zum Glück gibt es Videochats! Ich kann schon gar nicht mehr zählen, mit wie vielen Freunden ich in den letzten drei Wochen telefoniert habe. Ansonsten verbringe ich natürlich viel Zeit mit meinen Eltern und nutze die freie Zeit gerne, um in der Natur zu sein. 

Nach Litauen habe ich aber ebenfalls Kontakt gehalten. Mit „Social Action“, meiner Organisation in Litauen, und allen Freiwilligen habe ich vor einigen Wochen einen „Pre-Easter-Brunch“ gemacht. Zusammen haben wir gebruncht, von unseren Oster-Traditionen erzählt und gemeinsam ein Osterrätsel gelöst. Es war superschön, wieder mit allen zusammen Zeit zu verbringen, auch wenn es nur digital war! Ich vermisse all meine neuen Freunde sehr, und die Tatsache, dass ich einige von ihnen nicht so schnell wiedersehen werde, macht mich traurig. 

Gemeinsame Zeit in Litauen fehlt

Unsere gemeinsamen Café-Besuche, Kochabende, Wanderungen in der Natur, wie beispielsweise den „Green Lakes“, und auch die Partys haben immer so viel Spaß gemacht. Dass diese fehlen, merke ich im Moment ganz besonders. Und auch an die Schüler meiner Klasse denke ich oft. All unsere gemeinsamen Projekte waren echt toll, und ich habe viel mit ihnen gelacht! Häufig denke ich daran zurück, wie ich mit Amelija zusammen Bilder gemalt habe und wieviel Spaß sie dabei hatte. Egal, in welcher Situation ich sie gefragt habe, wie es ihr geht, hat sie immer mit „Gerai“ oder „Labai Gerai“ geantwortet, was soviel bedeutet wie gut bzw. sehr gut. Ihr strahlendes Lächeln dabei werde ich echt nie vergessen! 

Oft erinnere ich mich auch daran zurück, wie ich mit Domantas, Akvilé und Ugné gemeinsam Bingo gespielt oder ihnen beim Puzzeln geholfen habe. Ich hoffe, es geht ihnen gut in dieser jetzigen Situation. 

Nachdem die ersten Wochen ohne neue Informationen zu meinem Freiwilligendienst vergangen sind, hat mich meine Koordinatorin Kotryna in einem spontanen Meeting irgendwann dann doch mit tollen Neuigkeiten versorgt: Es ist mir ab jetzt erlaubt, auch von zu Hause aus meinen Freiwilligendienst weiterzumachen. Als sogenanntes „Online Volunteering“. Nach einer Woche Bedenkzeit und vielen Gesprächen mit meinen Eltern über die Vor- und Nachteile des „Online Volunteerings“ habe ich Kotryna meine Zusage gegeben. Es ist eine gute Möglichkeit, meinen Freiwilligendienst so doch zu Ende zu führen. Meine Koordinatorin freut sich sehr und schickt mir direkt die wichtigsten Dokumente, welche ich zur Wiederaufnahme meines ESKs unterzeichnen muss. Wie praktisch, dass das auch digital geht! 

Schnell ist alles unterschrieben, und ich bekomme von ihr die Information, dass es bereits eine Woche später losgeht. Ich freue mich schon sehr, auch wenn Kotryna meint, dass der Aufwand geringer sein wird als in Litauen vor Ort. Aber das habe ich mir schon gedacht, da leider der digitalen Welt auch Grenzen gesetzt sind. 

