Ein Mann sitzt auf einem Sofa. Vor ihm auf dem Tisch steht sein Laptop, auf dem Schoß hält er ein Notizbuch in das er etwas einträgt.
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Viele männliche Autoren legen den Fokus bei ihren weiblichen Charakteren auf deren äußerliche Vorzüge.

Men writing Women

Verzerrte Frauenbilder in der Literatur

Bella hat schon häufig festgestellt, dass männliche Autoren weiblichen Charakteren oft nur Attribute zuschreiben, die ihr Aussehen betreffen.

Von Bella Nauen,

Geschriebene Zeilen wie die folgenden, finden sich in Geschichten aller Art: „Sie war wunderschön, sich dessen aber nicht bewusst.“ „Sie war winzig klein und dürrer als ein Fahnenmast.“ „Ihre Unschuld konnte man von ihren großen blauen Augen ablesen.“ „Ihre größte Stärke war ihre atemberaubende Schönheit, denn sie war so bezaubernd wie ein neuerworbenes Dekostück…“ – und daran störe ich mich immer mehr. Aber wieso? Was soll an Charakterbeschreibungen wie diesen denn falsch oder gar diskriminierend sein? Denn eigentlich sind solche Zeilen doch mit Komplimenten gespickt, oder etwa nicht?!

Schönes Äußeres scheint am wichtigsten

Werfe ich einen Blick in Romane, die von einem männlichen Verfasser stammen, fällt mir immer häufiger auf, dass weibliche Charaktere auf diese bestimmte Art und Weise beschrieben werden. Denn dort ist die Figur der Frau meistens von unübersehbarer Schönheit, die Frau ist jung und natürlich unschuldig. Ihr Äußeres wird in ausgiebigem Maße beschrieben, seitenweise wird davon berichtet, wie umwerfend der Charakter doch aussehe. Und immerzu erinnern mich diese Beschreibungen an die eines Objektes. Denn zum Inneren oder gar weitreichenden Eigenschaften der Figur kommt der Autor häufig gar nicht.

Meistens spielen Werte, die Menschen im echten Leben ausmachen, keine Rolle. Frei nach dem Motto: Wieso sollte der weibliche Charakter denn auch so etwas wie Eigenschaften benötigen, wenn sie doch schon hübsch ist und damit eh alle Blicke auf sich zieht? Außerdem werden viele erdachte Frauenfiguren über die Ziele ihrer männlichen Kollegen definiert und scheinen selbst keine Bestrebungen oder Hoffnungen zu haben. Und falls es dann doch einmal dazu kommt, sind es meistens Romanzen, welche den Mittelpunkt ihres fiktionalen Lebens zu bilden scheinen – für den einen Mann würden sie all ihre Träume und Pläne verstreichen lassen.

Literatur und Filme mit dem „Bechdel-Test“ prüfen

Tatsächlich gibt es zur Prüfung, ob solch eine Stereotypisierung vorliegt ein Raster, nämlich den „Bechdel-Test“. Dieser nicht wissenschaftliche Test wurde von der amerikanischen Cartoonistin und Autorin Alison Bechdel erfunden und besteht aus drei Fragen – können all diese positiv beantwortet werden, ist der Test bestanden. Gefragt wird, ob es mindestens zwei Frauenrollen gibt und wenn ja, ob diese auch untereinander kommunizieren und zuletzt, ob sie sich primär über etwas anderes als Männer unterhalten.

Auf Anhieb würde man wahrscheinlich bei den meisten Büchern und Filmen diese Fragen mit einem selbstsicheren „ja“ beantworten – doch es ist erschreckend, wie viele bekannte Werke den Test nicht bestehen: „Avatar“, „Der Herr der Ringe“ und auch die originale „Star Wars“-Trilogie schaffen die Hürde nicht und scheitern an ihren einseitigen weiblichen Charakteren. Hingegen besteht beispielsweise „Die Tribute von Panem“ den Test, denn obwohl gleichzeitig zum Überlebenskampf der Protagonistin eine Liebesgeschichte abläuft, wirkt diese sehr sekundär und rückt, gerade im Buch, auf das Abstellgleis – Suzanne Collins sei Dank.

Autorinnen sorgen für mehrdimensionale Frauenrollen

Weibliche Autoren wie Collins legen großen Wert darauf, dass ihre Frauenfiguren mehrdimensional sind und „reale“ Frauen abbilden. Männliche Fantasien und Erwartungen, wie eine Frau laut ihnen zu sein hat, verschwinden. Stattdessen werden menschliche Fehler und Eigenschaften widergespiegelt und gehen somit über die rein physische Schönheit hinaus. Dadurch kann man sich als Leser oder Zuschauer mit der Figur identifizieren. Denn auch, wenn es sich nur um Fiktion handelt, werden erniedrigende Frauenbilder auch über die Buchseite hinaus in das wahre Leben getragen, wo sie keinen Fuß fassen können und auch nicht sollten.

Eine unserer Jugendredakteurinnen hat sich letztens gefragt, ob es Feminismus überhaupt noch geben muss und ist zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen.

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