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Für Sebastian Pufpaff ist das Leben ein riesiger Raum, in den man einen Flummi wirft: „Irgendwann entscheidet er sich für eine Richtung.“ Ein Ansporn für die Jugend!

Im Gespräch mit Scenario: Sebastian Pufpaff

„Humor entdecken, wo ihn keiner vermutet“

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Sebastian Pufpaff spricht exklusiv mit Scenario über sein Bühnenprogramm, die Selbstentlarvung von Miesmachern im Netz und überflüssige B-Pläne.

Als Vertreter von Arbeitgeberverbänden oder Lobbyist kennen ihn viele Zuschauer aus der „heute-show“. Für uns nahm sich Comedian Sebastian Pufpaff Zeit für ein Gespräch über seinen Plan A, Politik und grenzwertige Kommentare. 

Scenario: Sebastian, aktuell bist Du mit Deinem Programm „Wir nach“ unterwegs. Was erwartet die Zuschauer in Deinem Programm, und wie kam der Titel zustande?

Sebastian Pufpaff: Die Zuschauer erwartet der „Pufpaff-Weg“. Er ist immer ein bisschen anders. Ich mache kein klassisches Kabarett, bei dem der da vorne die Politiker durch den Kakao zieht, sondern halte eher den Spiegel vor. In „Wir nach“ geht es ums Führen, denn wir leben in einer Zeit, in der Demagogen und Populisten weit vorne sind. Das ziehe ich bis ins lächerlich kleinste Detail und inszeniere mich, um mich dann komplett zu widerlegen. 

Scenario: Du hast unter anderem Rechts- und Politikwissenschaften, Soziologie und Staatsrecht studiert. In welche Richtung wärst Du beruflich gegangen, wenn es mit der Comedy nicht geklappt hätte? 

Sebastian: Schöne Frage. Meine Frau hatte mich immer gefragt: „Was machst du, wenn Plan A nicht funktioniert?“ Ich habe immer gesagt: „Plan A funktioniert!“ Zu keinem Zeitpunkt habe ich zugelassen, dass für mich ein anderer Plan relevant wurde, ich wollte, dass es klappt. Man muss an den Traum glauben, und irgendwie wird es funktionieren.

Nachname eignet sich zum Gesprächseinstieg

Scenario: Wie bist Du zur Comedy gekommen? Hat Dein Nachname dabei eine Rolle gespielt? 

Sebastian: Ich bin gewohnt, dass Menschen um mich herum lachen, habe es aber nie als negativ empfunden. Der Nachname war natürlich ein guter Einstieg für jedes Gespräch. Man wird affiner, was den Humor und die Lacher angeht. Ich fand es immer schön, wenn Menschen gelacht haben, von daher finde ich es schön, Lacher zu produzieren. Mittlerweile werde ich mit meiner Humorfarbe immer böser – aber das finde ich gut: Humor zu entdecken, wo ihn keiner vermutet. 

Scenario: Als Kabarettist greifst Du auch gerne aktuelle politische Themen auf. Derzeit sind viele Comedians und Kabarettisten häufig grenzwertigen Kommentaren in den sozialen Netzwerken ausgesetzt. Wie gehst Du damit um? 

Sebastian: Es verhagelt mir nicht den Tag. Es vermiest mir dahingehend die Laune, dass ich sehe, um welche wiederkehrende kleine Gruppe es sich handelt. Sie verbreitet eine Stimmung, die so nicht da ist. Es ist eine Minderheit, die YouTube, Facebook et cetera vergiftet, was mich stört. Einmal im Monat lasse ich mich auf eine solche Diskussion in den sozialen Netzwerken ein und höre erst auf, wenn der andere aufgibt. Meistens ist es so, dass meine Kommentare in der Diskussion mehrere Tausend Likes haben und mein Gegenüber sich selbst diskreditiert. Darum geht es mir. Generell gewöhnt man sich mit der Zeit aber an solche Kommentare. Witzigerweise kommen nach der Vorstellung immer einige Personen zu mir, die diskutieren wollen, die Zeit nehme ich mir auch – man wird aber nicht jedem gerecht. 

Fridays for Future ist unterstützenswert

Scenario: Die junge Generation interessiert sich mehr für das politische Geschehen als früher. Wie findest Du diese Entwicklung? 

Sebastian: Finde ich super und absolut unterstützenswert. Auch „Fridays for Future“. Über Jahrzehnte wurde gesagt, jüngere Menschen interessieren sich nicht für Politik. Wir haben vielmehr nun viele ältere Menschen, die sich nicht für die Politik interessieren. Daher ist eine solche Bewegung wichtig, und man sollte sich Gehör verschaffen. 

Scenario: Wenn Du der jungen Generation einen Ratschlag mit auf den Weg geben könntest, welcher wäre das? 

Sebastian: Macht Euch keinen Stress! Ich habe 21 Semester studiert, weil ich mich finden musste. Guckt unter jeden Deckel, schaut in jeden Topf! Für mich ist ein Leben ein riesiger Raum, in den man einen Flummi wirft. Am Anfang titscht er überallhin, und irgendwann entscheidet er sich für eine Richtung. Man braucht keinen Plan B, wenn Plan A gut ist. (Lucas Kurth)

INFO Sebastian Pufpaff auf Tour mit seinem Programm „Wir nach“: 30. April 2020, 20 Uhr, Theater Marl. Karten gibt es im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter der Ticket-Hotline Tel. 0209 / 14 77 999.

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