Der erste Tag zurück als Freiwillige 

Nun ist es Montag, und ich bin wieder offiziell Freiwillige. Gespannt warte ich schon auf die erste Aufgabe. Die anderen Freiwilligen aus meiner Schule arbeiten direkt mit ihren Lehrern zusammen, doch da meine Lehrerin in den Mutterschutz geht, ist meine Tutorin Enrika jetzt für meine Aufgaben zuständig. Die erste Nachricht lässt nicht lange auf sich warten: „Hi, für diese Woche wäre es super, wenn Du mir hilfst Bastelideen für Karten, Bilder oder Malereien für Muttertagsgeschenke herauszusuchen und mir die Anleitungen dazu mit Bildern schickst. So können die Kinder ihre Mütter am Muttertag damit überraschen!“ Die Idee finde ich supercool! Ich mag es sehr gerne, zu basteln und kreativ zu sein. 

Direkt kommen mir schon ein paar Ideen, die ich früher selber für meine Mutter gebastelt habe. Und zum Glück gibt es im Internet noch tausende Ideen für Muttertagsgeschenke. Schnell hole ich unsere Bastelkiste und lege los. Ich versuche, die Basteleien so einfach wie möglich zu halten, damit die Schüler es entweder alleine oder mit Hilfe ihres anderen Elternteils basteln können. 

Das fertige Dokument schicke ich an Enrika, und sie wird die Anleitung, welche ich auf Englisch geschrieben habe, ins Litauische übersetzen. Enrika ist sehr begeistert von meinen Ideen. Sie leitet die Bastelanleitungen sogar an die anderen Lehrer weiter, sodass diese es auch an ihre Schüler weitergeben können. Über das positive Feedback freue ich mich sehr! 

Die anderen Freiwilligen meiner Schule haben noch unterschiedlichere Aufgaben bekommen als ich. Persane sollte zum Beispiel ein Kochvideo über ein Rezept ihrer Wahl drehen. Als Französin hat sie sich für Mousse au Chocolat entschieden. Das Video ist echt super geworden, und das Rezept will ich auch unbedingt bald nachmachen! Alika, mein ehemaliger Mitbewohner und ebenfalls Freiwilliger in meinem Projekt, sollte diese Woche Informationen, Bilder oder Videos zum Thema Recycling finden. Die Aufgaben, die wir bekommen, sind alle also ganz schön unterschiedlich. 

Einmal in der Woche haben wir auch ein gemeinsames Meeting mit Enrika, damit sie schauen kann, wie es bei uns so läuft, ob wir Probleme oder Schwierigkeiten haben oder ob sie uns bei Aufgaben behilflich sein kann. Die erste Woche vergeht wie im Flug, und ich bekomme eine neue Wochenaufgabe. Schon in meiner Zeit an der Schule gab es oft Themenwochen zu einem bestimmten Motto. Egal ob Gesundheit, Weihnachten oder Erntedank, alles war dabei. Diese Woche läuft unter dem Thema „Arten, sich zu bewegen“ – also Laufen, Rennen, Schwimmen, Fahrradfahren und so weiter. Dazu soll ich Ausmalbilder, Fotoideen und Spiele heraussuchen. 

Es ist schön, zu wissen, dass ich durch das „Online Volunteering“ immer noch etwas zu der Schule beitragen kann, und es macht mir auch Spaß solche Aufgaben zu erledigen – auch wenn man das nicht mit den Aufgaben direkt vor Ort in der Schule vergleichen kann. 

So kann ich meinen Europäischen Solidaritätskorps jedoch noch zu Ende bringen und bleibe mit den anderen noch weiter in Kontakt! Doch auch die digitale Freiwilligenarbeit ist nicht für immer. Mein Freiwilligendienst geht bald schon zu Ende. 

Vielleicht besteht die Möglichkeit, ihn noch etwas zu verlängern, da ich ja einen Monat „ausgesetzt“ habe, aufgrund der Situation. Ob und wie es weitergeht und welche Aufgaben mich als nächstes erwarten, erfahrt Ihr in meinem nächsten Artikel!

Im letzten Teil unserer Auslandsreihe hat sich Lena aus den USA gemeldet. Sie möchte trotz Corona ihr AuPair beenden und ihrer Gastfamilie in dieser schwierigen Zeit unter die Arme greifen. 

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