Arlo Parks hat ihren kurzen Afro rot gefärbt und trägt eine königsblaue Jacke. Sie steht leicht seitlich zur Kamera. Im Hintergrund sieht man eine leicht herruntergekommene Wohngegend.
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Die 20-jährige Arlo Parks gilt als eine der größten Pop-Neuheiten.

Im Gespräch mit Scenario: Arlo Parks

„Ich glaube, wir sind eine besonders melancholische Generation“

  • vonSteffen Rüth
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Sie wollte eigentlich nie ihre Musik veröffentlichen – zum Glück hat Arlo Parks sich anders entschieden, denn Ihr Debütalbum „Collapsed In Sunbeams“ ist ein voller Erfolg.

Die 20-jährige Londonerin, die mit wirklichem Namen Anaïs Oluwatoyin Estelle Marinho heißt, erzählt auf ihrem Debütalbum „Collapsed In Sunbeams“ in flauschig-funky-Indie-Pop-Soul-Emo-Folk verpackte Geschichten aus dem Leben der psychisch und emotional gebeutelten Jugend von heute. Ihr zuzuhören ist ein Genuss. Wir haben mit Arlo Parks gesprochen.

Arlo, Deine Songtexte wirken sehr poetisch. Welche Leidenschaft kam bei Dir zuerst: Die Worte oder die Musik?
Die Worte. Ich erinnere mich, wie ich als noch ziemlich kleines Mädchen schon Geschichten in meinem Kopf zusammenbaute. Ich hatte immer schon eine starke Affinität zu Sprache. Worte mit Musik zu verknüpfen war für mich dann bald schon ein sehr natürlicher Vorgang. Bei uns im Haus lief immer irgendwas. Ich wuchs auf unter einer kuscheligen Decke von Klängen.
Musik ist also Deine Wohlfühloase?
Total. Sie ist ein sicherer Zufluchtsort, gerade auch dann, wenn es mir nicht so gut ging. Musik grundiert mich und baut mich auf. Ich fühle mich einfach besser mit Musik. Ich höre eigentlich immer irgendwas. Egal, ob ich jetzt in meinem Zimmer bin oder spazieren gehe – die Kopfhörer sind immer dabei.

Studium der Englischen Literatur muss warten

Hast Du Deine eigene Kunst eigentlich immer veröffentlichen wollen?
Nein, ganz und gar nicht. Lange Zeit war das Schreiben von Texten und Liedern eine sehr private Angelegenheit von mir. Ein ganz persönliches, fast intimes Ritual. Indem ich Songs über bestimmte Dinge und Ereignisse schrieb, konnte ich die Erfahrungen besser verarbeiten. Bestimmt drei Jahre lang habe ich diese Songs nur sehr, sehr wenigen Freundinnen und Freunden vorgespielt.
Mit 17 hast Du dann erste Stücke ins Netz gestellt und wurdest bald schon entdeckt. Deinen Plan, Englische Literatur zu studieren, hast Du fürs erste aufgeben müssen.
Ja, das Studium würde mich nach wie vor reizen, muss jetzt aber warten. Ich spürte, dass ich bereit war, meine Lieder zu teilen. Ich entwickelte ein Bewusstsein dafür, anderen Menschen mit meiner Musik beistehen zu können und das auch zu wollen. Ihnen zu helfen und Trost zu spenden, so wie ich selbst in Musik Trost finde. Ich wollte einfach eine positive Kraft in der Welt sein und empfand es fast als meine Pflicht, die Songs zu veröffentlichen.

Lesen und telefonieren schenkt Kraft

Deine erste EP hieß „Super Sad Generation.“ Auf Deinem Album jetzt singst Du offen über eigene Angststörungen und Depressionen, etwa in „Hurt“. Du erzählst auch über die seelischen Sorgen Deiner Freunde und Freundinnen . Seid Ihr Um-die-Zwanzig-Jährigen wirklich besonders traurig?
Wirklich fundiert kann ich nur über meinen eigenen Freundeskreis sprechen, und da fällt mir schon auf, wie viele von uns, auch vor Corona, keine leichte Zeit haben und von Ängsten und Unsicherheiten gequält werden. Ich glaube, wir sind eine besonders melancholische Generation. Meine eigenen dunklen Phasen sind Teil meines Lebens. Ich schiebe negative Gefühle und Ängste nicht weg. Ich versuche, den Gefühlen auf den Grund zu gehen und aktiv Dinge zu finden, die mich glücklich machen.
Was ist das neben Musik Hören?
Natürlich lesen. Ich liebe Zadie Smith, Haruki Murakami oder auch Sylvia Plath sehr. Oder Filme gucken. Außerdem telefoniere ich echt viel. Ich bin überhaupt sehr an Menschen interessiert. Und im Innersten bin ich sogar eher eine Optimistin. Ich suche immer nach der Hoffnung, dem Silberstreif am Horizont.

Sängerin Leony hat uns im Interview verraten, was es für sie bedeutet mit Musikern wie Sam Feldt zusammenzuarbeiten.

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