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Bodylotion mit Vanillearoma? Ist bestimmt lecker, meint Annikas Mitbewohner Alessandro.

Wohnen

Vom Abenteuer, als Frau in einer Männer-WG zu leben

Zu Beginn des Studiums stellen sich einem oft die wichtigen Fragen: Wie, wo und mit wem will ich eigentlich leben? Nachdem ich in meiner ersten Uni-Stadt schlechte Erfahrungen damit gesammelt habe, erst ganz alleine und dann in einer WG mit zwei Mädels zu wohnen, bin ich erst mal enttäuscht wieder zurück zu meinen Eltern gezogen und dachte, dass weder das eine noch das andere jemals meine Art und Weise zu leben werden würden. 

Doch nach ein paar Jahren Pendeln (und zwar horrormäßig langes und unbeständiges Pendeln, mit Verspätungen, Zugausfällen und allem, was dazugehört) habe ich mir doch noch mal ein Herz genommen und es mit einer WG ausprobiert – aber diesmal nicht mit zwei Mädels, sondern mit zwei Jungs. Und das funktioniert hervorragend für mich. Natürlich ist man erst einmal vorsichtig, wenn man schon mal eine schlechte Erfahrung in einer WG gemacht hat. Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als wenn man sich zu Hause unwohl fühlt und mit seinen Mitbewohnern nicht zurechtkommt. 

Nie mehr mit Fremden zusammenleben

Damals bin ich morgens sehr früh aus dem Haus und habe mich an der Uni oder in der Bibliothek aufgehalten, um bloß nicht zu Hause zu sein und bin erst spätabends wiedergekommen, um niemanden von den anderen Bewohnern zu treffen. Deswegen habe ich nach diesem Erlebnis auch gedacht, dass ich nie wieder mit „Fremden“ zusammenziehen möchte. 

Und dann hat sich vor drei Jahren doch alles irgendwie gefügt, und ich bin mit zwei Chaoten zusammengezogen, die ich sehr lieb gewonnen habe. Jungs schnacken nicht lange, sie machen einfach Als einziges Mädel in einer Männer-WG zu wohnen ist meiner Meinung nach super. Jungs sind in meinen Augen entspannter, da kann auch mal was liegen bleiben nach dem Kochen, und generell sind sie meistens auch am Zocken, sodass sie relativ wenig juckt. Meine Jungs haben außerdem einen bombenfesten Schlaf, sodass ich nashorngleich, egal zu welcher Uhrzeit, durch die Wohnung stapfen darf, ohne dass es zu Stress kommt. 

Wir gucken Filme und Serien zusammen, kochen und machen ab und an sogar Sport. Und – auch wenn ich es als emanzipierte Frau natürlich nicht zugeben möchte – es ist durchaus praktisch, handwerklich begabte und auch kräftige Mitbewohner zu haben, denn nicht selten profitiere ich davon. Zum Beispiel, wenn die neue Waschmaschine angeschlossen oder mein Fahrrad aus dem Flur runtergetragen werden muss. Ich könnte das natürlich auch alleine – zur Not. Aber ich muss nicht, und das ist auch ganz schön. Während also mit den Mädels alles ewig ausdiskutiert und kräftige Hände organisiert oder sogar bestellt und bezahlt werden mussten, wird mit den Jungs nicht lang geschnackt, sondern gemacht. 

Ausdruck "Puma-Käfig" trifft es ganz gut

Natürlich haben Jungs auch ihre Macken. Schließlich ist es damit wie mit allem im Leben: Alles hat sein Für und Wider. Die Jungs können manchmal auch sehr, sehr dreckig sein. Und es scheint sie wenig zu jucken, wenn sie in ihrem eigenen Dreck leben. Da muss ich manchmal wie Mutti die Stimme erheben und beide zum Aufräumen verdonnern – trotz Putzplan. Auch scheinen sie weniger geruchsempfindlich zu sein, denn erst in diesen drei Jahren habe ich gelernt, dass der Begriff „Puma-Käfig“ als Beschreibung für ein Jungen-Zimmer durchaus nicht abwegig ist. Auch hier greifen in der Regel jedoch erzieherische Maßnahmen oder zumindest das Schließen der Zimmertür. 

Aber das sind alles Kleinigkeiten im Vergleich zu dem ganz großen Minuspunkt, den es gibt, wenn man mit Jungs zusammenzieht: Sie essen wirklich alles auf. Eine Bodylotion mit Vanillegeschmack? Yammi! Die Brötchen, die man extra fürs Wochenende gekauft hat? Na klar, her damit. Dieser Punkt ist wirklich der einzige, wegen dem es immer wieder zu Streitereien kommt, die mit Frustration, Tränen und Wut und dem Gekreische: „Keiner packt mein Essen an“ enden. Doch dieses Manko nehme ich gerne in Kauf, denn es ist 1000 Mal besser, als alleine zu wohnen oder mit zickigen Mädels oder mit 26 Jahren immer noch daheim bei den Eltern.

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