+
Die neongrünen Haare sind ihr Markenzeichen. Hinter Billie Eilish ist die 24-jährige Alma damit die zweitberühmteste grünhaarige Musikerin.

Im Gespräch mit Scenario: Alma

„Punk, ohne Punkmusik“

  • vonSteffen Rüth
    schließen

Sängerin Alma kommt im Gespräch mit Scenario ungeschönt ehrlich daher. 

Sie kommt im Interview vielleicht ein wenig rüpelhaft rüber. Doch Alma-Sofia Miettinen (24), die sich kurz Alma nennt, ist ein wirklich liebenswürdiger und für eine Künstlerin extrem unverstellter Mensch. Nach ihrem Durchbruch vor vier Jahren an der Seite von Felix Jaehn in „Bonfire“ und Singles wie „Chasing Highs“ legt sie jetzt endlich ihr erstes Album „Have U Seen Her“ vor.

Alma, muss man sich vor Dir in Acht nehmen? 

Unbedingt! Nein, Quatsch, wieso denn? 

Deine Songs haben Titel wie „Worst Behaviour“, „Bad News Baby“ oder „Nightmare“. Und sie stecken voller wüster Kraftausdrücke. 

Logisch. „Worst Behaviour“ ist ein Fuck-You-Song. Ein Song über die seltsamen Leute, die die Welt in Grund und Boden regieren. Typen wie Trump oder Putin. Und auch ein Song über mich. So oft im Leben musste ich mir sagen lassen, ich sei nicht gut genug und ich würde es nie zu was bringen, blablabla. „Worst Behaviour“ ist meine Antwort auf diese Runtermacher. Es ist mein „Aus dem Weg, haltet die Fresse, hier komme ich“.

Du hast mit 16 an der finnischen Castingshow „Pop Idol“ teilgenommen… 

... ja, ich kam sogar auf den fünften Platz, aber die Sendung war ein Reinfall für mich. Alles fake. Ich erinnere mich zum Glück kaum noch. Das war fast wie in einem anderen Leben, und ich war praktisch noch ein Kind. Nach „Idol“ bin ich für zwei Jahre wieder zur Schule gegangen. 

Deinen Abschluss hast Du aber nicht gemacht, oder? 

Nein, den habe ich jetzt nachgeholt. Mit diesem Album! Als ich diese Songs schrieb, habe ich sehr intensiv darüber nachgedacht, wer ich als Mensch und als Künstlerin sein möchte. Das war eine sehr wertvolle und wichtige Reise für mich, echt verdammt therapeutisch auch. Ich bin 24, ich werde mich weiter verändern. Aber inzwischen kenne ich mich selbst recht gut. 

Hast Du irgendwelche Vorbilder? 

Amy Winehouse und Lady Gaga. Aber noch lieber habe ich Indie-Punk aus Finnland gehört. 

Leicht punkig hört sich etwa der Titelsong „Have U Seen Her“ an, aber im Großen und Ganzen machst Du elektronischen Pop mit Dance- und House-Einfluss. 

Ich bin Punk, ohne Punkmusik zu machen. Ist schon eher Pop, klar. Aber Genres mag ich nicht. Pop kann alles sein, er braucht keine Mauern. 

Mit wem rechnest Du in „LA Money“ ab? 

Ich bin oft in Los Angeles zum Songschreiben, und es gibt da so einen Typus von Plattenfirmenmensch, der Künstler in reine Geldmaschinen verwandeln will. Für diese Vögel bist du ein Investment und sonst gar nichts. Aber für mich ist Musik kein Business, sondern Kunst, Erleichterung und Therapie. 

Da kommt also dieses junge, aufmüpfige Mädchen aus Finnland nach L.A., wo es auf abgebrühte und eiskalte Musikbosse trifft. Wie hast Du diese Leute von Deinen Qualitäten überzeugt? 

Indem ich sie, so gut es ging, übergangen habe. Ich habe mich lieber gleich mit den Künstlerinnen kurzgeschlossen – lernst du eine kennen, dann kennst du schnell alle. Und so schrieb ich mit Mädels wie Dua Lipa, Ariana Grande oder Miley Cyrus. 

Speziell Miley schwärmt sehr von Dir.

Miley ist eine Seelenverwandte, selbst wenn sie einen ganz anderen familiären Hintergrund hat als ich. Wir sind uns ziemlich ähnlich. Sie lässt sich auch nichts vorschreiben, und als wir zum Beispiel „Mother‘s Daughter“ komponierten, ballte sich diese Wahnsinnsenergie im Studio zusammen. 

Und wer von Euch Beiden sagt öfter „Fuck You“? 

Ich fürchte, niemand sagt öfter „Fuck You“ als ich (lacht). Aber das ist okay.

Alma erwähnt, dass sie unter anderem mit Sängerin Dua Lipa Songs geschrieben hat. Dua Lipa hatten wir kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums zum Interview getroffen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Rund 50 Sekunden im freien Fall - "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl"
Rund 50 Sekunden im freien Fall - "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl"
Das kulturelle Leben in Herten startet wieder - Veranstaltungen am Wochenende
Das kulturelle Leben in Herten startet wieder - Veranstaltungen am Wochenende
Derzeitiger R-Wert: Reproduktionszahl wieder rückläufig
Derzeitiger R-Wert: Reproduktionszahl wieder rückläufig
Kaum zu glauben: Nach mehr als zehn Jahren Wartezeit erhält ein Marler Bahnhof einen Fahrstuhl
Kaum zu glauben: Nach mehr als zehn Jahren Wartezeit erhält ein Marler Bahnhof einen Fahrstuhl
Freizeitpark "FunDomio" an der Westfalenhalle in Dortmund: Maskenpflicht im Riesenrad und Abstandsregeln in Achterbahn
Freizeitpark "FunDomio" an der Westfalenhalle in Dortmund: Maskenpflicht im Riesenrad und Abstandsregeln in Achterbahn

Kommentare