Man sieht einen Bauch, auf den eine Wärmflasche gedrückt wird.
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Bei Sophia hat auch eine Wärmflasche nicht mehr gegen die Bauchschmerzen geholfen – also ging es zum Arzt.

Arztbesuch

„An eine große Kartoffel denken“

  • vonSophia Daniel
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Sophia musste zu ihrer ersten Magenspiegelung – und da geteiltes Leid nur noch halbes Leid ist, hat sie uns „mitgenommen“.

Seit ich mir vor ein paar Wochen auf einer Wanderung den Magen verdarb, habe ich latente Bauchschmerzen. Und ein Alltag mit Bauchschmerzen, das ist doch nichts. Also ging ich zu meiner Hausärztin. Sie machte eine Ultraschalluntersuchung und glitschte mit dem Gerät auf meinem Oberbauch herum, dann sagte sie: „Gut, dass Sie gekommen sind, der ganze Magen ist ja voller Luft! Und die Niere kann ich gar nicht erkennen hier, außerdem ist die Kokarde verdickt. Sie wissen, was eine Kokarde ist? Wie damals bei der Französischen Revolution, so eine von den Kokarden.“

Auf alles Schöne erstmal verzichten

Dann verbot sie mir Kohlensäure, Alkohol, Nikotin, säurehaltige sowie scharfe Lebensmittel (also quasi alles, was das Leben lebenswert macht) und empfahl, eine Magenspiegelung zu machen. Einen Säureblocker schrieb sie mir auch noch auf, dann schickte sie mich mit noch nicht wieder trockenem Bauch zurück an die Rezeption. Ich bekam noch ein Tütchen mit für eine Stuhlprobe. Och nö, dachte ich, bitte keine Stuhlprobe! Dann ging ich nach Hause und googelte „Kokarde“.

Daraufhin dachte ich umgehend daran, mein Testament zu machen, weil mir von diversen Websites bescheinigt wurde, definitiv Magenkrebs zu haben. Ich versuchte die kommenden drei Tage, bei der gastroenterologischen Praxis anzurufen, in der ich den Termin hatte. Ich erreichte niemanden. Verzweifelt ließ ich mir über den Terminvereinbarungsservice meiner Krankenkasse (ich wusste gar nicht, dass es so was gibt!) einen Termin für in drei Monaten geben.

Nach schlafloser Nacht zum Termin

Viel zu schnell rückte der Tag der Tage näher, an dem ich meine erste Gastroskopie bekommen sollte. In der Aufklärung stand, ich hätte die Wahl zwischen einer Sedierung (aka Schlafspritze) und einem Rachenbetäubungsspray. Da ich weder das Geld hatte, mir ein Taxi zu bestellen, noch von jemandem aus der Praxis abgeholt werden konnte, entschied ich mich für die lokale Betäubung. In der Nacht vor dem Termin schlief ich schlecht. Morgens wachte ich mit Kopfschmerzen auf und machte mich ängstlich auf zur Praxis. Dort empfingen mich die blau eingehüllten Damen und geleiteten mich zu einer Liege, auf der ich seitlich Platz nahm.

Ungeahntes Boxtalent entdeckt

Eine Arzthelferin legte mir das von mir mitgebrachte Handtuch unter, und spätestens da wurde mir klar, dass das hier kein Spaziergang werden würde. Das Rachenbetäubungsspray verdiente seinen Namen nicht wirklich. Die Ärztin bereitete den Gastroskopie-Schlauch vor, und ich bekam Angst. Dieses Gerät würde also gleich meinen Magen ausleuchten? Na dann, gute Nacht. Oder auch nicht, schließlich war ich ja nicht sediert, sondern bei vollem Bewusstsein. Und als ich da so auf der Seite lag und mir der Schlauch in den Rachen geschoben werden sollte, schlug ich beim ersten Versuch der Medizinerin gekonnt reflexartig das Ding aus der Hand. Sofort entschuldigte ich mich für meinen rechten Haken (der, so muss ich im Nachhinein zugeben, schon sehr zielsicher platziert war!) und fragte, ob ich noch etwas mehr Rachenbetäubungsspray bekommen könne. So ein bis zwei Liter.

Eine zweite Helferin setzte sich nun neben mich und hielt meine Hand, und man empfahl mir, an eine große Kartoffel zu denken und den Speichel einfach laufen zu lassen. Dann leiteten sie den Schlauch durch meine Speiseröhre in den Magen. Ich erlitt Würgereflex um Würgereflex, meine Augen tränten, ich zerquetschte beinahe die Hand der netten Arzthelferin und dachte, dass eine Magenspiegelung mit eine der schlimmsten, ekligsten Sachen ist, die ich in meinem 25-jährigen Leben bis dato hatte aushalten müssen.

Die ganze Tortur umsonst?

Schließlich war die Tortur vorbei, und ich zitterte am ganzen Körper. Das Handtuch war voller Sabber, und ich traute mich nicht, der Gastroenterologin in die Augen zu schauen. Warum hatte sie sich wohl so einen Beruf ausgesucht? Kurz bevor ich das Untersuchungszimmer wieder verlassen durfte, teilte man mir noch den Befund mit: alles unauffällig. Eventuell eine Laktoseintoleranz.

Ich wusste nicht recht, wie ich darauf reagieren sollte. Eigentlich war es ja gut. Andererseits hätte ich dafür das ganze Theater irgendwie gar nicht machen müssen. Naja, jedenfalls war ich jetzt um zwei Erkenntnisse reicher: 1. Ich habe kein Magen- oder Speiseröhrengeschwür. Der Hypochonder in mir jubiliert. 2. Nie wieder Gastroskopie. Nie wieder!

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