Eine junge Frau hockt in ihrem Schlafzimmer vor leeren Regalen und vollen Kartons, die sie packt.
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Ähnlich wie das Fotomodel hat auch Miriam alle Schränke leer geräumt und dabei die ein oder andere Kiste mit Zeug vollgepackt, das auf den Müll wandern darf.

Zimmer entrümpeln

Staubige Angelegenheit

  • vonMiriam Schulemann
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Statt für ihre Klausuren zu lernen, hat Miriam beschlossen, ihr Zimmer zu entrümpeln. Hier verrät sie, welche Fundstücke dabei ans Licht kamen.

In einem Anflug von Ordnungswahn, der komischerweise immer dann aufkommt, wenn ich eigentlich für meine Prüfungen lernen sollte, fasste ich den gewagten Entschluss, mein von Krimskrams überladenes Zimmer endlich einmal rigoros zu entrümpeln. Stundenlang wühlte ich mich daraufhin durch Staub, alte Schulsachen, Bücher und noch mehr Staub und habe nicht nur verloren geglaubte Schätze wiederentdeckt, sondern auch Kindheits- und Jugenderinnerungen, die da reichten von „Oooh, wie süüüüüüß!“ bis „Oh Gott, wie peinlich!“

Mit einer gewissen Genugtuung trennte ich mich leichten Herzens von einigen alten Schullektüren (allesamt so unterhaltsam wie…na ja, wie Schullektüren eben), diversen Fehlkäufen und anderen zum Teil schweren literarischen Sünden. Die Bücherspendenkiste wurde so ziemlich schnell ziemlich voll. Bleiben durften nur Bücher, die ich wirklich gut fand und ein paar wenige Jugend-und Kinderschmöker, die beim Lesen schöne Erinnerungen wachriefen oder einfach zu gut geschrieben waren, um sie nur aufgrund meines voranschreitenden Alters wegzugeben.

Erinnerungen an die Schulzeit

Als Nächstes näherte ich mich schaudernd einem Schrank, den ich schon Monate nicht mehr geöffnet hatte und wer mich gut kennt, wird verstehen warum. Ich konnte die Tür nicht mehr rechtzeitig zuschlagen, bevor mich das Gerümpel und noch mehr Staubflocken überschütteten (meine Staubputzmoral ist WIRKLICH unterirdisch). Zum Vorschein kamen unter anderem: Ein vollständig ausgefülltes Arbeitsblatt aus dem Italienischunterricht der Klasse 11 (Aggetivo Possessivo), eine LK-Klausur der Klasse 12 (Englisch, Filmanalyse), mein Praktikumsbericht aus Klasse 9 (Recklinghäuser Zeitung, welch Zufall) und – an der Stelle flippte ich kurz aus – ein Mathe-Arbeitsheft aus der 7. Klasse!

Das quietschrote Karo-Heft hatte ich aufgehoben, da es zwischen meinen üblichen Vieren, Fünfen und Beinahe-Sechsen eine einzige, einsame Zwei enthielt – die letzte gute Zensur, die ich in diesem Fach des absoluten Grauens bis zum Abitur erreichen sollte, was das Heft eigentlich museumswürdig macht. Was soll ich sagen, das Heft wanderte zurück in den Schrank. Beweisvernichtung ist immerhin strafbar!

Kunstwerke, die melancholisch stimmen

Der nächste Fund versetzte mich aber nun endgültig in Verzückung. Mit einem spitzen Freudenschrei zog ich zwei dicke, eingestaubte Ordner aus dem Gerümpelhaufen hervor, vollgestopft mit alten Kinderzeichnungen. Hustend blätterte ich den Ordner durch und fand das gesuchte Bild schnell. Melancholisch grinsend betrachtete ich die krakelige Pferde-Zeichnung, die vor knapp 20 Jahren mein ganzer Stolz gewesen war. Mein Blick fiel auf meinen Namen, den ich in wackeligen Buchstaben und einem großen R mitten im Wort unten an den Rand gekritzelt hatte. Mir wurde sehr sehr warm ums Herz und ich seufzte tief. Schließlich schob ich die Buntstiftzeichnung zurück zwischen die anderen. Ich konnte mich einfach nicht trennen. ^

Ungeachtet der Staubflocken in meinen Haaren mistete ich weiter aus und stopfte noch weiteren Kram in den mittlerweile hoffnungslos überquellenden Mülleimer, stellte zwischen unzähligen weiteren Husten- und Niesanfällen aber zufrieden fest, dass sich das Chaos allmählich lichtete.

Fazit: Es sollte öfter aufgeräumt werden

Unbedingt erwähnt werden müssen zum Abschluss aber noch folgende extravagante Ausgrabungsstücke: Ein seit Jahren für verschollen gehaltener Ohrring (das Gegenstück hatte ich leider schon lange entsorgt), meine Glasnagelfeile (ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, eine neue zu kaufen), einen Plastikaufsatz für ein Lungenfunktionstestgerät (??), Gipsabdrücke meines Kiefers und einen Tampon (unbenutzt). Ich sollte vielleicht endlich mal anfangen konsequenter Ordnung zu halten. Aber bekannterweise überblickt nur ein wahres Genie das Chaos.

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