Eine Frau in Jeansjacke und mit Rucksack auf dem Rücken steht vor einer Wand die zur Hälfte rosa und zur anderen Hälfe hellblau ist. Ihren Kopf sowie ihren Blick hat sie Richtung Boden geneigt.
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Es gibt klare Vorstellungen von den „perfekten“ Kurven einer Frau.

Vom Selbstzweifel zum Selbstbewusstsein

Wenn Brüste nicht den Erwartungen entsprechen

Die Gesellschaft diktiert schon beinahe ein Frauenbild. Doch was ist, wenn Frauen diesen körperlichen Maßstäben nicht gerecht werden?

Von Marie Stutzek* (*Name v. d. Red. geändert)

Und es hat keine Sekunde gedauert, mir Eure Aufmerksamkeit mit dieser Überschrift zu sichern. Warum? Weil es in diesem Artikel scheinbar um Brüste geht. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Es geht eben um keine Brüste. Oder viel mehr die Erwartung, die die Gesellschaft und dadurch vor allem man selbst an sich als Pubertierende stellt. Und um die furchtbare Enttäuschung, wenn einfach nichts passiert.

Innerlich bereitet man sich darauf vor, wie es wohl ist, wenn man erst einmal selbst nach der Pubertät solche Kurven trägt. Neugierig wirft man verschämte Blicke in der Sportkabine auf die Klassenkameradinnen, die anfangen, BHs zu tragen. Ich dachte immer, mein Moment würde noch kommen. Der Zeitpunkt, wo ich endlich Körbchengröße A verlassen darf, was ich gerade so mit Ach und Krach ankratze. Aber dieser Moment kam nicht.

Dabei hatten die Mädchen in den Filmen, die unglücklicherweise ja immer von älteren Frauen gespielt werden, mit 16 Jahren bereits wohlgeformte Brüste. Und auch fast alle in meiner Klasse irgendwann. Aber ich eben nicht. Ich fing also an, nach Push-Up-BHs zu greifen. Eine Bekannte stopfte sich diesen sogar mit Klopapier aus, so verzweifelt war sie. Ich war enttäuscht und verstand einfach nicht, warum ich so bestraft wurde. Ich wollte doch nur so weiblich und reif aussehen, wie alle anderen.

Flach, unbedeutend und ohne Chance auf ein Date

Die Gesellschaft hilft dir leider nicht dabei, diese private Krise zu überstehen. Sie macht dir eher klar, dass du flach und unbedeutend bist. Dass die Wahrscheinlichkeit auf einen Flirt oder ein Date mit der Körbchengröße steigt. Bei mir pendelte sich die Hoffnung auf männlichen Kontakt also bei fast null ein.

Ich schluckte die bittere Pille, nahm mein Schicksal an und lebte mit der Einstellung, dass mich eh nie jemand mit meiner Figur attraktiv finden würde. Also vielleicht toll, aber nicht erotisch anziehend. Diese Einstellung verinnerlichte ich so sehr, dass ich sie auch lange Zeit ausstrahlte, bis es mir so egal wurde, was andere über meine Brüste dachten, dass ich gemütlichere BHs anzog statt ständig nur Push-Ups zu tragen.

Irgendwann begann ich zu akzeptieren, die Körbchengröße A niemals verlassen zu können. Und es war mir schnuppe. Weil ich endlich zu mir selbst gefunden hatte. Weit abseits der von der Gesellschaft erlogenen Normen, die sich auf Plakaten und in Reality-Shows widerspiegeln. Sicherlich wird auch die Entwicklung hin zu mehr Feminismus und der Trend weg vom Body Shaming dazu beigetragen haben, mich zu stärken. Brüste werden heute immer mehr zu individuellen Körperteilen, die keiner Norm mehr gerecht werden müssen, wenn wir das nicht wollen. Dafür müssen wir die Meinungen anderer aber aus unserem Kopf verbannen.

Wenn niemand wertet, muss keiner einstecken

Viele Frauen in den sozialen Medien werden nämlich trotz ihres Selbstbewusstseins immer noch auf ihre Oberweite reduziert. Werden beschimpft, weil da ja gar nichts zu sehen wäre. Auf die ekligste Art und Weise. Es sind immer die anderen, die uns an uns selbst zweifeln lassen. Die uns Ideen in den Kopf setzen, wie wir auszusehen haben als attraktive Frau. Das macht mich wütend. Denn ich hätte mir viele Selbstzweifel sparen können.

Inzwischen habe ich mich gefunden und möchte gar nicht mehr „Holz vor der Hütte“ haben. Und ich möchte auch nicht mit Menschen zu tun haben, die mich aufgrund dessen beurteilen. Das entspricht nicht meinem charakterlichen und intellektuellen Anspruch an menschlichen Umgang. Doch dieses Statement so offen und ehrlich zu formulieren, hat ein paar Jahre gedauert. Schlagt auch Ihr Euch diese quälenden Gedanken zu Eurer Oberweite aus dem Kopf! Es ist nicht die Körbchengröße, die über Euren Erfolg in der Liebe und der Anerkennung in der Gesellschaft entscheidet, sondern ganz alleine Eure Ausstrahlung.

Eine andere Jugendredakteurin hat sich ebenfalls Gedanken zum gesellschaftlichen Bild der Frau gemacht. Sie selbst findet nämlich, dass sie dem nie wirklich gerecht werden konnte. Sei es als Kind und auch heute.

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