+
Guter Grund zum Feiern: 18 werden. Auch wenn mit diesem Alter Kindheit und Jugend offiziell beendet sind.

Wann ist man erwachsen?

Wir sind und bleiben Kinder

Vor Kurzem bin ich 20 geworden. Ich weiß noch genau, wie meine kleine Nachbarin von nebenan mich mit großen Augen ansah und fragte: „Bist du jetzt erwachsen?“ Und ich konnte bloß mit den Schultern zucken. So leicht ließ sich die Frage jedoch nicht abschütteln. Stattdessen begleitete sie mich die nächsten Tage und Wochen und brannte mir unter den Fingernägeln. Ich wollte wissen, was die Menschen in meinem Bekanntenkreis dazu sagen. Wann ist man erwachsen und vor allen Dingen: Fühlen sie sich erwachsen?

Eigentlich ist ja die 18 die magische Grenze zu unendlichem Erwachsensein. Danach darf man jegliche Art von Alkohol bestellen, sich ohne Einwilligung der Eltern tätowieren lassen oder ohne Umschweife das Land verlassen. (Entschuldigung an all die geschockten Eltern da draußen. Die meisten von uns machen all diese Dinge nicht, wenn wir 18 werden.) Man kann natürlich auch wählen gehen.

Diese Schwelle zum Erwachsensein ist jedoch keinesfalls ein rein zufällig herausgepicktes Alter. Es hat damit zu tun, dass man per Gesetz erwachsen ist und in den meisten Fällen volle Verantwortung für seine Taten übernehmen muss. Die magische 18 ist ein vom Staat erwähltes Alter. Und es ist so, dass wir uns alle daran anpassen.

Als Kind kann man den Moment nicht abwarten

Doch was ist überhaupt Erwachsensein? Als Kind will man es unbedingt werden, heute mit 20 fühlt sich dieses Wort für mich eher wie eine unheilverkündende Gewitterwolke an. Bedeutet es, keinen Spaß mehr haben zu dürfen, weil ich ja jetzt verantwortungsbewusst sein muss? Oder heißt es lediglich, alleine zu leben und jeden Donnerstag einen Waschtag einzulegen? Was ist dieses mysteriöse Erwachsensein?

Ich komme auf keine Lösung und frage deshalb bei anderen. Meine gleichaltrige Freundin Antonia ist sich sicher, dass man verantwortungsvoller, aber vor allen Dingen selbstreflektierter und empathischer wird im Alter. Doch sie wünscht sich vor allen Dingen, „die Tür zum eigenen inneren Kind immer offen zu halten.“ Außerdem lebe man doch nur einmal und sie wolle kein gelangweilter Schreibtisch-Hengst voller Verpflichtungen werden. Antonia betont: „Ich fühle mich nicht erwachsen. Manchmal erfahrener oder anders, aber ich werde immer ein Kind bleiben.“

Meine Freundin Kira ist 19 und der Meinung, erwachsen zu sein habe nichts mit dem Alter zu tun, sondern man sei es, wenn man selbstständig und alleine alle wichtigen Dinge erledigen kann. „Wir sind schon erwachsen, wenn wir noch von unseren Eltern abhängig sind. Sich selbst organisieren können, das ist für mich Erwachsensein“, sagt sie. Den Spaß solle man dabei aber natürlich auch nicht außen vor lassen.

Meiner Meinung nach ist Erwachsensein vielmehr ein Gefühl. Ich kann mich erwachsen und unabhängig fühlen, obwohl ich noch bei meinen Eltern wohne. Ebenso kann ich mich wie ein ahnungsloses Kind in den eigenen vier Wänden fühlen. Alter ist subjektiv – und das ist nicht nur aufs Äußerliche bezogen, sondern auch aufs Innere. Es gibt „Frühreife“ oder „Spätzünder“ oder solche, die perfekt ins „Erwachsen-werden-Schema“ passen. Doch eines ist klar: Wenn man von einem Tag auf den anderen auf dem Blatt ein Jahr älter wird, dann wird kein magischer Knopf betätigt und alles verändert sich. Es verändern einen vielmehr die 364 Tage bis zum nächsten Geburtstag.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare